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Vitalzentrum Kühlmuss & Grabbe
Trotz Lähmung den Alltag meistern

(© Andrea Markwitz)

Detmold. Lähmungen treten nicht nur nach einem Schlaganfall auf. Nahezu die gleichen Symptome zeigen sich auch bei Multiple Sklerose (MS). „Ursache und Verlauf sind zwar unterschiedlich, doch beide Patientengruppen haben mit denselben Problemen zu kämpfen", weiß Markus Schumacher, Orthopädietechnik-Mechanikermeister bei Kühlmuss & Grabbe in Detmold. Gemeinsam mit zwei Kollegen setzt er tagtäglich alles daran, damit Betroffene ihren Alltag bestmöglich meistern können.

Intensive Betreuung: Orthopädietechnik-Mechanikermeister Markus Schumacher erläutert MS-Patientin Jennifer Wind die Funktion der elektronischen Orthese L300 Go. - © Andrea Markwitz
Intensive Betreuung: Orthopädietechnik-Mechanikermeister Markus Schumacher erläutert MS-Patientin Jennifer Wind die Funktion der elektronischen Orthese L300 Go. (© Andrea Markwitz)

Jennifer Wind ist eine derjenigen, die von der Kompetenz des Vitalzentrums profitiert. Im November 2011 wurde bei ihr MS diagnostiziert. Über Jahre waren immer mal wieder Symptome aufgetaucht, die so unspezifisch waren, dass ihr Zusammenhang nicht erkennbar war: eine Entzündung des Sehnervs, Zittern des ganzen Körpers bei einer Wanderung, Taubheitsgefühl im rechten Arm bis hin zur Teillähmung des linken Unterschenkels. Nach Klinikaufenthalten, einer Intensivtherapie mit Cortison und Rehamaßnahmen erhielt die Kalletalerin eine ärztliche Verordnung für eine Fußhebeschiene. „Trotz der mechanischen Orthese wurde das Gehen immer problematischer. Zudem war die Schiene unbequem im Schuh", erinnert sich Jennifer Wind. Daher recherchierte die heute 45-Jährige nach Alternativen und Sanitätshäusern, die solche anbieten. So kam sie zum Vitalzentrum Kühlmuss & Grabbe und in die Obhut von Markus Schumacher und seinen Kollegen.
„Wir haben uns intensiv mit Jennifer beschäftigt und uns dann gemeinsam für das L300 Go entschieden", berichtet Markus Schumacher. „Zufällig hatte ich das Gerät zuvor an einem Otto-Bock-Testtag kennen gelernt und es gleich für mich in Erwägung gezogen", so die Kalletalerin.

Nachdem Markus Schumacher den Kostenvoranschlag für die Krankenkasse erstellt und diese einen Zuschuss bewilligt hatte, wurde das L300 Go individuell auf Jennifer Wind eingestellt. Sie trägt die elektronische Orthese am Unter- und Oberschenkel. Durch Stromimpulse wird der Peroneus-Nerv aktiviert, der für die Fußhebung verantwortlich ist. Gleichzeitig werden die zuständigen Muskelgruppen aktiviert. Ein Sensor im Gerät reagiert auf die Bewegungen des Unterschenkels. Die Stärke der Impulse kann Jennifer Wind je nach Bedarf einstellen. „Ich bin hoch zufrieden mit dem System, weil es mein Bein stabilisiert und mir ein sicheres Gefühl beim Gehen gibt. Auch ist das Laufen nicht mehr so anstrengend wie mit der mechanischen Orthese, entsprechend kann ich meine Gehstrecke verlängern. Es stört nichts im Schuh, und ich kann sogar barfuß gehen", beschreibt sie ihre Erfahrungen. „Ich werde nie wieder meinen Hobbys Wandern und Volleyball nachgehen oder lange Strandspaziergänge unternehmen können. Und eines Tages werde ich auf den Rollstuhl angewiesen sein, weil sich die Krankheit nicht aufhalten lässt", ist sie sich bewusst. „Doch durch das L300 Go hat mein derzeitiges Leben deutlich an Qualität gewonnen. Ich kann meinen Job am Schreibtisch weitermachen, Treppen steigen und meinen Alltag besser bewältigen." 

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