Klaus Theimann beendet seinen Dienst als Schiedsrichter

Jörg Hagemann

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Klare Gestik: Die Spieler von TSV Hillentrup III und HB Bad Salzuflen III folgen den Anweisungen von Schiri-Veteran Klaus Theimann. - © Jörg Hagemann
Klare Gestik: Die Spieler von TSV Hillentrup III und HB Bad Salzuflen III folgen den Anweisungen von Schiri-Veteran Klaus Theimann. (© Jörg Hagemann)

Kreis Lippe. Abpfiff für Klaus Theimann. Mit 79 Jahren hat Lippes ältester Handball-Schiedsrichter zum Jahreswechsel die Pfeife aus der Hand gelegt. Seine letzte Partie nach 45 Jahren führte den ehemaligen Verwaltungsangestellten im Rechtsamt des Kreises Lippe noch einmal über die Gauseköte.

Paderborn-Elsen II gegen HC Steinheim II lautete Ihre letzte Partie. Wie ist sie gelaufen?

Klaus Theimann: Es war sehr angenehm zu pfeifen. Steinheim II hatte nur einen Auswechselspieler und verlor 15:36. Insgesamt musste ich nur einmal Gelb zücken. Mehr war nicht drin. Als ich abends zurück in Lemgo war, und meine Gabi, die mich in den 45 Jahren immer großartig unterstützt hat, die Tür öffnete, war ich richtig erleichtert. "Jetzt bin ich ein freier Mann", habe ich gedacht.

Warum steigen Sie mitten in der Saison aus?

Theimann: Eigentlich wollte ich bereits nach der vergangenen Saison aufhören. Aus Altersgründen. Ich habe gemerkt, dass mich mein schönes Hobby auch belasten kann. Gerade, wenn man als Einzelschiedsrichter unterwegs ist. Da ist es nicht so einfach, in kniffligen Situationen die Ruhe zu bewahren. Aber auch die ständigen Prüfungen waren nicht so einfach. Um die Regeltests zu bestehen, musste ich vorher richtig büffeln. Andererseits haben mich die Auswirkungen der neuen Regeln gereizt.

Wird an der Basis - ähnlich wie in der Bundesliga - eigentlich auch mit siebentem Feldspieler agiert?

Theimann: In den Begegnungen auf unterem Niveau sind die Regeländerungen kaum zu spüren. Ich bin überzeugt, dass ab Oberliga auch mit siebentem Feldspieler gespielt wird. Doch je tiefer man nach unten kommt, desto weniger werden diese Möglichkeiten praktiziert. Das hängt auch mit den Trainern zusammen, die das auf Kreisebene häufig aus dem Bauch machen und gar nicht richtig ausgebildet sind.

Wenn Sie sich an Ihre Anfänge erinnern: Gab es damals schon einen Schiedsrichtermangel?

Theimann: Nein. Damals wurde ja noch auf Großfeld gespielt. Ich bin zum Pfeifen gekommen, weil ich ganz einfach Spaß daran hatte. Ich bin damals oft zu den Übungsabenden der Frauen gegangen. Trainer Eiko Söhlke beschloss das Training immer mit einem Spielchen, das ich leiten durfte.

Ist es ein Vorteil, wenn man selbst aktiv Handball gespielt hat?

Theimann: Ich war zuvor Großfeldspieler in der dritten Mannschaft des TV Lemgo. Allerdings habe ich früh erkannt, dass aus mir kein großer Handballer wird. So legte ich im Alter von 34 Jahren im Sommer 1971 in Detmold unter der strengen Aufsicht des späteren Bundesliga-Schiedsrichters Harald Buhrmester die Schiedsrichterprüfung ab. Ich bin stolz darauf, dass ich es mit unterschiedlichen Partner bis in die Oberliga Westfalen geschafft habe.

Dabei haben Sie sicherlich manche Kuriosität erlebt?

Theimann: Das Gespann Hetzel/Theimann war im Bezirk umstritten, weil die von uns praktizierte Regelanwendung bisweilen etwas übertrieben war. Bei Holzhausen II, im Kreis Minden-Lübbecke, mussten wir einmal unter Ordnungsschutz und Beschimpfungen aus der Halle geleitet werden. Auf dem Parkplatz war dann ein Reifen von Klaus Hetzels Auto zerstochen worden. Als wir später mal wieder bei Holzhausen II pfeifen mussten, haben wir unser Auto sicherheitshalber vor dem Dorf stehen lassen und sind zu Fuß weitergegangen.

Aber Sie sind immer rechtzeitig angekommen...

Theimann: Glück hatten wir im November 1973, als es im Zuge der Ölkrise ein bundesweites Sonntagsfahrverbot gab. Davon betroffen war auch ich mit meinem Partner Dietmar Schäffer. Sonntags durften abwechselnd Autos mit geraden und ungeraden Nummern fahren. Das hatte bei uns gepasst.

Gilt der Spruch "Bielefeld bringt Kilometergeld" auch für Handballschiedsrichter?

Theimann: Einst begann die Vergütung mit spärlichen 5 DM. Aktuell gibt es dürftige 15 Euro im Kreis plus 30 Cent pro gefahrenen Kilometer. Fahr mal nach Elsen und Brakel hin und zurück, wobei du mindestens eine halbe Stunde vor Spielbeginn vor Ort sein sollst... Du kommst nur auf deine Kosten, wenn du mit dem Radl anreist. Oft habe ich den Drahtesel benutzt, zum Beispiel nach Bösingfeld, Bad Salzuflen, Lage, Müssen oder Hillentrup.

Vielerorts sind Schiedsrichter rar gesät. Mit welchen Argumenten würden Sie junge Menschen in diesen Tagen zur Pfeiferei animieren?

Theimann: Es macht einfach Spaß, ein Spiel mit viel Körperkontakt zu leiten. Es gibt Anfänger, die sagen, das kriege ich nicht hin. Doch man muss versuchen, sich durchzusetzen und die Angst in den Hintergrund zu schieben.

Setzen Sie sich jetzt selbst auf die Tribüne und meckern über die Schiedsrichter?

Theimann: Nein. Dafür war es eine viel zu schöne Zeit. Ich habe mich als Schiedsrichter oft bestätigt gefühlt. Außerdem scheide ich nicht so ganz: Ich werde die männliche D1-Jugend von Handball Lemgo begleiten.

Information

Klaus Theimann hatte viele Gespann-Partner

Als seine Stärke hat Klaus Theimann die Anwendung der Vorteilsregelung gesehen. Als persönliche Schwäche bezeichnet er "eine zu wenig progressive Linie". Theimann begann 1971 als Einzelschiedsrichter. Erster Gespannpartner wurde Dirk Schröder vom TV Lemgo. Es folgte Dietmar Schäffer aus Detmold, mit dem es hinauf bis zur Landesliga ging. Mit Günter Voigt aus Horn-Bad Meinberg pfiff Klaus Theimann über die Verbandsliga bis zur Oberliga Männer und Regionalliga Frauen.

Als Voigt aus persönlichen Gründen aufhörte, startete das Ehrenmitglied des TBV Lemgo und der "Lemgoer Hexen" mit Klaus Hetzel (Horn-Bad Meinberg) in der Verbandsliga. Es folgte das Duo mit dem damaligen Bezirksrechtswart Günter Hameister aus Schlangen, den es anschließend nach Düsseldorf zog. Fortan bildete Theimann mit Walter Rischer aus Brake ein Team. Als Rischer ein "Baby-Jahr" einlegte, verbrüderte sich Klaus Theimann mit der Detmolder Handball-Ikone "Jonny" Hölscher. Aus Altersgründen beschränkte er sich in den vergangenen Jahren auf die Tätigkeit als Einzelschiedsrichter.

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