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Vitalzentrum Kühlmuss & Grabbe
„ReWalk“ macht das Laufen wieder möglich

(© Andrea Markwitz)

Carsten Hesse ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Mitarbeiter des Vitalzentrums Kühlmuss & Grabbe. Da er selbst in einem Aktivrollstuhl sitzt, ist er ein wertvoller Ansprechpartner für Kunden, die ebenfalls auf dieses Hilfsmittel angewiesen sind.

Gleichzeitig ist der 50-Jährige der beste Beweis dafür, dass Kühlmuss & Grabbe neueste Entwicklungen aufspürt und sie umgehend ins Sortiment integriert: Tatkräftig unterstützt von seinem Chef, Inhaber Jörg Rolf, ist es ihm gelungen, ein Exoskelett zu bekommen. „Das ist das fortschrittlichste Hilfsmittel für infrage kommende Menschen mit Rückenmarksverletzungen", sagt Carsten Hesse, der nie gedacht hätte, dass er jemals wieder einen Fuß vor den anderen setzen würde.

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Über die Jahres das Laufen vergessen

Seit Juni trainiert der ab dem sechsten Brustwirbel komplett querschnittsgelähmte Holzmindener mit dem auf ihn zugeschnittenen Exoskelett „ReWalk 6.0". Beim Anlegen des etwa 25 kg schweren Geräts werden insgesamt vier Motoren an den Hüft- und Kniegelenken fixiert sowie ein Bauchgurt angelegt. Die Kommunikation (das Auslösen der Funktionen des Exoskeletts) erfolgt über den Kommunikator in Form einer Uhr, die Carsten Hesse am Handgelenk trägt. Drückt er auf den Knopf, dauert es nur wenige Sekunden, bis die Technik seinen Oberkörper zunächst aufrichtet. Gleich danach muss er die Unterarmgehstützen in Stellung bringen, um mit Hilfe des nächsten Impulses aufzustehen. Beugt er den Körper etwas vor, initiiert das System den ersten Schritt. Das Laufen im Exoskelett fordert ihm alles ab, obwohl er sich mit einem gezielten Training gut vorbereitet hat. Weil Carsten Hesse nach einem Unfall schon seit etwas mehr als 30 Jahren im Rollstuhl sitzt, hat sein Gehirn das Laufen vergessen. So muss er sich nicht nur auf die Signale des Geräts konzentrieren, sondern gleichzeitig das Gehen ganz neu erlernen.

Endlich wieder auf Augenhöhe

Doch er lässt nicht locker und trainiert im Beisein seines Physiotherapeuten Christian Klie zweimal pro Woche mit dem „ReWalk 6.0". „Mehr schaffe ich mental nicht. Es ist unglaublich anstrengend, weil ich vor jedem Schritt zum Beispiel schauen muss, dass ich keine Unebenheit im Untergrund übersehe", sagt der 50-Jährige, der das System in einem Jahr beherrschen will. Immer hat er das Ziel vor Augen, wieder spazieren gehen oder Treppensteigen zu können. „Ich bin aber schon jetzt überglücklich, dass ich durch das Exoskelett meinen Mitmenschen wieder buchstäblich auf Augenhöhe begegnen kann. Das ist ein unfassbar schönes Gefühl und eine immense Steigerung meiner Lebensqualität", sagt er.

Schritt für Schritt: Zwar benötigt er noch Stützen, aber dank des Exoskeletts kann Carsten Hesse sich wieder aufrichten und gehen. - © Andrea Markwitz
Schritt für Schritt: Zwar benötigt er noch Stützen, aber dank des Exoskeletts kann Carsten Hesse sich wieder aufrichten und gehen. (© Andrea Markwitz)

Eignungstest vor dem ersten Training

Als Jörg Rolf das Gerät von „ReWalk" auf einer Messe entdeckte, dachte er sofort an seinen Mitarbeiter und Freund. „Ich wusste, dass Carsten sowohl die körperlichen als auch mentalen Voraussetzungen für ein Exoskelett erfüllt", erklärt er. Doch es war nicht einfach, es zu bekommen. Zwei Jahre lang kämpften Carsten Hesse und Jörg Rolf um die Genehmigung der 120.000 Euro teuren Robotik durch die Krankenkasse. Auch die Auflagen von „ReWalk" hatten es in sich: Zuerst hatte Carsten Hesse einen Eignungstest zu bestehen. Dann bekam er ein Probegerät, mit dem er 36 Trainingseinheiten (10 davon unter Aufsicht zweier zertifizierter Trainer) absolvieren und alles dokumentieren musste.

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