Beckham, Maldini und Labbadia: So mischt Detmolder Roland Kopp im Big Business mit

Dietmar Welle

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Roland Kopp mit einer Collage aus Bildern seiner Karriere vor dem Ballfangnetz im Soccer Dome in Detmold-Heidenoldendorf. - © Dietmar Welle
Roland Kopp mit einer Collage aus Bildern seiner Karriere vor dem Ballfangnetz im Soccer Dome in Detmold-Heidenoldendorf. (© Dietmar Welle)

Detmold. Wer in diesen Tagen auf Roland Kopp trifft, der sieht sich einem jugendlich wirkenden Mann gegenüber, der aber schon über eine Menge Lebenserfahrung im Fußballgeschäft verfügt. Denn der heute 55-Jährige war nicht nur früher ein in seiner Art einmaliger Dribbler, sondern stieg nach seiner aktiven Karriere auch ins Fußballbusiness ein. Und das mit großer Leidenschaft.

„Weißt du, ich liebe das Leben"

„Weißt du, ich liebe das Leben", begrüßt Kopp seinen Gesprächspartner an der Tür zu seinem wegen Corona geschlossenen Soccer Dome in Detmold-Heidenoldendorf. „Ich erwarte jeden Moment den Anruf von der Stadt, dass wir wieder öffnen dürfen", hofft der einstige Mittelfeldspieler, dass es bald wieder losgeht auf seinen drei Indoor-Fußballplätzen. Viel Zeit hat der umtriebige, zweifache Familienvater nicht. Eigentlich nie, außer, wenn er in seinem kleinen Häuschen in La Manga sitzt und von der Luftmatratze auf das Mar Menor in der Sonne blitzen sieht.

Aber urlaubsreif ist Kopps Roland eigentlich nie wirklich. Denn seinen Job, egal, was er macht, den macht er gern. Nur gleich, da muss er noch schnell zu Samir Arabi. Der Manager des Fußball-Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld hat noch etwas zu besprechen mit dem Consulter aus Holzhausen-Externsteine. Was? Das verrät Kopp nicht. Aber ihn verbindet eine enge Freundschaft mit dem DSC-Oberen: „Samir macht einen sensationellen Job angesichts seiner finanziellen Möglichkeiten. Jonathan Clauss ist da nur ein Beispiel für einen gelungenen Transfer."

Kontakte in die ganze Welt

Womit wir beim Thema wären. Kopp ist Consulter. Für Vereine. Und für Spieler auch. Und das seit 20 Jahren. Nicht zuletzt dank seines schon zu Spielerzeiten aufgebauten und kontinuierlich erweiterten Netzwerkes pflegt Kopp Kontakte in die ganze Welt. Einen seiner ersten Transfers wickelte Kopp mit Winfried Schäfer ab, den er als Trainer nach Mittelost gen Al Ahli und später gen Al Ain vermittelte.

Und einer der ersten Spieler war Asamoah Gyan, ein Stürmer aus Ghana, der beim FC Sunderland in England spielte und von dort nach Al Ain wechselte. Mittelsmann war damals kein Geringerer als Isaak Boakye, Anfang der 2000-er Jahre legendärer Angreifer auf der Alm. Kopp übt seinen Job seriös und dem Gegenüber zugewandt aus: „Wichtig ist, da zu sein, wenn es nicht läuft. Wenn es läuft, braucht der Spieler einen nicht." Persönlich begleitet Kopp seinen Mandanten vor einem Wechsel zum medizinischen Check oder kümmert sich um den Vertrag, damit nichts in die Hose geht. Aber grundsätzlich sieht Kopp seine Klienten auch in der Rolle, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Kopp macht sein eigenes Ding

Von irgendwelchen Internet-Seiten oder gar Facebook oder Instagram hält sich Kopp fern: „Es muss ja nicht unbedingt für jedermann zugänglich sein, was ich mache." Zudem nervt den früheren Leopoldshöher – selbst mit einer FIFA-Lizenz ausgestattet –, dass mittlerweile jedermann Transfers durchziehen kann. Unabhängig davon, ob eine Qualifikation vorliegt. Aber unterm Strich trifft Kopp das nicht. Kopp macht sein eigenes Ding, war in mehr als 50 Transfers involviert.

Und das weltweit. Da kann es schon einmal sein, dass ihn Jovan Kirovski anruft. Der ist Manager von Los Angeles Galaxy und stand Ende 2017 vor dem Problem, keine Mannschaft für die MSL zusammen zu haben. „Der Kader musste bis zum 31. Dezember stehen. Der Anruf kam am 22. Dezember. Heiligabend saß ich im Flugzeug. Wir haben dann noch rechtzeitig sechs, sieben Spieler verpflichtet. Beim Rückflug nach Deutschland habe ich durch die Zeitzonen viermal Silvester gefeiert, und als ich zuhause angekommen bin ein fünftes Mal. Galaxy ist dann in dieser Saison Meister geworden."

Konferenz mit Maldini, Karembeu und Beckham

Ja, so läufts im Big Business, in dem Roland Kopp mitmischt. Das Netzwerken gehört dazu. Auch in diesen Tagen. Alle drei, vier Tage steht eine Telefonkonferenz mit Gleichgesinnten auf dem Programm. Dann bespricht Kopp mit Paolo Maldini (AC Milan), Christian Karembeu (Olympiakos Piräus/Nottingham Forrest), Igli Tare (Lazio Rom), David Beckham (Miami), Ernst Middendorp (Kaizer Chiefs Johannesburg) und Sheik Faisal (Abu Dhabi) die fußballerische Großwetterlage. Zu seinen besten Freunden zählt Kopp Bruno Labbadia (jetzt Trainer bei Hertha Berlin), und einen engen Kontakt gibt es zu Felix Magath (Wolfsburger Meistertrainer), um nur einige zu nennen.

Lob für Nachwuchsleistungszentren

Zum Abschluss weg von der großen Bühne, zurück ins Lipperland. Was hält ein Roland Kopp von der Talentförderung in unseren Breitengraden? Kopp: „Ich bin ja selbst Vater von zwei Kindern und weiß, wie wichtig es ist, die Kinder in der so prägenden Phase zwischen 12 und 15 Jahren zuhause zu haben. Die sollen mit ihren Kumpels Fußball spielen, in ihrem sozialen Umfeld bleiben. Zudem leisten ja auch viel Vereine wie zum Beispiel Jerxen-Orbke oder Lemgo oder Hiddesen-Heidenoldendorf gute Arbeit." Zudem lobt Kopp die Nachwuchsleistungszentren in Bielefeld und Paderborn, lässt zudem auch Verl und Rödinghausen nicht unerwähnt.

500.000 Euro für Supertalent?

Die Hutschnur könnte ihm allerdings platzen, wenn so genannte Kollegen den Eltern Geld zahlen, um die Fußball-Rechte an ihrem Kind zu ergattern. Nicht bestätigen will Kopp die Kolportage, dass für ein derzeit in Dortmund spielendes Supertalent 500.000 Euro geflossen sind.Aber jetzt ist auch die Zeit vorbei. Samir Arabi wartet in Bielefeld und vorher geht es noch in den Haarsalon. „Wegen Corona war ich wochenlang nicht beim Frisör", setzt sich Kopp in seinen Mittelklassewagen und düst davon.

Persönlich

Der am 12. Januar 1965 geborene Roland Kopp begann als Mittelfeldspieler seine Karriere beim TuS Leopoldshöhe. Über den TBV Lemgo wechselte er 1988 zu Arminia Bielefeld, wo er bis 1991 spielte. Nach seiner ersten Zeit bei der Arminia spielt Kopp noch für den TuS Paderborn-Neuhaus, den FC Baden, den FC Gütersloh und die SpVgg Fichte Bielefeld, ehe er 1993 zur Arminia zurückkehrte. Mit den Bielefeldern stieg er 1995 in die 2. Bundesliga und ein Jahr später in die Bundesliga auf. Für die Arminia lief er einmal in der 2. Bundesliga auf und erzielte ein Tor. Insgesamt absolvierte Kopp für die Arminia 97 Spiele und traf dabei fünfmal.

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