Förderschulen vor drastischem Einschnitt

Mindestgrößen sollen neu geregelt werden

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Düsseldorf/Bielefeld (jbö). Die Landesregierung will eine neue Mindestgröße von Förderschulen verordnen. Das gebiete laut NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) "der demografische Wandel und der Wille der Eltern". Während Verbände und Politiker reihenweise Schließungen befürchten, sieht ein Schulamtsleiter auch Chancen.

1978 wurde die Mindestgröße von Förderschulen, damals noch Sonderschulen genannt, in NRW festgesetzt. "Nicht mehr zeitgemäß" findet Löhrmann diese alte Regelung. Zudem halte der Landesrechnungshof viele Schulen für "zu klein".

In OWL stehen über 90 Förderschulen unter der TAufsicht der Bezirksregierung Detmold, darunter 43 mit dem Förderschwerpunkt "Lernen". Diese wird die Neuregelung besonders betreffen, weil die Schülerzahl laut Ministerium in den vergangenen Jahre "stark gesunken" sei: Eltern schicken ihre Kinder demnach lieber auf allgemeine Schulen. Künftig soll es Förderschulen dieser Art in NRW nur noch geben, wenn mehr als 144 Kinder die Sekundarstufen I und II besuchen.

Die Bezirksregierung Detmold erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass viele Schulen gerade in ländlichen Gebieten diese Mindestzahl unterschreiten. "Auf solche Schulen kommen Veränderungen zu."

Zwangsweise würden so viele Förderschulen "auf kaltem Wege" geschlossen, kritisierte der Verband Bildung und Erziehung NRW. Der Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser (CDU) warf Löhrmann vor, "die Zukunft eines flächendeckenden Angebots an Förderschulen aufs Spiel zu setzen".

Lob gab es dagegen von Sigrid Beer (Grüne): "Zu kleine Schulen können kein angemessenes Bildungsangebot für die Schüler stellen."

Der Bielefelder Schulamtsleiter Georg Müller sagte, dass Förderschulen vor "gravierenden und existenziellen Veränderungen stehen". Drei von sieben Schulen unter Trägerschaft der Stadt unterschritten die geplanten Mindestgrößen.

Die Verordnung soll aber erst ab dem Schuljahr 2015/2016, und nicht, wie zuvor geplant, ein Jahr früher greifen: "Das gibt uns eine größere Übergangszeit." Die Regelung beinhalte zudem die Chance, "kleinere Schulen in Verbundsschulen zu orientieren". Vorherige Überlegungen aus Düsseldorf hätten für viele kleine Förderschulen "das sichere Aus" bedeutet.

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