2:0-Erfolg in Stuttgart: Arminia bleibt erstklassig!

Benedikt Riemer und Jan Ahlers

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Grenzenloser Jubel nach dem 2:0 durch Ritsu Doan. - © imago images/Michael Weber
Grenzenloser Jubel nach dem 2:0 durch Ritsu Doan. (© imago images/Michael Weber)

Stuttgart. Mentalität, Effizienz und das Quäntchen Spielglück: Am Ende wurde Arminia Bielefeld all das zuteil, was eine Mannschaft im Abstiegskampf ausmachen muss. Mit dem 2:0 (0:0)-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart nach Toren von Fabian Klos (65./Elfmeter) und Ritsu Doan (72.) bleibt Arminia Bielefeld, als klarer Außenseiter gestartet, ein weiteres Jahr in der Fußball-Bundesliga! Dass die Konkurrenz ebenfalls mitspielte, hatte der erst schwer kämpfende, dann souveräne DSC gar nicht mehr nötig.

Selbst Arminias Spieler konnten es an diesem Tag nicht abwarten - dreieinhalb Minuten vor Beginn des Endspiels um Klassenerhalt und Abstieg standen die DSC-Profis auf dem sattgrünen Geläuf der Mercedes-Benz-Arena. Große Veränderungen waren nicht angebracht, Jacob Laursen ersetzte den gesperrten Anderson Lucoqui als Linksverteidiger, die übrigen zehn Startspieler kannten sich vom 1:1-Remis gegen die TSG Hoffenheim.

Stuttgart zunächst dominant

Und Arminia startete mutig und selbstbewusst, gewillt, den Ligaverbleib aus eigener Kraft zu stemmen. Ein früher Ballgewinn Laursens eröffnete Voglsammer viel Platz, der den mitgelaufenen Ritsu Doan im Rückraum bediente - sein platzierter Schuss aus 20 Metern rauschte an den linken Pfosten (12.), die DSC-Bank stöhnte geschlossen auf. Zuvor hatte Ex-Armine Roberto Massimo eine zu kurze Kopfballabwehr Cédric Brunners nicht richtig erwischt (9.) und so eine ordentliche VfB-Chance leichtfertig vergeben.

Dass parallel die Nachricht von Mönchengladbachs Führung in Bremen eingetrudelt war, nahm der blaue Tross gerne mit. Doch Bielefeld musste sich von Minute zu Minute mehr in Acht nehmen: Massimo blieb auf der rechten Offensivseite eine stete Gefahrenquelle, sein zweiter Abschluss trudelte knapp am rechten Pfosten vorbei (15.).

Stuttgart dominierte die Partie in der Folge, Arminia hatte zweimal Glück: Torjäger Sasa Kalajdzic umkurvte bei der bis dato besten Gelegenheit Stefan Ortega Moreno nach dessen unsicherer Rettungstat gegen Borna Sosas Flanke, bekam aber keinen Abschluss mehr zustande (32.). Dann jubelte der VfB über Kalajdzics Führungstor (36.) - bis Videoschiedsrichter Tobias Welz eingriff und eine haarscharfe Abseitsposition bei Vorbereiter Massimo erkannte, der einmal mehr Laursen entwischt war.

Es blieb bis zur Pause beim 0:0, ein doch schmeichelhaftes Ergebnis für den DSC, der auf nur 24 Prozent Ballbesitz und eine weitere Chance von Arne Maier (28.) gekommen war. Die Konkurrenz spielte zu diesem Zeitpunkt für die Blauen, Bremen lag im Hintertreffen und auch Köln war gegen Schalke noch kein Treffer gelungen. Die verlockende wie trügerische Blitztabelle zeigte weiterhin Rang 15.

Okugawa, Klos und Doan werden zu den Bielefelder Helden

Zu Beginn des zweiten Durchgangs war die erste Devise, für mehr Entlastung zu sorgen. Trainer Frank Kramer reagierte zügig, nachdem er sah, dass Laursen einen schwachen Tag erwischt hatte, und brachte in Nathan de Medina die etatmäßige Nummer drei für hinten links (56.). Auf dem Feld passierte fast gar nichts mehr, stattdessen trudelten die Meldungen aus Bremen ein: Gladbach führte 2:0, dann 3:0 - an diesem Samstagnachmittag würde Arminia zumindest nicht direkt absteigen, das schien um 16.50 Uhr beschlossene Sache.

Doch der Moment, auf den der DSC geduldig zu warten schien, er fiel plötzlich vom Himmel: Masaya Okugawa eroberte sich selbst stark den Ball, wurde dann beim Eindringen in den Sechzehner von Naouirou Ahamada gelegt - Elfmeter! Kapitän Fabian Klos griff sich den Ball und versenkte sicher unten links (65.). Arminia hatte 35 Punkte, war völlig unabhängig von vom Geschehen anderer Plätze. Trainer Kramer ließ einen Erleichterungsschrei folgen, Sport-Geschäftsführer Samir Arabi nippte neben ihm weiter angespannt an seiner Wasserflasche. Erst Minuten später fiel die Anspannung ab, als Andreas Voglsammer Doan bediente und dieser VfB-Torhüter Gregor Kobel zum 2:0 überwand (72.).

Nun sprach alles für Arminia. Dass Klos zehn Minuten vor Schluss das 3:0 aus spitzem Winkel vergab, konnten die Gäste verschmerzen - Stuttgarts Gegenwehr war nach einer schwachen zweiten Halbzeit weitestgehend gebrochen, das DSC-Tor geriet bis auf einen Kopfball von Hamadi Al Ghaddioui nicht mehr ernsthaft unter Beschuss. Dass sich letztlich Köln mit dem späten 1:0-Tor in die Relegation rettete und damit Werder Bremen in die Zweitklassigkeit beförderte? Arminia konnte es herzlich egal sein: Mit Abpfiff brachen bei den Arminen, die wie entfesselt über den Platz stürmten, alle Dämme. Die Klassenerhaltsparty war eingeleitet.

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