Arminia-Neuzugang Jóan Símun Edmundsson soll die Offensive verstärken

Seinen Wechsel zum Zweitligisten verdankt der Färinger auch einem historischen Treffer für die Nationalmannschaft

Philipp Kreutzer

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Erster Färinger in der 2. Liga: Jóan Símun Edmundsson spielt jetzt für Arminia Bielefeld. - © Sarah Jonek
Erster Färinger in der 2. Liga: Jóan Símun Edmundsson spielt jetzt für Arminia Bielefeld. (© Sarah Jonek)

Zell am See. Für Menschen von den Färöern ist Österreich kein Land wie jedes andere. Schließlich war es der sensationelle 1:0-Sieg über die Auswahl der Alpenrepublik, mit dem sich die Fußball-Nationalmannschaft der kleinen Inselgruppe einst auf die Landkarte des Weltfußballs setzte. Diesen wohl emotionalsten Moment in der Geschichte seines Heimatlandes hat Jóan Símun Edmundsson nicht miterlebt, denn er war an jenem 12. September 1990 noch nicht geboren. Trotzdem wird er gelegentlich daran denken, wenn er in diesen Tagen mit seinem neuen Verein Arminia Bielefeld im Trainingslager in Zell am See weilt. In Österreich.

Auch Edmundsson, der Ende Juli 27 Jahre alt wird, hat im Trikot der Färöer einen ganz besonderen Moment erlebt. 2014 war das, als die Wikinger erneut Geschichte schrieben und Ex-Europameister Griechenland bezwangen. Wieder hieß es am Ende 1:0 – und das goldene Tor zum Sieg in Piräus erzielte „Eddy", der Junge aus Toftir, einem Dörfchen, in dem etwa 800 Menschen leben. Nicht nur dort, sondern auf allen 18 färöischen Inseln im Nordatlantik mit insgesamt 50.000 Einwohnern ist er seitdem ein Volksheld.

Edmundsson, inzwischen 47-maliger Nationalspieler seines Landes, kennt aber auch die andere Seite des Profidaseins. Früh hatte sich der Linksfuß mit dem Offensivdrang schon in England bei Manchester City und Newcastle versucht, ehe er 2014 nach kurzen, eher erfolglosen Aufenthalten bei Clubs in Norwegen und Dänemark heimkehrte. „Ich hatte mich schon auf ein normales Leben in Toftir eingestellt", erzählt er in Englisch, mit dem Deutschlernen will er bald beginnen. „Mein Vater ist Banker, meine Mutter Sozialarbeiterin. Meine beiden Brüder, 22 und 17 Jahre alt, probieren es auch mit dem Fußball. Ich weiß nicht, welchen Beruf ich ergriffen hätte." Edmundsson, schmale Figur, 1,85 Meter groß, spricht ruhig und leise, er lächelt schüchtern. Volkshelden sind nicht zwingend laut.

Der erste Färinger in der zweiten Bundesliga

Das Siegtor in Piräus veränderte für ihn fast alles, denn es brachte seine Profikarriere in Gang. Er ging nach Dänemark, zunächst für eine Saison zu Vejle, danach für zweieinhalb Jahre zu Odense BK. Im Januar 2016 spielte er schon einmal für ein paar Tage beim DSC vor, in diesem Sommer klappte es schließlich mit dem Wechsel. Edmundsson unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag und ist nun der erste Färinger in der zweiten Bundesliga. „Ich habe immer auf eine solche Option gehofft und bin glücklich, dass es geklappt hat", sagt er: „Die zweite Liga in Deutschland ist auf einem hohen Level, es sind viele Zuschauer bei den Spielen. Das hat mich gereizt."

In den ersten Übungseinheiten mit seiner neuen Mannschaft hat er schnell gemerkt: „Das Training ist fast so intensiv wie ein Spiel, man muss jeden Tag fokussiert sein." Edmundsson weiß, dass es nicht einfach sein wird, einen Platz in der ersten Elf zu erobern. Die Konkurrenz ist groß. Auch Spieler wie Roberto Massimo, Patrick Weihrauch oder Leandro Putaro kommen für die rechte Außenbahn in Frage. Außerdem war er in den vergangenen sechs Monaten ohne Matchpraxis. „Als feststand, dass ich Odense verlasse, habe ich nicht mehr gespielt. Deshalb muss ich geduldig sein", sagt er.

Gleichzeitig gibt sich der leise „Eddy" kämpferisch. Für ihn soll es nicht bloß bei diesem einen besonderen Moment von 2014 bleiben. „Ich möchte irgendwann zurückschauen und sagen, ich habe zumindest alles probiert", lautet sein Motto, mit dem er auch ins Trainingslager geht. In Österreich. Das würde jeder Färinger als gutes Omen begreifen.

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