Nachhaltigkeit in Lippe
Rettungskräfte testen „unsterbliche“ Poloshirts

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(© Kreis Lippe/FC Lembke)

Es klingt ein bisschen wie Science-Fiction: Man trägt ein Hemd und wenn es ausgedient hat, wird aus demselben Stoff ein neues Hemd. Und das funktioniert unendliche Male. Das Forschungsprojekt „DiTex” entwickelt und erprobt Kleidung und andere Textilien aus sogenannten Rezyklatfasern – also Stoff, der durch Recycling hergestellt wird.

Der Kreis Lippe ist als einer von bundesweit drei Praxispartnern an dem Projekt beteiligt. Im Fokus stehen zunächst drei Produktlinien (Businesshemd, Poloshirt und Bettwäsche), die am Ende ihrer Nutzung wieder zu PET-Granulat oder Pellets verarbeitet werden. Zu einem hochwertigen Garn gesponnen, entsteht so aus der Ursprungsfaser eine neue Textilie — und das wieder und wieder. „Die ökologischen und ökonomischen Vorteile der DiTex-Linie liegen auf der Hand. Umso gespannter darf man auf den Praxistest sein. Sollte dieser positiv ausfallen, könnte die Textilbranche sich wesentlich nachhaltiger entwickeln", sagt Landrat Dr. Axel Lehmann.

Angetreten zur Probe: Einsatzkräfte von vier lippischen Rettungswachen testen bis Jahresende Alltagstauglichkeit und Tragekomfort der neuen Dienstpolos. - © Kreis Lippe/FC Lembke
Angetreten zur Probe: Einsatzkräfte von vier lippischen Rettungswachen testen bis Jahresende Alltagstauglichkeit und Tragekomfort der neuen Dienstpolos. (© Kreis Lippe/FC Lembke)

Tests laufen bis Ende des Jahres

Seit Mitte August testen 90 Einsatzkräfte aus den Rettungswachen des Kreises Lippe in Kalletal, Lemgo, Bad Salzuflen und Barntrup die Alltagstauglichkeit und den Tragekomfort der eigens für sie designten und produzierten Polohemden. Die Shirts sind bis Ende des Jahres im Einsatz und durchlaufen dabei den gleichen Zyklus wie die übliche Dienstkleidung.

Information
Hightech-Fasern entstehen immmer wieder neu

Textilien bestehen überwiegend aus frischen Fasern. Am Ende ihrer Lebenszeit landen sie meist im Abfall oder enden höchstens als Putzlappen oder Dämm- und Isolierstoffe. „Die enthaltenen Rohstoffe wie Baumwollfasern gehen dabei für die Textilindustrie verloren", erklärt Ria Müller vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Sie leitet das Forschungsprojekt „DiTex".  Im Rahmen der Machbarkeitsstudie testet die Bundespolizei Bettwäsche, die Landespolizei Niedersachsen Businesshemden und der Kreis Lippe Poloshirts. Ein eingenähter Chip speichert Farbe, Materialzusammensetzung und andere relevante Daten wie die Anzahl der durchlaufenen Wäschen. In einer Onlinedatenbank werden die Materialinformationen gesammelt. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die neuartige Faser ist kein Naturprodukt, sondern aus PET, also auf Erdölbasis. „Da die neuartige Faser ohne Qualitätsverluste unendlich oft wiederverwendet werden kann, hat sie eine wesentlich positivere Ökobilanz sowohl hinsichtlich der CO2-Emissionen als auch beim Wasser- und Flächenverbrauch", erklärt Regina Latyschew, die beim Kreis für das Projekt zuständig ist.

Viele Einsätze können die neuen Hemden mitmachen. Die Fasern übersteht bis zu 200 Hygienewäschen. Drei- bis viermal mehr als herkömmliche Baumwollshirts. - © Kreis Lippe/FC Lembke
Viele Einsätze können die neuen Hemden mitmachen. Die Fasern übersteht bis zu 200 Hygienewäschen. Drei- bis viermal mehr als herkömmliche Baumwollshirts. (© Kreis Lippe/FC Lembke)

150 Waschzyklen? Kein Problem

Zudem haben diese Textilien, die vom Gefühl und der Haptik her mit Sport-Funktionskleidung vergleichbar sind, per se eine wesentlich längere Nutzungsdauer. Das haben Labortests bereits gezeigt. In Waschtests des Hohenstein Instituts für Textilinnovation durchliefen die Poloshirts unbeschadet mehr als 150 Waschzyklen, während Baumwollpolos nach maximal 50 Hygienewäschen ausgemustert werden mussten. Hinzu kommt, dass eine längere Nutzungsdauer auch größere Ausschreibungsintervalle und damit eine Entlastung für die Beschaffungs- und Vergabestellen bedeutet.

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