Jugendliche lernen im Sportverein trinken

Langzeitstudie über den Einfluss von Vereinszugehörigkeit auf Gesundheits- und Sozialverhalten

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Wolf-Dietrich Brettschneider. - © FOTO: UNI
Wolf-Dietrich Brettschneider. (© FOTO: UNI)

Paderborn (sim). Vereinssport führt offenbar nicht automatisch dazu, dass Jugendliche weniger gewaltbereit sind, weniger zu Übergewicht neigen oder weniger Alkohol trinken. Auch als Mittel zur Integration von Migranten ist der Sportverein weitgehend wirkungslos. Diese ernüchternden Befunde hat die Universität Paderborn in einer Langzeitstudie ermittelt.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren - von der dritten Klasse bis zum Abitur oder zur Berufsausbildung - untersuchten Wolf-Dietrich Brettschneider, inzwischen emeritierter Sportwissenschaftler aus Paderborn, und sein Potsdamer Kollege Erin Gerlach den Einfluss des Sports auf Jungen und Mädchen.

Bilanz: Selbst über eine stabile und über zehn Jahre dauernde Mitgliedschaft im Sportverein ließen sich "keine durchweg positiven Effekte erzielen", heißt es in der Studie. Ausnahme: Sportliche Jungen und Mädchen rauchen deutlich seltener als nicht sportliche Altersgenossen. Beim Alkohol dagegen erweise sich der Sportverein "als Ort, an dem das Trinken von Alkohol nicht nur kultiviert, sondern auch gelernt wird".

Für die Sportvereine Erfreuliches weiß Brettschneider gleichwohl auch zu berichten: Sie seien "die ideale Plattform zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeit".

Für den Leistungssport wichtig sei der Befund, dass frühe Spezialisierung und frühe Teilnahme an Wettkämpfen für eine Sportlerkarriere eher hinderlich sind - förderlich dagegen seien Motivation und Beharrlichkeit der Kinder.

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