Essen ist die Hauptstadt der Clan-Kriminalität

Lothar Schmalen

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Symbolbild Kriminlität - © Pixabay
Symbolbild Kriminlität (© Pixabay)

Düsseldorf. Essen ist die Hauptstadt der Clan-Kriminalität in NRW. Mit 1.114 Tatverdächtigen in den vergangenen drei Jahren aus kriminellen Großfamilien rangiert die Ruhrgebiets-Metropole mit weitem Abstand vor Gelsenkirchen und Recklinghausen an der Spitze. Zum Vergleich: Bielefeld werden 58 Tatverdächtige zugeordnet. Die Zahlen gehen aus dem Lagebericht zur Clan-Kriminalität hervor, den das Landeskriminalamt (LKA) vorgelegt hat.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Polizeibehörde in Deutschland systematisch die Kriminalität der hauptsächlich aus dem kurdischen und libanesischen Raum stammenden Clans analysiert hat. Und die Zahlen sind durchaus bedrückend. Von 2016 bis 2018 schlagen insgesamt 14.225 Straftaten zu Buche, darunter auch 24 versuchte und zwei vollendete Tötungsdelikte. Essens führende Position bei der Clan-Kriminalität wird auch dadurch deutlich, dass die Polizei hier in den vergangenen drei Jahren allein 2.439 Delikte zählte, also ein Sechstel aller NRW-Delikte.

Außer durch Gewalttaten fallen die Clans vor allem durch Eigentumsdelikte, Betrügereien, Rauschgiftkriminalität und Fälschungsdelikte auf. Clanmitglieder betreiben aber auch scheinbar legale Geschäfte (Autohandel, Sicherheits-Dienstleistungen, Schlüsseldienste), meist mit dem Ziel zu betrügen, Geld zu waschen oder als Tarnung für andere kriminelle Vorhaben, sagte Thomas Jungbluth, Chef der LKA-Abteilung für Organisierte Kriminalität (OK).

Das LKA zählt 6.449 Tatverdächtige, die 104 Clans zugeordnet werden

Insgesamt zählte das LKA 6.449 Tatverdächtige, die 104 Clans zugeordnet werden. Dabei fallen zwei Familienclans besonders auf, die alleine für ein Fünftel der Straftaten verantwortlich sind. Die Clans O. und E. gelten als besonders gewalttätig, mit mehr als 40 Prozent ist der Anteil der sogenannten Rohheitsdelikte bei ihnen besonders hoch.

Überraschend sind unter den Straftätern auch viele Frauen, insgesamt 20 Prozent. Auffallend ist auch, dass nur sechs Prozent der kriminellen Clan-Mitglieder für fast ein Fünftel aller Clan-Straftaten verantwortlich sind.

In Ostwestfalen-Lippe halten sich die meisten Clan-Straftäter im Kreis Minden-Lübbecke auf (92). Dort wurden von 2016 bis 2018 auch die meisten Straftaten verübt (191) - mit steigender Tendenz.

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