Joko und Klaas zeigen erschütterndes Video aus Moria

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Das Standbild aus den 15 Minuten freier Sendezeit vom 16.09.2020 die sich Joko Winterscheidt und und Klaas Heufer-Umlauf bei ProSieben erspielt haben, zeigt Milad Ebrahimi aus Afgahnistan, der die Bedingungen im Flüchtlingslager Moria schildert. - © ProSieben/dpa
Das Standbild aus den 15 Minuten freier Sendezeit vom 16.09.2020 die sich Joko Winterscheidt und und Klaas Heufer-Umlauf bei ProSieben erspielt haben, zeigt Milad Ebrahimi aus Afgahnistan, der die Bedingungen im Flüchtlingslager Moria schildert. (© ProSieben/dpa)

Berlin (dpa). Joko und Klaas haben ihre bei ProSieben erspielte freie Sendezeit genutzt, um ein Schlaglicht auf die Zustände an den EU-Außengrenzen zu werfen. In der Mini-Doku „A short story of "Moira" schilderte am Mittwoch ab 20.15 Uhr eine Viertelstunde lang ein Migrant auf Englisch, unter welch widrigen Bedingungen er auf dem Mittelmeer nach Europa kam und welch unwürdige Zustände er antraf. „Mein Name ist Milad Ebrahimi, ich bin 21 Jahre alt und komme aus Afghanistan.

Das Video:

Im Videocall erzählte der junge Mann, der Joko zufolge seit Januar in Moria ist, von den katastrophalen Bedingungen in dem inzwischen bei einem Feuer zerstörten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

In den Aufnahmen sind Tränengaseinsätze der griechischen Polizei zu sehen und viele weinende Kinder. „Kümmert euch um dieses Chaos", appellierte Milad. Zuvor waren Bilder von einem Miniboot zu sehen, dessen Motor von der griechischen Küstenwache zerstört worden sei. Er und die anderen Geflüchteten auf dem Boot hatten drei Tage nichts zu essen und zu trinken, wie Milad schilderte. Die Küstenwache habe „Go back, go back" gerufen, bis sie schließlich doch anlanden konnten.

Er habe gedacht, Europa sei Freiheit, Gleichberechtigung und stehe für Menschenrechte, sagte Milad in ruhigem Ton. Dafür habe er beschlossen, nach Europa zu fliehen. Nun frage er sich, ob das alles ein schlechter Traum sei. Moria sei ein Ort ohne sanitäre Anlagen und ärztliche Versorgung gewesen - für etwa 3.000 Menschen ausgelegt, aber von mindestens viermal so vielen bewohnt. Das Feuer habe die Welt gezwungen, endlich hinzusehen.

Tausende noch immer obdachlos

Eine Woche nach dem Brand in dem überfüllten Flüchtlingslager sind auf Lesbos immer noch rund 11.000 Migranten obdachlos, gut 1.000 leben in einem neuen Lager.

Griechenland will alle rund 12.000 Bewohner des abgebrannten Lagers weiter vor Ort unterbringen und nicht aufs Festland bringen - das haben Regierungsvertreter mehrfach betont. Hintergrund ist die Befürchtung, dass sonst Migranten auch in anderen Lagern absichtlich Feuer legen könnten, um ihre Weiterreise nach Europa, insbesondere nach Deutschland, zu erzwingen. Außerdem befürchtet Athen, dass noch mehr Migranten, die sich zurzeit in der Türkei aufhalten, zur Überfahrt nach Europa animiert werden - das soll verhindert werden. Zudem verweist Athen darauf, dass Asylanträge von vielen Migranten in Moria entweder noch nicht entschieden oder aber abgelehnt wurden.

"Am Rande des Erträglichen"

Die Bundesregierung hat am Dienstag beschlossen, nach der Brandkatastrophe gut 1.500 zusätzliche Flüchtlinge von fünf griechischen Inseln aufzunehmen.

Joko und Klaas sagten zum Beginn der Sendung, es sei am Rande des Erträglichen, dies alles zu sehen. Sie warnten davor, die folgenden Minuten mit Kindern anzusehen. „Der nun folgende Film zeigt die körperliche und emotionale Gewalt an den Außengrenzen Europas", wurde eingeblendet.

Die beiden Entertainer Winterscheidt (41) und Heufer-Umlauf (36) behandeln in ihrer Sendung „Joko & Klaas Live" immer wieder gesellschaftlich relevante Themen. So warfen sie einmal mit der fiktiven Ausstellung „Männerwelten" ein Schlaglicht auf sexuelle Übergriffe gegen Frauen oder veranstalteten zuletzt eine Art Verschwörungsquiz im Stile einer Call-in-Show.

Die freie Sendezeit hatten sich die Moderatoren in der am Dienstag ausgestrahlten Show „Joko & Klaas gegen ProSieben" erspielt, in der sie in mehreren Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten. Die Show wurde schon vor einem Monat aufgezeichnet.

Direkt nach der Aufzeichnung vor vier Wochen beschlossen sie demnach, die Sendezeit Moria zu widmen. Sie schlossen zahlreiche Kontakte dorthin. Sie wollten, dass jeder wisse, was an der EU-Außengrenze passiere.

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