Entgegen eigener Versprechen: Bundesregierung fliegt ohne CO2-Zertifikate

Jörg Köpke

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Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kommt mit einem Bundeswehr-Hubschrauber zum Truppenbesuch. - © dpa
Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kommt mit einem Bundeswehr-Hubschrauber zum Truppenbesuch. (© dpa)

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Minister der Bundesregierung haben 2018 insgesamt 82 Dienstreisen mit Hubschraubern der Bundespolizei oder der Bundeswehr zurückgelegt. Bei einem Drittel davon (27) wurden die klimaschädlichen Auswirkungen dieser Flüge nicht kompensiert. Das geht aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

Nach Angaben von Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU) wurden lediglich „55 Nutzungen im Rahmen der ,Maßnahmen zur Klimaneutralisierung der Bundesregierung' kompensiert". Die Bundesregierung hat sich dazu verpflichtet, die klimaschädlichen Auswirkungen von Dienstreisen vollständig zum Beispiel durch den Kauf von CO2-Zertifikaten auszugleichen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte im Dezember 2018: „Die Bundesregierung gleicht für ihre Dienstreisen alle Treibhausgasemissionen vollständig aus."

Grüne kritisieren "halbgare Versprechen"

Die Hubschrauber von Bundespolizei und Bundeswehr werden vor allem von Kanzleramt und Verteidigungsministerium genutzt. Erst vor wenigen Tagen flog Bundeskanzlerin Merkel mit dem Hubschrauber zum Luftfahrtgipfel nach Leipzig. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) löste kurz nach Amtseinführung Kritik aus, als sie mit einem Hubschrauber von Berlin zum wenige Kilometer entfernt liegenden Einsatzführungskommando der Bundeswehr bei Potsdam reiste.

„Offensichtlich gibt es ja eine Liste aller Hubschrauberflüge im Verteidigungsministerium. Wieso dann nur ein Teil davon ausgeglichen wurde, bleibt Betriebsgeheimnis des Verteidigungsministeriums", sagte Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner. Vor diesem Hintergrund sei die Zusicherung, dass die Flüge der Bundesregierung ausgeglichen würden, ein „halbgares Versprechen".

Nach Berechnungen von Greenpeace stößt ein Hubschrauber pro Flugstunde bis zu 1000 Kilogramm CO2 aus.

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