Anonyme Bombendrohung gegen Bielefelder Moschee - war es Combat 18?

veröffentlicht

Die Moschee an der Ernst-Rein-Straße. - © Jens Reichenbach
Die Moschee an der Ernst-Rein-Straße. (© Jens Reichenbach)

Bielefeld. Die Bielefelder Ditib-Moschee an der Ernst-Rein-Straße hat am Mittwoch eine anonyme Bombendrohung erhalten. Die Polizei evakuierte noch an diesem Abend das Gebäude. 

Update, 14 Uhr: Nach unterschiedlichen Medieninformationen sollen diese Mails von einer rechtsterroristischen Gruppe unterzeichnet worden sein. Während der WDR berichtete, dass eine gleichlautende Mail in Hagen von der inzwischen verbotenen Terrorgruppe "Combat 18" unterschrieben worden sein soll, wurde die Bielefelder Drohung nach Informationen der Lokalredaktion von einer "Kampfgruppe 18" unterzeichnet.

Nach Angaben der Polizei hatten die Verantwortlichen der Moschee am Mittwochabend gegen 21 Uhr eine anonyme Droh-E-Mail entdeckt,  die um 15.11 Uhr im Posteingang gelandet war. In der Mail wurde eine Sprengstoffexplosion angekündigt, die um 17 Uhr in den Räumen der Moschee losgehen sollte. Der Moscheeverein informierte unmittelbar die Polizei.

Das Gebäude des Moscheevereins wurde daraufhin sofort evakuiert. Zu Schaden kam niemand. Polizeibeamte mit Sprengstoffspürhunden durchsuchten die Räume bis mitten in der Nacht - ohne Ergebnis. Verdächtige Gegenstände fanden sie nicht.

Staatsschutz nahm Ermittlungen auf

Der Staatsschutz der Polizei Bielefeld nahm die Ermittlungen auf, inzwischen ermittelt zentral aber das Polizeipräsidium Dortmund in der Sache. Denn am Nachmittag waren bereits ähnliche Bombendrohungen per Mail bei Ditib-Moscheen in Hagen, Essen und Unna eingegangen. Auch hier blieb es bei der bloßen Drohung. Gefährliche, explosive Stoffe wurden auch hier vergeblich gesucht.

Inwieweit es Zusammenhänge zu der Drohung in Bielefeld gibt, ist jetzt Teil der Ermittlungen. Die zeitliche Nähe und der vergleichbare Inhalt der E-Mails lege nahe, dass sie von den gleichen Urhebern stammen, so die Polizei, sicher sei das aber noch nicht.

Mail-Inhalt lässt nicht automatisch Rückschlüsse auf Täter zu

Eine Polizeisprecherin wollte die rechtsradikale Herkunft der Mails nicht bestätigen. Sie warnte vor der verfrühten Annahme, dass der Inhalt der Mail auf den Absender schließen lässt: „Wir versuchen gerade zu ermitteln, wer diese Mails geschrieben hat. Der Inhalt allein lässt nicht automatisch Rückschlüsse auf den Täter zu."

So könnten Angaben der Drohung auch fingiert sein, um von der eigenen Spur abzulenken, betont sie. Beim Bombenattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund habe der Täter auch ein islamistisches Bekennerschreiben abgegeben, tatsächlich sei er aber Börsenspekulant aus Osteuropa gewesen.

"Einschüchterungsversuch ist nicht hinnehmbar"

Die Bielefelder Grünen zeigen sich schockiert, wie sie in einer Mitteilung schreiben: "Es macht mich sehr betroffen, dass die Gemeindemitglieder so bedroht wurden. Dieser Einschüchterungsversuch ist nicht hinnehmbar, unsere Solidarität gilt den Mitgliedern der Gemeinde", so Grünen-Sprecherin Schahina Gambir. Es gelte nun aufzuklären, ob die Bombendrohung rassistisch und islamfeindlich motiviert war.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.