Jan Ole Krüger (16) ist Schiedsrichter bei Bezirksligaspielen

"Bei blöden Sprüchen halt ich dagegen"

Benjamin Marquardt

  • 0
Jan Ole Krüger - © Benjamin Marquardt
Jan Ole Krüger (© Benjamin Marquardt)

Detmold-Diestelbruch. Im Gespräch mit dem 16-jährigen Diestelbrucher wird eines schnell klar: Hier sitzt ein selbstbewusster und direkter Jugendlicher. Zwei Charaktereigenschaften, die Jan Ole auf dem Platz beim Spiele regeln durchaus gebrauchen kann. Ihnen verdankt er bestimmt auch zum Teil seine jüngste Auszeichnung: Vom Fußballkreis Detmold wurde er zum Schiedsrichter des Jahres gewählt. Dass in ihm Talent steckt zeigt auch, dass er trotz seines jungen Alters bereits Spiele in der Herren-Bezirksliga pfeifen darf.

Seit fünf Jahren steht der Schüler bei Fußballspielen mit Pfeife und Karten-Duo auf dem Platz. "Meine Fähigkeiten am Ball sind nicht die Besten", gesteht er. Doch den Fußball als Sport, das sei alles für ihn. "Ich fragte mich dann, wie ich mich trotzdem engagieren kann", berichtet Jan Ole Krüger über die Anfänge. Was das Vorhaben ihres Sohnes für sie bedeuten würde, hatte auch Mutter Stefanie Krüger unterschätzt. "Ich fahre ihn überall hin und da er jetzt die Bezirksliga pfeift bin ich viel und weit unterwegs."

Information
Der Spielleiter

Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten organisierten Fußballspiele ausgetragen wurden, gab es noch keine Schiedsrichter. Regelverstöße wurden generell mit einem Freistoß für die benachteiligte Mannschaft geahndet. Erst 1873 wurde ein Schiedsrichter sowie zwei ihm beigestellte Unterschiedsrichter eingeführt. Auf dem Platz stand keiner von ihnen. Der Schiedsrichter hatte lediglich am Spielfeldrand die Funktion einer Berufungsinstanz. Er war nicht der alleinige Spielleiter; Unterschiedsrichter und Mannschaftsführer redeten stets mit. Das änderte sich erst 1890, als der Schiedsrichter zum alleinigen Spielleiter wurde.

Am Anfang sei ihm noch etwas mulmig gewesen, wenn er ein A-Jugend oder ein Herren-Spiel pfeifen musste. Doch das hat sich gelegt. "Kommt mir einer mit blöden Sprüchen, dann halte ich dagegen", erzählt Krüger. Der Auftritt sei unglaublich wichtig, um sich auf dem Platz Respekt zu verschaffen. "Wenn ich zum Beispiel als Schiedsrichter Freunde treffe, deren Spiel ich gleich pfeifen muss, dann grüße ich sie und halte mich dann aber fern", erklärt der 16-Jährige. Zuviel Vertrautheit würde seiner Meinung nach ein schlechtes Bild auf einen Unparteiischen werfen.

Überhaupt ist ihm Professionalität sehr wichtig. Das zeigt sich auch in Extremsituationen. "Ein Spieler, der mit meiner Entscheidung nicht zufrieden war, hat mich einmal mit einer Flasche Wasser übergossen, mir die Flasche an die Brust geschlagen und anschließend noch einen Verbandskoffer nach mir getreten", berichtet Jan Ole. Sofort gab er die rote Karte für den Spieler und redete mit den Kapitänen, die ihre Mannschaften beruhigen sollten. "Das Spiel musste weitergehen", betont Krüger.

Bis vor einem Jahr hat er noch selbst aktiv Fußball gespielt, jetzt gibt es für ihn nur noch den Job als Schiedsrichter. Bis zu fünfmal in der Woche steht er auf Plätzen in NRW. Sein Traum: "Eines Tages in der Bundesliga zu pfeifen, wär schon toll. Aber ich schaffe es glaube ich eher in die Regionalliga."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!