Ein letzter Blick in die Sport-Geschichte

Rolf Schwegmann tritt kürzer - das Gerhard von Donop-Archiv schließt nach 25 Jahren

Marlen Grote

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Neben vielen Ordnern mit Zeitungsartikeln und Fotos gehören auch einige besondere Schätze zu Rolf Schwegmanns Sammlung. Die Figur von 1929 wurde einem besonders erfolgreichen Sportler des Arbeiter-Turnvereins verliehen, das Turnhemd trug Schwegmann in seiner Jugend selbst.  - © Grote
Neben vielen Ordnern mit Zeitungsartikeln und Fotos gehören auch einige besondere Schätze zu Rolf Schwegmanns Sammlung. Die Figur von 1929 wurde einem besonders erfolgreichen Sportler des Arbeiter-Turnvereins verliehen, das Turnhemd trug Schwegmann in seiner Jugend selbst.  (© Grote)
Die lippischen Sportvereine blicken auf bis zu 150 Jahre zurück. Ihre Geschichte und Geschichten hat der Lemgoer Rolf Schwegmann in seinem Haus in Lemgo gesammelt. Jetzt möchte er kürzer treten.
Lemgo. Mit einem Foto hat alles angefangen: 1982 fiel Rolf Schwegmann ein altes Bild von seinem weitgehend unbekannten Onkel in die Hände. Es zeigte ihn beim Sport; aber nicht in dem Lemgoer Turnverein, dem die Familie traditionell angehörte. Was steckte hinter diesem anderen Verein, der "Freien Turnerschaft Lemgo"? Schwegmann wurde neugierig. "In den Archiven gab es meistens Schulterzucken", erinnert sich der 70-jährige. Schließlich fand er heraus, dass es sich um einen Arbeiter-Turnverein handelte, der von 1906 bis 1933 existierte. 
Als Schwegmanns Eltern ab 1990 Hilfe im Alltag brauchten, gab der Holzkaufmann seinen Job auf und zog zu ihnen. Neben Haushalt und einer Teilzeitbeschäftigung blieb nun Zeit, weiter zu stöbern. In 25 Jahren trug der Lemgoer einen Schatz zusammen, der heute viele Regalmeter füllt: Berichte, Akten, Fotos, Urkunden, Plakate, Medaillen und Pokale beanspruchen einen ganzen Raum. Schwegmanns Sammlung wurde schnell bekannt. 1991 organisierte er mit dem Stadtarchiv eine erste Ausstellung zum Arbeitersport in Lemgo. Es folgten etliche Veröffentlichungen. Das Thema weitete sich aus, neben den Arbeitersport traten weitere Vereine. Das Archiv erhielt den Namen "Gerhard von Donop-Archiv", nach einem lippischen Sportler, der von 1908 bis 1938 Erfolge in unterschiedlichen Sportarten errang. Inzwischen hütet Schwegmann auch Quellen und Zeugnisse, die über die Grenzen Lippes hinausweisen.
Dass die Suche nach einem Kapitel der Familiengeschichte solche Ausmaße annehmen würde, hatte er nicht geahnt: "Das war alles nicht geplant, schließlich bin ich kein Historiker. Aber es gab immer wieder Nachfragen von außen und neue Kontakte." Schwegmann erhielt Abzüge von Fotos, die Privatleute in alten Alben entdeckten. In Archiven suchte er die vereinzelten, oft kaum aufbereiteten Belege zur Geschichte der lippischen Sportvereine zusammen. Da gab es mehr, als manche Vereine ahnten. "Aus der Zeit von 1933 bis 1945 wusste man angeblich nie etwas", schmunzelt Schwegmann. Er fand trotzdem heraus, dass jüdische Sportler von Fotos getilgt wurden und dass der Widerständler Willy Langenberg ebenfalls aktiv im Sportverein war.
Jetzt, mit 70 Jahren, tritt der Hobby-Archivar kürzer. Stück für Stück soll ein Großteil der Sammlung an Archive abgegeben werden. Rolf Schwegmann wird weiterhin das Vereinsarchiv des Detmolder Turnvereins führen und gerne Ansprechpartner bei Fragen zur Sport-Geschichte sein. Aber er ist nicht mehr der einzige Spezialist in Lemgo auf diesem Gebiet: Ein Historiker arbeitet an einer Dissertation über die Materialien aus dem Archiv.

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