Handball-WM 2019: DHB-Team, Favoriten, TV-Übertragung

Tilo Sommer

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Das Objekt der Begierde: Wer reckt am 27. Januar den Pokal in die Höhe und wird Handball-Weltmeister? - © Marius Becker/dpa
Das Objekt der Begierde: Wer reckt am 27. Januar den Pokal in die Höhe und wird Handball-Weltmeister? (© Marius Becker/dpa)

Kreis Lippe. Zwölf Jahre nach dem Titel-Gewinn bei der Heim-WM 2007 will die DHB-Auswahl das nächste Wintermärchen schreiben: Am Donnerstag, 10. Januar, beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Was muss man zum Turnierstart wissen? Wer sind die Favoriten? Und wo kann ich die deutschen Spiele sehen? Wir haben die Infos zusammengefasst.

Wie funktioniert der Modus?

Gespielt wird in der Vorrunde in vier Sechser-Gruppen. Die ersten drei Teams jeder Gruppe ziehen in die Hauptrunde ein. Achtel- und Viertelfinale, die 2013, 2015 und 2017 zum Turnier gehörten, wurden für die Hauptrunde wieder abgeschafft. In den beiden Hauptrunden-Gruppen erreichen die Mannschaften auf den Plätzen Eins und Zwei das Halbfinale.

Besonderheit: Die Teams nehmen die Punkte in die Hauptrunde mit, die sie in der Vorrunde gegen die ebenfalls für die Hauptrunde qualifizierten Mannschaften gesammelt haben. Ein Beispiel: Deutschland qualifiziert sich in Gruppe A gemeinsam mit Frankreich und Serbien für die Hauptrunde. Wenn Deutschland in der Vorrunde gegen Frankreich verliert und gegen Serbien gewinnt, nimmt die DHB-Auswahl 2:2 Punkte mit in die Hauptrunde. Würde Deutschland beide Spiele gewinnen, wären es 4:0 Punkte, bei zwei Niederlagen 0:4 Punkte.

Was ist der President's Cup?

Der President's Cup wurde von IHF-Präsident Hassan Mustafa ins Leben gerufen und fand erstmals 2007 in Lemgo statt. Die Mannschaften, die in den vier Vorrunden-Gruppen auf den Plätzen Vier bis Sechs landen, verpassen die Hauptrunde und spielen in der Trostrunde weiter. Dabei geht es am 19. und 20. Januar in Köln und Kopenhagen in einer "Verlierer-Runde" um ihre Platzierung.

Wo wird gespielt?

In Deutschland und Dänemark gibt es insgesamt sechs  Spielorte. Gespielt wird in Deutschland in Berlin (Mercedes-Benz-Arena; 14.800 Plätze), Hamburg (Barclaycard-Arena; 13.300), Köln (Lanxess-Arena; 19.250) und München (Olympiahalle; 12.000). In Dänemark wird in Herning (Jyske Bank Boxen; 15.000) und Kopenhagen (Royal Arena; 13.700) gespielt.

Die größte Spielstätte bei der Handball-WM 2019: Mehr als 19.000 Zuschauer haben in der Lanxess Arena Platz. Wenn die DHB-Auswahl die Gruppenphase übersteht, trägt sie ihre Hauptrunden-Spiele in Köln aus. - © Marius Becker/dpa
Die größte Spielstätte bei der Handball-WM 2019: Mehr als 19.000 Zuschauer haben in der Lanxess Arena Platz. Wenn die DHB-Auswahl die Gruppenphase übersteht, trägt sie ihre Hauptrunden-Spiele in Köln aus. (© Marius Becker/dpa)


Das Eröffnungsspiel (Korea vs. Deutschland am Donnerstag, 10. Januar, 18.15 Uhr live im ZDF) wird in Berlin ausgetragen. Die Vorrundenspiele der DHB-Auswahl finden alle in Berlin statt. Wenn Deutschland weiterkommt, trägt das Team die Hauptrunden-Spiele in Köln aus.

Die beiden Halbfinals werden am Freitag, 25. Januar, in Hamburg ausgetragen. Es sind die einzigen beiden Spiele, die in der Hansestadt stattfinden. Das Finale wird am Sonntag, 27. Januar, in Herning gespielt.

Wer spielt für Deutschland?

16 Spieler durfte Bundestrainer Christian Prokop für die Weltmeisterschaft nominieren. Nicht mit dabei ist Tim Suton. Der Rückraumspieler des TBV Lemgo-Lippe wurde wie Rechtsaußen Tobias Reichmann (MT Melsungen) von Prokop vor dem letzten Testspiel gegen Argentinien aus dem Aufgebot gestrichen - zumindest vorerst.

Wurde aus dem WM-Aufgebot gestrichen: Lemgos Tim Suton (Mitte) kann nur noch darauf hoffen, dass er von Bundestrainier Christian Prokop nachnominiert wird. - © Jörg Hagemann
Wurde aus dem WM-Aufgebot gestrichen: Lemgos Tim Suton (Mitte) kann nur noch darauf hoffen, dass er von Bundestrainier Christian Prokop nachnominiert wird. (© Jörg Hagemann)


Denn während der WM sind bis zu drei personelle Wechsel im Kader möglich, um etwa auf Verletzungen zu reagieren. In Frage kommen alle Spieler, die Prokop Anfang Dezember in den erweiterten 28er-Kader berufen hatte - darunter eben auch Suton. "Tim Suton ist wichtig für die Zukunft und soll sich ranpirschen, er hat jeden Lehrgang mitgemacht, er könnte uns im Fall der Fälle also ohne Probleme im Turnier helfen", sagte Prokop nach dem Test gegen Argentinien.

Das Aufgebot - Tor: Andreas Wolff (THW Kiel), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin); Außen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain), Matthias Musche (SC Magdeburg), Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen); Rückraum: Steffen Fäth (Rhein-Neckar Löwen), Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf), Finn Lemke (MT Melsungen), Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten), Paul Drux, Fabian Wiede (beide Füchse Berlin), Steffen Weinhold (THW Kiel); Franz Semper (SC DHfK Leipzig); Kreis: Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler (beide THW Kiel), Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen).

Wer sind die Favoriten?

Die Liste der Anwärter auf den WM-Titel ist lang, was eine spannende Weltmeisterschaft verspricht. Zu den Top-Favoriten gehören in diesem Jahr Frankreich, Spanien und Mit-Gastgeber Dänemark. Deutschland gehört wie Kroatien und Norwegen zum erweiterten Favoritenkreis.

Frankreich: Kein Land hat der Handball-Welt in den vergangen Jahren so sehr seinen Stempel aufgedrückt wie Frankreich. Der Rekordweltmeister gewann vier der letzten fünf Weltmeisterschaften (2009, 2011, 2015, 2017) - nur Spanien durchbricht mit dem Titelgewinn 2013 die französische Serie. Allerdings müssen die Franzosen in diesem Jahr mit einer ungewohnten Situation umgehen: Superstar Nikola Karabatic, seit vielen Jahren Kopf der Mannschaft, fällt verletzt aus.

Spanien: Als amtierender Europameister reist Spanien zum Turnier an. Dort greift man nach den WM-Siegen 2005 und 2013 nach dem dritten Titel. Wenn Deutschland und Spanien weiterkommen, treffen beide in der Hauptrunde aufeinander.

Dänemark: Olympiasieger Dänemark hat nicht nur zahlreiche Weltstars in seinen Reihen. Der Heimvorteil könnte ein entscheidender Faktor werden. Nach dem ersten Spiel gegen Chile in Kopenhagen bestreitet "Danish Dynamite" alle weiteren Vorrunden-Partien in Herning. Mit den eigenen Fans im Rücken will Dänemark dort im Finale um den WM-Titel spielen.

Heim-WM 2007: Im Finale von Köln krönt sich Deutschland mit einem Finalsieg über Polen zum Weltmeister. - © Franz-Peter Tschauner/dpa
Heim-WM 2007: Im Finale von Köln krönt sich Deutschland mit einem Finalsieg über Polen zum Weltmeister. (© Franz-Peter Tschauner/dpa)


Deutschland: Welchen Einfluss die Unterstützung von Tausenden Fans haben kann, hat Deutschland bei der Heim-WM 2007 gespürt. Damals wurde die DHB-Auswahl überraschend Weltmeister. Auch vor drei Jahren, bei der Europameisterschaft 2016, gehörte Deutschland nicht zu den Top-Favoriten. Als verschworene Einheit wuchs das Team aber über sich hinaus und krönte sich letztlich mit dem Titel. 2017 sorgte dann das WM-Aus im Achtelfinale wieder für Ernüchterung, ebenso Platz Neun bei der EM 2018. So scheint auch 2019 wieder alles möglich zu sein - vom Titel-Traum bis zum Vorrunden-Aus.

Kroatien: Der letzte große Titel-Gewinn liegt lange zurück: 2004 wurden die Kroaten in Athen Olympiasieger, ein Jahr zuvor gewannen sie in Portugal WM-Gold. Zuletzt gehörte Kroatien zwar immer zu den Titel-Anwärtern, aber selbst die letzte Finalteilnahme bei einem großen Turnier liegt bereits neun Jahre zurück. Nach Platz Drei 2013 und Platz Sechs 2015 wurden die Kroaten bei der WM 2017 Vierter. 2019 soll der Weg nun wieder bis ins Endspiel führen.

Norwegen: Die skandinavischen Länder sind traditionell starke Handball-Nationen. So sind auch Island und Schweden (Vize-Europameister 2018) mindestens für eine Überraschung gut. Die Norweger rückten mit einer starken WM 2017 etwas überraschend ins Rampenlicht. Nach Siegen in den K.o.-Spielen gegen Mazedonien, Ungarn und Kroatien musste man sich erst im Endspiel Frankreich geschlagen geben. Reicht es 2019 für den ganz großen Wurf? Es wäre der erste Titel für Norwegen bei einem großen Turnier.

Wo kann ich die Spiele sehen?

Gute Nachrichten für alle Handball-Fans: Erstmals seit 2013 ist die Handball-WM in Deutschland wieder live im Free-TV zu sehen. ARD und ZDF übertragen die Spiele der deutschen Mannschaft. Das Finale am Sonntag, 27. Januar, wird vom ZDF übertragen. Auch Eurosport hat eine Lizenz erworben und überträgt insgesamt 15 weitere WM-Spiele ohne deutsche Beteiligung im Free-TV.

Alle 96 WM-Spiele gibt es live auch im Internet auf www.sportdeutschland.tv zu sehen. Für die Deutschland-Spiele verlangt der Online-Sportsender jedoch eine Gebühr. Wer sich dafür interessiert, muss das Paket "Sportdeutschland.TV Plus" abbonieren.

Rudelgucken: Der TSV Bösingfeld veranstaltet ein Rudelgucken zur Handball-WM. In der Sporthalle am Hackemack werden zunächst einmal alle Vorrunden-Spiele der deutschen Mannschaft auf einer Großleinwand gezeigt. Wenn die DHB-Auswahl weiterkommt, werden auch die Partien der Hauptrunde gezeigt.

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