Das Finale mit dem TBV: Ganz Lippe drückt die Daumen

Oliver König

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Der TBV Lemgo Lippe jubelt und schlägt den THW Kiel nach grandioser zweiter Halbzeit. - © Joerg Niebergall/Eibner-Pressefo
Der TBV Lemgo Lippe jubelt und schlägt den THW Kiel nach grandioser zweiter Halbzeit. (© Joerg Niebergall/Eibner-Pressefo)

Lemgo. Was bitte schön war das denn am Donnerstag?! Ein legendärer Sportfeiertag, der einmal mehr verdeutlicht hat, was Mannschaftssport bedeutet, dass Außenseiter immer eine Chance haben und was Emotionen ausmachen. Mittendrin ein lippisches Team: die Handballer des TBV Lemgo Lippe. Die allerwenigsten hatten einen Pfennig auf die Truppe von Florian Kehrmann gesetzt gegen den schier übermächtigen THW Kiel, der eifrigste Titelsammler in Deutschland.

Der Fernsehmarathon

Der Sport-Fernsehmarathon startete gleich mal mit dem „Wunder von Lettland". Das deutsche Eishockey-Team gab im Viertelfinale gegen die Schweiz keinen Puck verloren, auch nicht, als es mit 0:2 hinten lag und die Eidgenossen alles im Griff zu haben schienen. Einsatz, Kampf, Willen – Deutschland bog das Ding noch um, ging in die Verlängerung und ins Penaltyschießen, dem Elfmeterschießen im Eishockey. Nerven wie Drahtseile hatten sie die Cracks in Schwarz-Rot-Gold und machten das Halbfinale perfekt. Wer dann die harten Jungs die Nationalhymne schmettern sah, wusste: Da steht ein Team auf dem Eis.

Freude am Handball

Anschließend ein schneller Griff zur Fernbedienung, flugs umschalten, das TBV-Spiel wartet. Gut, 11:18 lautet der Rückstand zur Pause. Nehmen wir die Schablone vom Eishockey-Match und legen sie über dieses Handballspiel. Und siehe da: Es funktioniert. Wie im Film kommt sich der Zuseher vor. Aufgeben ist für die Lipper keine Option. Warum auch? Von Minute zu Minute agieren sie – so der Eindruck vorm TV – mit immer mehr Leichtigkeit und Freude an ihrem Sport. Sie werfen alles in die Waagschale, Trainer Florian Kehrmann bleibt in der Auszeit locker, hat ein Grinsen im Gesicht und gibt seinen Jungs weiter Mut. Einsatz, Kampf, Willen – auf einmal kommt das Glück hinzu bei etlichen Kieler Pfostentreffern. Und der TBV wittert seine Chance und ist zur Stelle. Wer den Jubel anschließend sieht: Da steht ein Team auf der Platte.

Ein Team

Ein kurzes Päuschen, das U21-EM-Halbfinale steht noch auf dem Programm. Deutschland gegen die Niederlande. Tor nach 30 Sekunden, Tor nach acht Minuten – ratzfatz führt die DFB-Elf mit 2:0. Machen wir es kurz: Sie hat mit Pfostentreffern Pech, schluckt das 1:2, schüttelt sich und wirft sich in jeden Ball. Einsatz, Kampf, Willen: Da steht ein Team auf dem grünen Rasen.

TBV hat es verdient

Und jetzt die Frage: Warum sollten diese Teams nicht im Halbfinale gegen Finnland, im Finale gegen MT Melsungen oder im Finale gegen Portugal nicht zum nächsten großen Wurf ausholen? „Sieben gute Gründe, weshalb der TBV Lemgo Lippe den THW knackt" hatte LZ.de getitelt. Fürs Endspiel gilt nun: Der TBV gewinnt, weil er ein Team ist, weil er den Teamspirit hat, weil alle Lipper ab 17.30 Uhr bei der Live-Übertragung im Ersten die Daumen drücken und weil es der TBV nach dem „Wunder von Hamburg" im Halbfinale einfach verdient hat.

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