Acht Jahre Haft: Mutter soll ihre Kinder jahrelang gezwungen haben, im Rollstuhl zu sitzen

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Am Mittwochmorgen ist das Urteil gegen die vierfache Mutter, die wegen Misshandlung angeklagt ist, verkündet worden. Die 49 Jahre alte Angeklagte, die nicht fotografiert werden wollte, soll zwischen 2006 und 2010 den Behörden vorgetäuscht haben, dass ihre vier Kinder schwer krank seien, um widerrechtlich Sozialleistungen und Krankenkassenleistungen zu erhalten. - © Rainer Jensen/dpa
Am Mittwochmorgen ist das Urteil gegen die vierfache Mutter, die wegen Misshandlung angeklagt ist, verkündet worden. Die 49 Jahre alte Angeklagte, die nicht fotografiert werden wollte, soll zwischen 2006 und 2010 den Behörden vorgetäuscht haben, dass ihre vier Kinder schwer krank seien, um widerrechtlich Sozialleistungen und Krankenkassenleistungen zu erhalten. (© Rainer Jensen/dpa)

Lübeck (dpa). Rheuma, Asthma, die Bluter- und die Glasknochenkrankheit - alle diese Leiden soll eine Mutter aus Lensahn ihren vier Kindern angedichtet haben, um widerrechtlich Sozialleistungen zu kassieren. Am Mittwoch ist die 49-Jährige vom Landgericht Lübeck wegen Misshandlung und Betruges zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau jahrelang gegenüber Krankenkassen, Behörden und Ärzten behauptet hatte, vier ihrer fünf Kinder litten an schweren chronischen Erkrankungen. Die Angeklagte habe aus Geldgier und Geltungssucht gehandelt, sagte die Richterin. Wegen Fluchtgefahr wurde die Angeklagte, die sich bis dahin auf freiem Fuß befunden hatte, noch im Gerichtssaal festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft beantragt. Die Verteidigung, die eine milde Strafe gefordert hatte, kündigte nach der Urteilsverkündung Revision an.

Arztberichte gefälscht und nicht vorhandene Symptome geschildert

Seit 2010 soll die Mutter Behörden, Krankenkassen und Schulen vorgespiegelt haben, ihre 2002, 2005 und 2008 geborenen Söhne und ihre im Jahr 2000 geborene Tochter litten an schweren Krankheiten und müssten im Rollstuhl sitzen. Dazu habe sie Arztberichte gefälscht und Spezialisten nicht vorhandene Symptome geschildert, die die Kinder angeblich aufwiesen, wie es in der Anklage heißt. Insgesamt soll so ein Schaden von rund 140.000 Euro entstanden sein.

Die Frau hat noch eine weitere Tochter, die von dem mutmaßlichen Betrug ihrer Mutter nicht betroffen war. Die heute 27-Jährige sagte zum Prozessauftakt im August dieses Jahres als Zeugin aus. Als einziges der Kinder war sie zu einer Aussage bereit. Ihre Schwester verweigerte die Aussage, ihre Brüder erschienen nicht vor Gericht.

Ihre Krankheiten würden sich verschlimmern, wenn sie nicht im Rollstuhl säßen

"Wir gehen davon aus, dass die Kinder durch das Handeln der Mutter körperliche und auch seelische Schäden davongetragen haben", wird Staatsanwältin Dorothea Röhl zitiert. Irgendwann hätten die Kinder selbst angenommen, schwer krank zu sein.

Das bestätigte die älteste Tochter der Angeklagten auch damals in ihrer Zeugenaussage. "Meine Mutter hat den Kindern erzählt, ihre Krankheiten würden sich verschlimmern, wenn sie nicht im Rollstuhl säßen", sagte sie. Sie selbst habe sich dem Ansinnen der Mutter widersetzt als die ihr einreden wolle, sie litte wie ihre Brüder an Rheuma und der Glasknochenkrankheit.

In einer TV-Sendung noch als Alltagsheldin gefeiert

Sie vermutet, dass es ihrer Mutter neben dem Geld auch um Aufmerksamkeit gegangen sei. In einer TV-Sendung im Jahr 2014 war die Angeklagte als Alltagsheldin mit vier behinderten Kindern gefeiert worden. Eine Aufzeichnung der Show wurde im Gerichtssaal abgespielt.

Der Schwindel flog erst auf, als der zuständige Kreis Ostholstein 2016 Unstimmigkeiten entdeckt hatte und Anzeige erstattete. Die Kinder wurden vom Jugendamt in Obhut genommen und in Pflegefamilien untergebracht.

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