Bielefelder Türsteher weist Asylbewerber ab

Miriam Scharlibbe

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Verschlossen: Die Türen des Ringlokschuppens blieben am vergangenen Samstag für zwölf Asylbewerber verschlossen. Sie waren von einem gemeinnützigen Verein zum Kennenlernabend samt Diskobesuch eingeladen worden. Letzterer blieb ihnen aber verwehrt. - © Oliver Krato
Verschlossen: Die Türen des Ringlokschuppens blieben am vergangenen Samstag für zwölf Asylbewerber verschlossen. Sie waren von einem gemeinnützigen Verein zum Kennenlernabend samt Diskobesuch eingeladen worden. Letzterer blieb ihnen aber verwehrt. (© Oliver Krato)

Bielefeld/Spenge. Sie wollten gemeinsam tanzen – am Welttag gegen Rassismus: Zwölf junge Männer aus dem Kosovo, aus Ghana, Guinea, Albanien, Syrien, Eritrea, Irak und Aserbaidschan. Als Asylbewerber leben sie derzeit in einer Unterkunft in Spenge. Nach dem fröhlichen Essen in einer Pizzeria endete ihr Abend abrupt an der Tür zum Bielefelder Ringlokschuppen. Ein Türsteher wies die dunkelhäutigen Männer ab. Die Begründung: Große Gruppen müssen sich vorher anmelden.

Es sollte ein besonderer Abend für die 19- bis 30-jährigen Männer werden, die am vergangenen Samstag auf Einladung von Erhard Krull vom Herforder Verein „Rad und Tat“ zusammengekommen waren, einem Projekt für Menschen mit Migrationshintergrund. Der Besuch der Bielefelder Pizzeria und der Großraumdiskothek sollte dazu dienen, sich näher kennenzulernen. Kontakt zu der Gruppe hatte Krull über den Verein „Pro Asyl“ erhalten.

Nach dem entspannten Essen begann laut Krull „das Dilemma des Abends vor der Diskotür“. Er selbst habe gerade einen Begleiter zum Bahnhof gebracht, als die Gruppe vor der Diskotür abgewiesen wurde. Seine Tochter berichtete ihm später von dem Argument des Türstehers: Die Asylbewerber würden nicht zur Zielgruppe des Abends passen und deshalb könnten sich andere Gäste gestört fühlen.
Frustierte Abreise

Allein diese Ausrede sei schon diskriminierend: „Die Zielgruppe war in etwa gleichaltrig, gleich angezogen und hatte vermutlich auch das gleiche Interesse: eine schöne Nacht bei Musik und Tanz zu verbringen“, so der Herforder. „Es gab nur einen Grund, uns nicht hereinzulassen: Die Zielgruppe war ,wenig pigmentiert’ und das war bei uns nicht der Fall.“ Auch hatte niemand aus der Gruppe Alkohol getrunken. „In der Pizzeria haben wir nur Cola und Fanta bestellt.“

Die Gruppe sei dann frustriert und zeitaufwendig per Nachtbus nach Spenge gefahren, um dort eine Disko zu besuchen. Doch das Erlebnis in Bielefeld wirkte da bereits nach. „Ich habe mich lange nicht mehr so geschämt“, sagt Krull. Er sprach von einer „Apartheid der Türsteher“. Wie sich die Asylbewerber gefühlt haben, vermag er sich kaum vorzustellen.

Andreas Schneider vom Ringlokschuppen wehrt sich gegen die Vorwürfe: Er sagte im Gespräch mit der NW, die Hautfarbe der Männer habe keine Rolle gespielt. „Wir lassen nie große Gruppen rein, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass das zu Sicherheitsproblemen führt.“ Zudem habe der Türsteher den Eindruck gehabt, dass einige Gruppenmitglieder noch minderjährig seien. Zur Ausweiskontrolle sei es aber gar nicht mehr gekommen. „Die Gruppe hat das Nein akzeptiert und ist gegangen“, so Schneider.

Grundsätzlich sei es üblich, dass sich Gruppen – zum Beispiel mit Rollstuhlfahrern und Sozialarbeitern – anmelden. Sie erhalten dann sogar freien Eintritt. Karl Hankel von Pro Asyl bezweifelt, dass die Herkunft keine Rolle gespielt habe: „Das sind nette Männer, die keine Randale machen. Deswegen haben sie nicht mit den Türstehern diskutiert. Aber wenn man nur über andere Menschen spricht, anstatt mit ihnen, entstehen solche Probleme.“


Wiederkehrende Kritik

Der Ringlokschuppen steht nicht allein in der Kritik. Immer wieder sehen sich Diskobesucher diskriminiert, nachdem sie abgewiesen wurden. Erst im vergangenen Oktober hatte die erste Fußballmannschaft des VfB Fichte ähnliche Kritik geäußert. Damals waren Teile der Mannschaft nicht in den Elephant-Club gekommen. Ihr Vorwurf: Vor allem ihre dunkelhäutigen Spieler hätten nicht eintreten sollen. Als die beiden Spieler, die keinen Alkohol getrunken hatten, frustriert nach Hause gegangen seien, habe der Rest der Mannschaft Zutritt erhalten.

Elephant-Manager Holger Schmidt zeigte Unverständnis für die Vorwürfe: Der Grund für die Abweisung liege viel mehr in der „Dynamik großer Männergruppen“ begründet. Gerade wenn Alkohol eine Rolle spiele, würden solche Gruppen ausgeschlossen, um die Sicherheit der anderen Gäste zu gewährleisten.

Das bestätigt ein Türsteher, der nicht genannt werden möchte: „Es liegt vor allem am Alkohol. Die jungen Leute trinken mehr denn je. Deswegen sind die zwar nicht gleich alle brutale Schläger, aber die torkeln. Ein kleiner Schubser kann sofort Streit auslösen. Heute überschreiten die jungen Männer im Streit deutlich mehr Grenzen als früher. Die sind unberechenbarer geworden.“

Die Reaktion mehrerer Leser auf solche Diskriminierungsvorwürfe zeigt aber, dass die Wahrnehmung der Betroffenen anders ist: Eine Mutter nannte die Elephant-Stellungnahme lächerlich, da ihr dunkelhäutiger Sohn dort ähnliche Erfahrungen machen musste. Sogar ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma meldete sich zu Wort, nachdem im Januar 2013 ein dunkelhäutiger Schüler seine eigene Vorabi-Party im Café Europa am Jahnplatz nicht besuchen durfte: „Ich sehe immer wieder, dass solche Türsteher unseren Ruf kaputt machen.“ Vieles sei von der Willkür einzelner abhängig.

Auch die Bierbörse am Boulevard wurde bereits kritisiert: Ein Anwalt mit nigerianischem Vater klagte nach einer Einlassverweigerung wegen Diskriminierung sogar auf Schmerzensgeld. Das Gericht wies seine Zivilklage 2009 allerdings ab, weil der Kläger den Beweis der Diskriminierung nicht erbringen konnte. Es stand letztlich Aussage gegen Aussage. (jr)

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