Ente mit elf Küken verirrt sich auf Harsewinkeler Gartenteich

Burkhard Hoeltzenbein

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Auf nicht mehr nachzuvollziehenden Wegen hat sich eine Entenmutter mit elf Küken in das schmucke Gartenidyll verirrt. - © Burkhard Hoeltzenbein
Auf nicht mehr nachzuvollziehenden Wegen hat sich eine Entenmutter mit elf Küken in das schmucke Gartenidyll verirrt. (© Burkhard Hoeltzenbein)

Harsewinkel. Da staunt Gerd Wetzel nicht schlecht, als er am Mittwoch in seinen gepflegten Garten blickt. Auf seinem Koikarpfenteich tummelt sich eine Schar Entenküken, deren Mama alle Mühe hat, den trubeligen Federhaufen zusammenzuhalten. Wetzel, ein erfahrener Angler, startet eine Rettungsaktion, die Kreise zieht.

Schließlich sind es ja nicht alle seine Entchen, die da auf dem „See" schwimmen. Sondern ein paar mehr oder weniger willkommene Gäste, die sich auf nicht mehr nachzuvollziehenden Wegen in das schmucke Gartenidyll verirrt haben. Von der dort lauernden vierbeinigen „Gefahr" bei Wetzels haben sie da noch nichts mitbekommen. „Bleiben können sie hier ja nicht", macht der drahtige 72-Jährige von seinem Hausrecht Gebrauch. Nicht weil ihn die Enten etwa stören würden. Sondern weil Mitbewohnerin Milly reges Interesse an dem gefiederten Festschmaus entwickeln könnte. Milly ist die Hauskatze im Hause Wetzel. Eine Freigängerin, die ihren Herrschaften gerne mal aus lauter Dankbarkeit für die freundliche Hausgemeinschaft eine gejagte Maus vor die Tür legt.

Was wiederum ganz und gar nicht im Sinne des Naturfreundes wäre, wenn der Stubentiger beim Entennachwuchs ähnliche Gelüste entwickeln würde. „Um die Entenkinder vor unserer sehr interessierten Katze zu schützen, fange ich die elf Küken sicherheitshalber ein", beschließt Gerd Wetzel. Vorsichtshalber holt er noch seinen Nachbarn zu der beflügelten Geflügeljagd hinzu. Die fach- und sachgerechte Ausrüstung samt Angelnetz hat der ehrenamtliche Entenretter ja ohnehin zur Hand.

Fangaktion hat das Zeug zum Slapstick

Für die Zuschauer beginnt eine Vorführung, die zwischendrin durchaus filmreifes Slapstick-Format hat. Mit ihren Keschern, einem sackartigen Netz an einem Holzstiel, mit dem der Angelsportler Gerd Wetzel sonst seinen Fang einholt, fischen die Männer ein Entlein nach dem anderen aus dem Teich. Die sind erstens auf dem Wasser noch nicht so flink, zweitens noch nicht gut zu Fuß und fliegen können die Küken drittens ja nun mal auch noch nicht.

Seine Badegäste hat Gerd Wetzel zum Schwanensee im Stadtpark bugsiert. Nach dem Nachwuchs will er in den nächsten Wochen ab und zu mal gucken. - © Burkhard Hoeltzenbein
Seine Badegäste hat Gerd Wetzel zum Schwanensee im Stadtpark bugsiert. Nach dem Nachwuchs will er in den nächsten Wochen ab und zu mal gucken. (© Burkhard Hoeltzenbein)

Nur eine spielt bei der Prozedur nicht mit. Die Entenmama hat zwar Sorge um ihren Nachwuchs, doch wenn der Kescher durch die Luft wischt, um sie im Flug zu erwischen, entwickelt die Fliegerin dann doch mehr Angst als Vaterlandsliebe und vollführt einen Senkrechtstart aus dem Wasser nach dem anderen.

Den vollzählig eingesammelten Kindergarten sperrt Wetzel in einen luftigen Käfig und dann geht es mit den Enten im Gänsemarsch zum Schwanenteich. Dort, so hofft der Tierfreund, findet die quakende Familie unter ihresgleichen das passende Wohnquartier im naturnahen Biotop. „Wir sind dann zu Fuß mit den Küken im Katzenkäfig und der Entenmutter im Schlepptau losgelaufen", schildert der fitte Rentner, der früher wie auch seine Frau bei Bertelsmann in Gütersloh schaffte, den Ausflug. Das Muttertier watschelt mit und passt auf seinen schnatternden Nachwuchs im Käfig auf.

Autofahrer haben ein Herz für Enten

Ein Herz für Tiere entwickeln auch die Autofahrer auf der Hesselteicher Straße, die es auf dem Weg ins Entenparadies zu überqueren gilt. „Ich habe die Autofahrer mit Armzeichen gestoppt", erklärt Wetzel. „Die haben mein Ansinnen sofort erkannt und haben bereitwillig angehalten", erzählt er. So kommen Entenretter, Käfigküken und vor allem die frei nebenher laufende Entendame problemlos über die gefährliche Fahrbahn. Wenige hundert Meter weiter erreichen Wetzel und sein Trupp schließlich den Stadtparksee und lassen die Kinder aus dem Korb. „Sofort vereinigt sich die Entenmutter mit ihren Küken und entschwindet mit ihnen auf den See", fügt er noch das Happy-Ent(e) der Geschichte an.

Tags drauf will Wetzel es dann aber doch noch mal genauer wissen, wie denn seine Kurzzeitgäste im neuen Flora-Fauna-Habitat angekommen sind. Von der Mutter-und-Kind-Blase ist nichts zu sehen. „Wahrscheinlich müssen die sich erst erholen", vermutet er ein Versteck irgendwo im Ufergestrüpp. Der Entenhelfer wird in dieser Saison sicher noch öfter am See vorbeischauen. Und hoffen, dass ihm seine Badegäste irgendwann noch mal wohlbehalten und vollzählig über den Weg schwimmen.

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