Arminia verpflichtet Scherning - Arabi appelliert an den Teamgedanken

Der 38-Jährige folgt auf Uli Forte, der nach vier Niederlagen und nur 74 Tagen im Amt freigestellt worden war. Der Neue kommt von Drittligist VfL Osnabrück.

Kerstin Kalkreuter und Jan Ahlers

  • 0
Daniel Scherning (r.) und Co-Trainer Michael Henke halten eine erste Ansprache - keine 24 Stunden nach der letzten Einheit beim VfL Osnabrück startet der 38-Jährige nun in Bielefeld durch. - © Andreas Zobe
Daniel Scherning (r.) und Co-Trainer Michael Henke halten eine erste Ansprache - keine 24 Stunden nach der letzten Einheit beim VfL Osnabrück startet der 38-Jährige nun in Bielefeld durch. (© Andreas Zobe)

Bielefeld. Arminia Bielefeld hat einen Nachfolger für den am Mittwoch freigestellten Fußballlehrer Uli Forte gefunden: Daniel Scherning ist neuer Cheftrainer des DSC. Der 38-Jährige trainierte bislang den Drittligisten VfL Osnabrück. Die Einigung erfolgte dem Vernehmen nach am Mittwochabend, über die genauen Transfermodalitäten vereinbarten die beiden Klubs Stillschweigen. Die Ablösesumme dürfte dem Vernehmen nach bei 200.000 bis 250.000 Euro liegen - auf Seiten des abgebenden Klubs kursieren etwas höhere Zahlen, was aber ganz branchenüblich ist.

Bereits am Donnerstagmorgen leitet Scherning die erste Trainingseinheit bei den Bielefeldern - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sein Debüt an der Seitenlinie feiert er dann am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den aktuellen Tabellenzweiten 1. FC Heidenheim.

Fotostrecke: Bildergalerie: Der Start von Daniel Scherning bei Arminia Bielefeld

Osnabrück erfüllt Wechselwunsch

"Daniel Scherning hat unser volles Vertrauen, die Trendwende zu schaffen und unsere Mannschaft zu stabilisieren. Sein bisheriges Wirken als Cheftrainer und sein Werdegang mit langjähriger Arminia-Vergangenheit geben uns die Überzeugung, die bevorstehenden Aufgaben zu lösen", wird DSC-Sport-Geschäftsführer Samir Arabi in der Vereinsmitteilung zitiert. "Ich erwarte in unserer Lage von jedem, alles dem Teamgedanken unterzuordnen, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Als Cheftrainer kommt Daniel Scherning eine besondere Bedeutung bei, Mannschaft und Trainerstab zu führen."

"Wir hatten einen offenen Austausch mit Daniel, nachdem Arminia Bielefeld auf ihn und auch auf uns zugekommen ist. Mit der Freigabe für einen Wechsel haben wir seinem Wunsch entsprochen, den wir inhaltlich für ihn persönlich nachvollziehen können", sagte VfL-Sportdirektor Amir Shapourzadeh in einer Vereinsmitteilung. Bei den Osnabrückern übernehmen zunächst die bisherigen Co-Trainer Tim Danneberg und Danilo de Souza.

Der neue Cheftrainer sagte selbst zu seinem Wechsel: "Ich komme mit großer Zuversicht und sehr viel Lust auf diese Herausforderung zurück nach Bielefeld. Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder zahlreiche Kontakte zum DSC Arminia und in die Stadt." Es liege eine große Aufgabe vor ihm, die er aber mit Überzeugung, Mut und Leidenschaft angehe.

Der gebürtige Paderborner Scherning hat "Stallgeruch" beim DSC. Er verbrachte gut neun Jahre bei Arminia, trainierte von 2012 bis 2016 die damalige zweite Mannschaft und war zuvor als Scout tätig. Während seiner Zeit beim SC Paderborn (Co-Trainer) machte er den bis Anfang 2021 den Fußballlehrerschein, der VfL Osnabrück war seit vergangenem Sommer seine erste Station als Cheftrainer im Profibereich.

Elf Jahre, zehn Cheftrainer beim DSC

Scherning ist bereits der zehnte Cheftrainer, den Arminias Sport-Geschäftsführer Samir Arabi in seiner elfjährigen Amtszeit verpflichtet hat. Vor dem Italiener Forte, der nach dem historischen Fehlstart in die 2. Bundesliga mit vier Niederlagen in Folge nach nur 74 Tagen seinen Hut nehmen musste, hatte Frank Kramer den Abstieg aus der Bundesliga nicht verhindern können. Der jetzige Trainer von Schalke 04 wurde nach seiner Freistellung bei den Bielefeldern im April dieses Jahres interimsweise von einem Trainerquartett um Torwarttrainer Marco Kostmann und den erfahrenen Co-Trainer Michael Henke ersetzt. Auch sie schafften die Trendwende nicht mehr.

Kramer seinerseits hatte Anfang März 2021 den bei den Fans beliebten Uwe Neuhaus beerbt. Dem Aufstiegstrainer wurde sein schwieriges Verhältnis zur sportlichen Leitung zum Verhängnis. Neuhaus war im Dezember 2018 für Jeff Saibene ins Amt gekommen. Der Luxemburger hatte den DSC nach seiner Vorstellung im März 2017 vor dem Fall in die Drittklassigkeit bewahrt, seinem Vorgänger Jürgen Kramny (15. November 2016 - 14. März 2017) war dies nicht mehr zugetraut worden. Nach einer Sieglosserie von neun Partien und dem Aus im DFB-Pokal musste Saibene im Dezember 2018 den Stuhl räumen.

Meier folgt Ruf aus der Bundesliga

Zuvor war Rüdiger Rehm mit seinem Konzept von Fußball nach zehn Liga-Spielen ohne Sieg in Bielefeld gescheitert. Der langjährige Trainer des SV Wehen Wiesbaden war im Sommer 2016 als Nachfolger von Norbert Meier beim DSC vorgestellt worden. Meier war damals den Lockrufen des damaligen Bundesligisten Darmstadt 98 gefolgt. In die Amtszeit des heute 63-Jährigen (23. Februar 2014 - 30. Juni 2016) fiel das Relegationsdrama und die direkte Rückkehr in die 2. Bundesliga.

In die zweite Liga hatte der vormalige Co-Trainer und spätere Cheftrainer Stefan Krämer (20. September 2011 - 23. Februar 2014) den DSC geführt. Er hatte den wegen Erfolglosigkeit entlassenen Markus von Ahlen (1. Juli 2011 - 20. September 2011) erst als Interimstrainer abgelöst, bevor er im November 2011 fest als Coach verpflichtet wurde. Der Neustart in der dritten Liga gelang unter von Ahlen nicht. Einen ähnlichen Absturz in die Drittklassigkeit gilt es für den neuen Cheftrainer unter allen Umständen zu verhindern.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare