Fußballtrainer wegen rechtsradikaler Mütze suspendiert

Ulf Hanke

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Eisernes Kreuz und Totenkopf: Diese Mütze erregt Anstoß. - © Ingo Büchel
Eisernes Kreuz und Totenkopf: Diese Mütze erregt Anstoß. (© Ingo Büchel)

Bad Oeynhausen. Der Skandal um eine Mütze mit rechtsradikalen Symbolen auf dem Fußballplatz Wulferdingsen hat Konsequenzen. Der Vereinsvorstand hat Mittwochabend nach einer Krisensitzung den Trainer entlassen. Er darf auch als Spieler vorerst nicht mehr für den Verein antreten. Das geht aus einer Pressemitteilung des Vorstands hervor. 

Marcel D. ist als Coach der ersten Mannschaft des SuS Wulferdingsen am Sonntag beim Lokalderby gegen Victoria Dehme mit einer Mütze am Spielfeldrand erschienen, auf der Totenkopf, Stahlhelm und Eisernes Kreuz abgebildet waren. Solche Mützen werden in einschlägigen Shops angeboten, in denen sich die rechtsextreme, neonazistische Szene bedient. Es gibt sie zum Beispiel von der Marke „Ansgar Aryan". Das Tragen der Mütze ist nicht verboten. Nach Einschätzung von Szene-Kennern ist sie aber ein typisches Kleidungsstück in extrem rechten Kreisen.

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Die Kopfbedeckung fiel angeblich niemandem auf

Die Kopfbedeckung fiel am Sonntag angeblich niemandem auf. Erst als die NW das Foto vom Mann mit der Mütze veröffentlichte und einen Fachmann der Szene befragte, war die Aufregung groß. Mehrere Spieler der multikulturellen Mannschaft stellten sich zunächst hinter den Trainer. D. erklärte am Dienstag auf Nachfrage der NW, er habe sich "keine Gedanken" über die Motive gemacht und sagte: "Manchmal trage ich Pudelmütze, mal eine Schalke-Mütze, ist doch egal."

D. ist eigentlich Trainer der zweiten Mannschaft, war am Sonntag aber ebenfalls als Coach der ersten Mannschaft aktiv. Sein Verein hatte zwei Monate zuvor das Motto „gegen Rechts" ausgerufen, nachdem bei einer Siegesfeier des TuS Holzhausen/Porta in der Umkleidekabine Naziparolen gegrölt worden waren. Vereinsvorsitzender Michael Grützkowski hat sich selbst mit der Kampagne „Respect" zuvor beharrlich gegen Gewalt, Rassismus und Pyrotechnik eingesetzt.

Christoph Schwender von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold weist darauf hin, dass es eine „beliebte Strategie" bei den Akteuren der extremen Rechten sei, ehrenamtlich in Vereinen oder sozialen Einrichtungen Fuß zu fassen und Verantwortung zu übernehmen.

Verein distanziert sich von extremistischen Gedankengut

Der SuS Wulferdingsen bekennt sich in der Pressemitteilung zum Ethik-Kodex des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen und distanziert sich "ausdrücklich von jedem wie auch immer gearteten extremistischen Gedankengut". Vorstand und Mitglieder seien "zutiefst betroffen", dass ein Vereinsmitglied "unter Verdacht steht, mit rechtsradikalem Gedankengut in Verbindung zu stehen."

Um Schaden vom Verein, seinen Aktiven und Mitgliedern abzuwenden, habe der Vorstand beschlossen, "Sportkamerad D. bis zur abschließenden Klärung des Sachverhalts von sämtlichen Aufgaben im Verein freizustellen und zu entbinden". D. besitzt auch eine Spielberechtigung für den SuS Wulferdingsen, wird aber vorerst vom Spielbetrieb in allen Seniorenmannschaften ausgeschlossen.

Der Verein will "bis zur abschließenden Klärung der Sach- und Rechtslage" keine weiteren Erklärungen in dieser Angelegenheit abgeben.

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