Tarifstreit bei Real

Joachim Göres

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Ebenfalls betroffen: Auch beim Real-Markt in Bielefeld sollen neue Mitarbeiter weniger verdienen. - © Wolfgang Rudolf
Ebenfalls betroffen: Auch beim Real-Markt in Bielefeld sollen neue Mitarbeiter weniger verdienen. (© Wolfgang Rudolf)

Hannover/Düsseldorf. Neue Mitarbeiter sollen nach einer gerade erfolgten Umstrukturierung bei der Einzelhandelskette Real in den bundesweit mehr als 280 Supermärkten künftig deutlich schlechter bezahlt werden als bisherige Kräfte. Dies gilt auch für die Märkte in Bielefeld, Brakel, Detmold, Espelkamp, Gütersloh und Paderborn.

„Neue Mitarbeiter verdienen bis zu 25 Prozent weniger", sagt Christian Vasenthien, bei der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Hannover-Heide-Weser für den Bereich Handel zuständig. Nicht nur neuen, sondern auch bisherigen Beschäftigten drohen Einbußen – trotz der gegenteiligen Versicherung der Geschäftsleitung. „Wer versetzt oder befördert wird oder andere Aufgaben übernimmt und dabei einen neuen Vertrag unterzeichnet, wird künftig weniger verdienen als nach dem alten Tarifvertrag vorgesehen. Solche Fälle hat es in letzter Zeit bereits gegeben", sagt Vasenthien, der in letzter Zeit bei Real-Betriebsversammlungen große Verunsicherung bei den Beschäftigten erlebt hat.

Seit Anfang Juni sind die 34.000 Real-Mitarbeiter nicht mehr wie bisher bei der Real SB-Warenhaus GmbH beschäftigt, sondern bei der Metro Services GmbH, die als Real GmbH firmiert und ihren Sitz in Düsseldorf hat. Die Real-Geschäftsleitung hatte dazu kürzlich in einer Pressemitteilung erklärt: „Durch die Übertragung des Geschäftsbetriebes auf eine nicht an die Tarifverträge mit Verdi gebundene Gesellschaft sind die Voraussetzungen dafür geschaffen worden, die Personalkosten bei real mittel- bis langfristig wettbewerbsfähig zu gestalten." Laut Verdi sind auch 4.500 befristet Beschäftigte betroffen – ihre alten Verträge sollen nicht verlängert werden.

Die Gewerkschaft setzt auf Tarifverhandlungen mit der für die Real GmbH zuständige Unternehmensvereinigung für Arbeitsbedingungen im Handel und Dienstleistungsgewerbe (AHD). Die lehnt die AHD mit folgender Begründung ab: „Wir haben offenbar einen erheblichen Dissens, was die Ausgangsbasis für mögliche Tarifverhandlungen betrifft. Als solche kommen unsererseits für Neueinstellungen nur die im Unternehmen geltenden DHV-Tarifverträge in Betracht." Die mit dem Deutschen Handelsgehilfen Verband (DHV) geschlossenen Tarife liegen deutlich unter denen mit Verdi getroffenen Vereinbarungen.

Verdi will Verhandlungen erzwingen und schließt dafür einen Streik nicht aus. „Wir sind kampfbereit", beschreibt Susanne Meister die Stimmung. Die Real-Betriebsratsvorsitzende in Bremen, zugleich Mitglied der Verdi-Tarifkommission, spricht von zahlreichen Gewerkschaftseintritten in der letzten Zeit und fügt hinzu: „Wenn neue Kräfte für die gleiche Tätigkeit 500 Euro im Monat weniger verdienen als die Stammbelegschaft, übt das natürlich psychischen Druck auf langjährige Mitarbeiter aus."

Die Aktion Arbeitsunrecht will mit ihrer Kampagne „Schwarzer Freitag, der 13." am 13. Juli vor Real-Märkten protestieren, darunter in Berlin, Essen, Köln, Siegen und München. Dabei wendet sich die Aktion Arbeitsunrecht, ein Zusammenschluss von Beschäftigten, Betriebsräten, Gewerkschaftern und Menschenrechts-Aktivisten, auch gegen den Umgang mit Leiharbeitern. Ihnen steht seit vergangenem Jahr nach neun Monaten Betriebszugehörigkeit das gleiche Gehalt wie Festangestellten zu. Seitdem würden laut Aktion Arbeitsunrecht Leiharbeiter – zu ihnen zählten viele Kassiererinnen – bei Real nur noch kürzer als neun Monate beschäftigt.

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