Nach Lügde: NRW bekommt fünf eigene Datenspeicher-Spürhunde

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Rottweiler Yam untersucht eine Werkbank in einer Werkhalle der Kölner Justizvollzugsanstalt. - © Federico Gambarini/dpa
Rottweiler Yam untersucht eine Werkbank in einer Werkhalle der Kölner Justizvollzugsanstalt. (© Federico Gambarini/dpa)

Die nordrhein-westfälische Polizei hat jetzt fünf Diensthunde in ihrer Staffel, die auch Handys und Datenspeicher erschnüffeln können. Die Spürnasen mit der Spezialausbildung seien bei der Suche nach Beweismitteln eine wertvolle Hilfe, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung in Neuss.

Fünf ursprünglich auf Rauschgift spezialisierte Polizeihunde seien von ihren Trainern in den vergangenen Monaten zusätzlich darin ausgebildet worden, auch Smartphones, SIM- und Speicherkarten, USB-Sticks, Festplatten sowie CDs aufzuspüren.

Die Spezialausbildung der Hunde ist eine Konsequenz aus der Pannenserie bei der Aufklärung des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde. Damals musste Spürhund "Artus" aus Sachsen angefordert werden, der dort für die Justiz Datenträger und Handys in Gefängnissen oder für den Zoll erschnüffelt. Der Belgische Schäferhund fand auf dem Campingplatz in Lügde tatsächlich in einer Sesselritze übersehene Beweismittel.

NRW hat erst seit kurzem vierbeinige Datenspeicher-Schnüffler als Justiz-Hunde im Einsatz. Testhund "Yam" hat bereits zahlreiche Handys in Gefängnissen erschnüffelt.

Für die NRW-Polizei haben nun auch die Schäferhunde Ali Baba, Herr Rossi, Odin, Jupp und Theo die Lizenz zur Handy- und Datenspeichersuche. Insgesamt arbeiten nach Angaben des Ministeriums rund 300 Diensthunde für die Polizei in NRW: Sie spüren Rauschgift, Sprengstoff, Brandmittel, Personen, Leichen, Banknoten und jetzt auch Datenspeicher und Smartphones auf oder arbeiten als Schutzhunde.

Hier sehen Sie die Dokumentation, die die LZ vor dem Prozessbeginn zum Fall Lügde herausgebracht hat.


Information

Der Missbrauchsskandal von Lügde erschüttert ganz Deutschland. Auf dem Campingplatz „Eichwald" in Elbrinxen wurden über Jahre hinweg zahlreiche Kinder im Alter von 4-13 Jahren sexuell missbraucht. Drei Hauptverdächtige sitzen in U-Haft. Ihnen wird schwerer sexueller Missbrauch in mehr als 1.000 Fällen vorgeworfen.

Die Ermittlungen in dem Fall gestalten sich schwierig. Auch gegen die Polizei und die Jugendämter von Lippe und Hameln-Pyrmont wird ermittelt. Das Innenministerium spricht mittlerweile von einem Behördenskandal.


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