Fleischindustrie, Pflege, schädliches Fett: Das ändert sich im April

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Ein Berliner enthält bis zu 2 Gramm Transfette. - © Torsten Wegener (Symbolbild)
Ein Berliner enthält bis zu 2 Gramm Transfette. (© Torsten Wegener (Symbolbild))

Bielefeld. Der Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies im vergangenen Jahr hat zu schärferen Auflagen geführt, die die Bedingungen in der Fleischbranche verbessern sollen. Im April treten zudem in weiteren Bereichen Regelungen in Kraft. Wir geben eine Übersicht.

Verbot der Leiharbeit in der Fleischindustrie

Seit Januar 2021 dürfen Fleischwarenhersteller in der Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung keine Werkvertragsmitarbeiter mehr beschäftigen. Die im Dezember vorigen Jahres beschlossene Neuregelung Ausbeutung und riskante Arbeitsbedingungen verhindern. Das Arbeitsministerium hatte schärfere Bedingungen für die Fleischindustrie insbesondere im Hinblick auf den Coronavirus-Ausbruch beim Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen Tönnies auf den Weg gebracht, der zu einer intensiven Diskussion um Missstände bei den Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter geführt hatte.

Ab 1. April gilt, dass auch die Leiharbeit in zentralen Unternehmensbereichen verboten ist. Somit soll kein Fremdpersonal mehr in Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung zum Einsatz kommen. Allerdings gilt das Verbot nicht für Handwerksbetriebe. Zudem dürfen entsprechend einer auf drei Jahre befristeten Ausnahmeregelung Unternehmen bei Auftragsspitzen in der Fleischverarbeitung noch Leiharbeiter beschäftigen.

Mindestlohn in der Pflege

Die Pflegekommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern hatte im Januar 2020 die schrittweise Verbesserung der Mindestlöhne beschlossen. Zum 1. April 2021 er für qualifizierte Hilfskräfte eingeführt und beträgt 12,50 Euro im Westen und 12.20 Euro im Osten. Bis 1. April 2022 soll er für diese Beschäftigten mit einjähriger Ausbildung bundeseinheitlich auf 13.20 Euro steigen.

Schlechtes Fett in Lebensmitteln

Industriell hergestellte Lebensmittel dürfen ab 2. April 2021 nur höchstens 2 Gramm Transfette pro 100 Gramm Fett enthalten. Das hatte die Europäische Kommission bereits 2019 festgelegt. Unternehmen, die Produkte an andere Firmen aus der Lebensmittelindustrie liefern, müssen Hinweise auf die Mengen an Transfetten geben, wenn diese mehr als 2 Gramm ausmachen. Die Obergrenze betrifft nicht Transfette, die natürlicherweise in tierischen Produkten wie Milch und Fleisch vorkommen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit betrachtet eine möglichst geringe Aufnahme von Transfetten - industriell gehärtete Pflanzenöle - als wesentlich, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge sollten Transfette nicht mehr als ein Prozent der täglichen Energieaufnahme ausmachen.

Wenn Verbraucher zu viele der ungesättigten Fettsäuren, die in ihrer Zusammensetzung gesättigten ähneln, zu sich nehmen, steigt das "schlechte" LDL-Cholesterin, während der HDL-Wert sinkt. Es erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil es zu Fett-Ablagerungen in den Gefäßwänden kommen kann. Bei Temperaturen ab etwa 130 Grad werden bei Pflanzenölen, die einen hohen Gehalt von mehrfach ungesättigten Fettsäuren enthalten wie Sonnenblumenöl, Transfette gebildet. In der Industrie werden Öle etwa gehärtet, um sie streichfähig zu machen. Transfette stecken etwa in frittierten Kartoffelprodukten, Back- und Süßwaren.

In Deutschland ist der Gehalt an Transfettsäure in industriell hergestellten Produkten vergleichsweise niedrig. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung 2013 in einer Stellungnahme feststellt, hat sich der Anteil etwa durch Verbesserung der Rezepturen und Qualität verringert. "Die meisten Verbraucher in Deutschland verzehren weniger als 1% ihrer Nahrungsenergie als trans-Fettsäure."

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