TBV Lemgo Lippe führt einen verbissenen Kampf mit bitterem Ende

Jörg Hagemann

  • 0
Versuchte Druck aufzubauen: Donat Bartok, der in dieser Szene die zweite Zeitstrafe von Marian Michalczik provozierte. - © Jörg Hagemann
Versuchte Druck aufzubauen: Donat Bartok, der in dieser Szene die zweite Zeitstrafe von Marian Michalczik provozierte. (© Jörg Hagemann)

Lemgo. Jahrzehntelang war die Lipperlandhalle eine verbotene Zone für GWD Minden. Reihenweise gab es zum Teil saftige Klatschen. Noch heute ist das 42:23 aus der Saison 2001/2002 als höchster Lemgoer Heimsieg in den Annalen verbrieft. Doch seitdem Marian Michalczik seine Finger im Spiel hat, ist der Fluch besiegt. Auch Sonntag hatte der große Blonde aus Ahlen am 25:23 (11:11)-Auswärtserfolg von GWD Minden gehörigen Anteil.

Als der TBV Lemgo Lippe in der Crunshtime des 47. OWL-Derbys nicht locker ließ und auf 20:22 (57.) und 21:23 (58.) verkürzte, war es der 21-jährige Jung-Nationalspieler, der die Verantwortung übernahm und zwei entscheidende Treffer zum Mindener Derbysieg setzte. „Ich bin ein bisschen heiser vom Jubeln. Meine persönliche Bilanz in Lemgo sieht wirklich sensationell aus", erschienen Michalczik nach dem Schlusspfiff sofort wieder die positiven Bilder aus den vergangenen Jahren vor Augen. Im September 2016 hatte er bei seinem Bundesligadebüt gleich entscheidend zum zweiten GWD-Sieg in der Lipperlandhalle beigetragen und im vergangenen Jahr mit 26:26 einen Zähler mitgenommen.

Fotostrecke: TBV Lemgo Lippe - GWD Minden

Sein dritter Versuch begann Sonntag zunächst weniger glücklich. Schon nach 25 Minuten war Michalczik nach einem Foul an Bartok mit der zweiten Zeitstrafe vorbelastet, so dass Trainer Frank Carstens einen weiteren Einsatz in der Abwehr scheute. TBV-Trainer Florian Kehrmann sah von Beginn an ein „sehr enges Spiel mit wenig Ausschlägen nach oben wie nach unten". Hüben wie drüben unterliefen den beiden Nachbarn in der Vorwärtsbewegung zahlreiche Schnitzer. „Beide haben total verbissen gekämpft und gespielt", befand auch GWD-Trainer Frank Carstens.

Ein großes Handicap war für den TBV der Fast-Ausfall von Tim Suton, der aufgrund von Schmerzen im Fußgelenk die ganze Woche über nicht trainieren konnte. Kehrmann konnte seinen vielleicht wichtigesten Rückraumspieler nur wenige Minuten bringen, um Andrej Kogut eine Verschnaufpause zu ermöglichen. Dennoch gelang es dem TBV in der zweiten Hälfte, mehrfach in Vorlage zu gehen.

„Doch GWD ist zäh drangeblieben. Und dass wir beim 19:18 nicht unsere Chancen genutzt haben, um auf zwei Tore wegzuziehen, hat sich gerächt", spielte Kehrmann auf die spielentscheidende Phase zwischen der 53. und 56. Minute an. „Auf einmal führen wir mit drei Toren und wissen nicht warum", hatte Frank Carstens gut Lachen. Sein Lemgoer Kollege wusste sehr wohl, weshalb die Partie urplötzlich kippte. „Durch zwei technische Fehler verlieren wir das Spiel", sprach Kehrmann die unglücklichen Aktionen von Dominik Ebner an. Trotz insgesamt guter Abwehrarbeit sei man während der letzten fünf Mindener Angriffe nicht mehr an den Ball gekommen.

Nachdem zuvor der vom Bergischen HC umworbene Christoffer Rambo viel Schussverantwortung übernommen hatte, folgten nun die entscheidenden Aktionen von Marian Michalczik. „Durch die beiden technischen Fehler der Lemgoer sind wir in einen Flow geraten und haben einen emotionalen Push bekommen. Vorne ist es uns gelungen, lange Angriffe zu spielen und Zeit von der Uhr zu nehmen", analysierte Mindens fünffacher Torschütze die Schlussminuten, in denen der TBV trotz offener Deckung nicht mehr herankam. Für Fabian van Olphen war die Lemgoer Niederlage verdient: „Wir sind selbst schuld. Wir haben viel zu viele einfache Bälle weggeworfen."

Im Rückraum fehlt die Power

Wort zum Sport von Jörg Hagemann
Derby hoch drei. Solch ein handballerischer Nachbarschaftstreff ist wohl einmalig in Deutschland. Gleich dreimal innerhalb von wenigen Stunden hieß es am Wochenende Lemgo kontra Minden. Vorerst steht es 2:1 für GWD. Nur Lemgos A-Jugend rettete mit dem 32:26 die lippische Ehre. Schade war das 29:30 des Drittligateams, richtig ärgerlich die 23:25-Heimniederlage der TBV-Profis. Wobei sich weiteres Ungemach andeutet. Die noch nicht genau definierte Fußverletzung von Tim Suton war am Sonntag ein entscheidender Faktor. Zumal mit Isaias Guardiola ein weiterer zentraler Aufbauspieler schon seit Wochen nur eingeschränkt werfen kann.

So raffiniert Trainer Kehrmann auch taktiert – unter dem Strich fehlt es dem TBV an Durchschlagskraft. Siehe das Derby. Kamen Mindens Rückraumspieler zusammen auf 17 Treffer, waren es auf Lemgoer Seite nur neun Distanztore. Laut der HBL-Statistik weist der TBV-Rückraum mit 54,65 Prozent aktuell die schwächste Rückraumeffektivität aller 18 Teams auf. Der Ausfall eines weiteren Schützen wird auf Dauer nicht zu kompensieren sein.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare