Fiasko nach Führung: SCP verliert 2:3 gegen SV Darmstadt

Kevin Bublitz und Frank Beineke

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SCP-Abwehrspieler Ron Schallenberg im Luftduell mit Darmstadts
Victor Pálsson. - © Besim Mazhiqi
SCP-Abwehrspieler Ron Schallenberg im Luftduell mit Darmstadts Victor Pálsson. (© Besim Mazhiqi)

Paderborn. Der SC Paderborn wollte in der zweiten Saisonhälfte eigentlich zur Aufholjagd blasen. Doch nach sieben Rückrundenspielen stehen nun magere sechs Punkte zu Buche, denn am Freitagabend setzte es mit der 2:3 (1:1)-Heimpleite gegen den SV Darmstadt 98 die neunte Saisonniederlage. Nach einer 2:1-Führung hatten die bis dato recht souveränen Hausherren komplett den Faden verloren.

"Nach dem 2:1 lag für uns alles auf dem Silbertablett. Und dann schenken wir es her. Ich habe noch nie erlebt, dass wir 20 Minuten lang komplett die Struktur verlieren. Das war einfach nur dumm", ärgerte sich SCP-Trainer Steffen Baumgart. "Wir haben heute gegen alle Widerstände angekämpft und von der ersten bis zur letzten Sekunde alles getan, um dieses Spiel zu gewinnen", konstatierte Darmstadts Coach Markus Anfang und fügte an: "Gegen eine so gute Mannschaft so zurückzukommen, das ist schon außergewöhnlich."

Steffen Baumgart hatte seine Startelf auf drei Positionen verändert. Chima Okoroji spielte für den gesperrten Jamilu Collins. Chris Führich ersetzte Kai Pröger. Julian Justvan durfte überraschend für Sven Michel ran und sollte reichlich Ballkontakte haben, denn das Spielgerät war meistens im Besitz der Hausherren. Die Darmstädter machten nämlich ihre Ankündigung wahr und standen deutlich tiefer als gewohnt.

Der SCP hatte vor der Pause 71 Prozent Ballbesitz, zeigte sich spielfreudig und kam nach einer feinen Kombination über Justvan und Antwi-Adjei zu einer ersten Großchance durch Sebastian Vasiliadis (11.). Die Gäste wagten sich erst in der 14. Minute erstmals in die gegnerische Hälfte und wären fast prompt mit einem Tor des Monats in Führung gegangen. So setzte SVD-Stürmer Serdar Dursun, der in dieser Szene nicht nur optisch an Zlatan Ibrahimovic erinnerte, einen Fallrückzieher an den Innenpfosten. Fünf Minuten später bejubelte Dursun dann seinen elften Saisontreffer, als er einen Elfmeter kompromisslos zum 0:1 (19.) versenkte. SCP-Rechtsverteidiger Johannes Dörfler hatte sich zuvor ein dämliches Foul an Mathias Honsak geleistet.

Auf der Gegenseite kam dann auch SCP-Angreifer Dennis Srbeny per Strafstoß zum elften Saisontor. Teamkollege Chris Führich ging ins Dribbling und wurde vom Darmstädter Patrick Herrmann zu Fall gebracht. Und Srbeny verwandelte den fälligen Elfer zum 1:1 (24.).

Schonlau-Ausfall hat bittere Folgen

Paderborn blieb spielbestimmend, verlor aber seinen Kapitän. Sebastian Schonlau, der nach einer guten Viertelstunde mit Patric Pfeiffer zusammengeprallt war, musste in der 37. Minute mit Wahrnehmungsproblemen raus. Für ihn kam Mittelfeldspieler Maximilian Thalhammer, denn ein Innenverteidiger saß nicht auf der Bank. Winterneuzugang Nicolas Bürgy hatte sich im Training verletzt. Und Marcel Correia war vor dem Spiel Vater geworden. Und so musste Ron Schallenberg in die Innenverteidigung rücken.

Schallenberg hatte in Minute 41 auch die letzte gute Gelegenheit vor der Pause und die erste Chance der zweiten Hälfte (49.), in der Paderborn früh in Führung gehen sollte. Chris Führich schlenzte den Ball aus 17 Metern gefühlvoll zum 2:1 (55.) ins lange Eck.Doch dann riss der SC Paderborn wieder einmal alles selbst ein, was er sich mühsam aufgebaut hatte.

Darmstadt nutzt die SCP-Tiefschlafphase

Denn gegen nun mutigere Gäste verlor Paderborn plötzlich den Zugriff. Zunächst hatten die Gastgeber noch Glück, dass ein Treffer von Tim Skarke aberkannt wurde, weil der Video-Assistant-Referee ein Foul an Dörfler erkannt hatte (66.). Doch direkt nach dieser Szene sollte der SCP erneut schlafen, so dass Marvin Mehlem das 2:2 (68.) erzielen konnte. Und es kam noch schlimmer. Der überragende Dursun zog von der Strafraumkante ab und jagte das Leder per Dropkick zur Darmstädter Führung ins Netz (75.). Acht Minuten später verpasste Dursun das 2:4.

Baumgart brachte mit Michel, Pröger und Owusu noch drei Offensivkräfte. Doch mehr als ein Kopfball von Uwe Hünemeier (87.) sprang nicht mehr heraus. Stattdessen parierte SCP-Keeper Leopold Zingerle spektakulär gegen Erich Berko und Fabian Schnellhardt (90.+3). Doch das änderte nichts mehr an einer Niederlage, die Fragen aufwirft.

"Wir sind jetzt im Abstiegskampf. Da geht es nicht um Schönspielen, sondern ums klare Spielen. Das hat Darmstadt heute gezeigt", bilanzierte Steffen Baumgart und fügte nachdenklich an: "Dieses Spiel wird mich noch den ein oder anderen Tag kosten."

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