Bundesamt warnt vor Radon - was müssen Menschen in OWL nun wissen?

Torben Gocke

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Unterschätztes Risiko: In vielen Kellern und Wohnungen lässt sich Radon nachweisen. - © picture alliance / ZB
Unterschätztes Risiko: In vielen Kellern und Wohnungen lässt sich Radon nachweisen. (© picture alliance / ZB)

Berlin. Radon in der Luft ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Das Gas entsteht bei Zerfallsprozessen von Gestein überall im Boden – in manchen Regionen mehr als in anderen. Ostwestfalen-Lippe ist vergleichsweise radonarm, es gibt aber stellenweise erhöhte Messwerte. Gefährlich wird das strahlende Edelgas, wenn es sich zu starker Konzentration sammeln kann, etwa in einem Keller, einem Büro oder einem Wohnraum.

Warum ist Radon gefährlich?

Das Gas gelangt über die Atemluft in die Lunge und geht auf demselben Wege wieder raus. Radon selbst verursacht zunächst keine Schäden im menschlichen Körper. Problematisch sind allerdings die natürlichen Zerfallsprodukte, die das Gas mit sich bringt. Quasi als Trittbrettfahrer gelangen so radioaktive Isotope von Blei, Bismut und Polonium in den Körper. Diese Stoffe lagern sich in der Lunge ab und bringen gefährliche Strahlung mit sich. Die Lungenkrebsgefahr steigt. Das Risiko für eine Erkrankung steigt nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz mit der Dauer und der Höhe der Strahlenbelastung an. Eine bestimmte Konzentration, ab der das Gas gefährlich ist, gibt es nicht. Generell gelte daher: Je weniger, desto besser.

Woher weiß ich, ob ich betroffen sein könnte?

Radon kommt überall im Boden in sehr unterschiedlicher Konzentration vor. Sehr viel findet sich etwa in Teilen Thüringens oder Bayerns. In OWL sieht es grundsätzlich besser aus, stellenweise gibt es allerdings auch hier Gebiete mit erhöhten Messwerten. Abschließende Sicherheit gibt eine Messung der Radon-Konzentration in der eigenen Wohnung. Das sei "preiswert und unproblematisch" heißt es vom Bundesamt. Auf seiner Internetseite empfiehlt es dazu etwa passive Messgeräte. Diese werden bei einem Labor zunächst bestellt und dann über mehrere Monate in dem betroffenen Raum ausgelegt. Anschließend werden sie zum Labor zurück geschickt und dort ausgewertet. Eine Messung koste lediglich zwischen 30 und 50 Euro.

Wie kommt das Radon überhaupt in die Wohnung?

In deutschen Kellern herrscht üblicherweise Unterdruck. Nicht viel, aber genug gegenüber der Außenwelt, um Radon aus dem Boden quasi anzusaugen. Durch Fugen und Risse im Fundament oder über Kabel- und Schachtanlagen gelangt das radioaktive Edelgas schließlich ins Gebäude und kann sich dort sammeln oder ausbreiten. Messungen des Bundesamtes für Strahlenschutz haben gezeigt, dass höher gelegene Räume grundsätzlich geringere Konzentrationen von Radon aufweisen.

Welche Maßnahmen helfen?

Wird ein Raum über längere Zeit nicht gelüftet, steigt das Risiko, eine höhere Konzentration von Radon in der Luft zu haben. Sind die Fenster geöffnet, verschwindet das gesammelte Gas mit der Raumluft. Wird neu gebaut, so empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz, sachkundige Firmen für Schutzmaßnahmen sorgen zu lassen. Diese seien in der Regel mit geringem Aufwand machbar, reichen allerdings auch bis zu kompletten Drainagesystemen unter einem Gebäude. Bei Sanierungen sei insbesondere auf die Abdichtung von Leitungen aus dem Baugrund zu achten. Ferner helfe es, Fugen und Risse im Boden abzudichten.

Welche anderen Krankheiten kann Radon auslösen?

Neben der Lunge bringt das Radon auch für andere Organe eine erhöhte Strahlenbelastung mit sich, etwa im Hals, der Nase und dem Rachen. Die Dosis ist dort allerdings deutlich geringer und aktuell deuten keinerlei Erkenntnisse darauf hin, dass Radon in Wohnungen beim Menschen zu anderen Krankheiten als Lungenkrebs führt.

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