Biontech rationiert: Bundestag erhielt noch 10.000 Dosen

Björn Vahle

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Sicherte den Abgeordneten und der Parlamentsverwaltung Impfstoff für den Booster: Jens Spahn (CDU). - © Kay Nietfeld/dpa
Sicherte den Abgeordneten und der Parlamentsverwaltung Impfstoff für den Booster: Jens Spahn (CDU). (© Kay Nietfeld/dpa)

Impfärzte bekommen pro Woche aktuell nur 30 Dosen. Aber Bundestagsabgeordnete und Mitarbeiter werden offenbar samt und sonders mit dem begehrten Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus geboostert. Das berichtet das Nachrichtenportal t-online.de. Zusätzlich pikant: Die Lieferung erfolgte, nachdem der frühere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Impfstoff-Mengen von Biontech für Ärzte rationiert hatte.

Dem Bericht zufolge hatte die Bundestagsverwaltung das Gesundheitsministerium bereits im Juli gebeten, Impfstoff für die Booster-Impfungen von Politikern, Mitarbeitern und allen Angestellten der Verwaltung zu beschaffen. Es habe "keine Festlegung hinsichtlich des Impfstoffs" gegeben, teilte ein Sprecher mit. "Uns war es egal, was wir bekommen." Ein Angebot über 10.000 Dosen Biontech Ende Oktober nahm das Ministerium an.

Ende November erfolgte die erste Teillieferung, seitdem wird geboostert. Das Problem: Seit dem 19. November ist der Biontech-Impfstoff rationiert worden - wegen mangelnder Bestände, wie Spahn damals einräumte. Leider ist er auch der begehrtere der beiden in Deutschland zum Boostern zugelassenen Impfstoffe, auch wenn das Präparat von Moderna in Sachen Wirksamkeit (auch gegen Omikron) kein bisschen schlechter ist. Ärztevertreter bemängeln ein "Kommunikationsdesaster" Spahns. Viele Impflinge bevorzugten Biontech, weil ihnen das Vertrauen in den Moderna-Impfstoff fehle.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte gegenüber t-online.de, es habe keine Verfügung gegeben, ausschließlich Biontech zu bestellen. Warum man angesichts des Mangels - vielleicht auch als Signal an die Bevölkerung - dann nicht Moderna bestellt habe, beantwortete der Sprecher nicht.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Klaus Heckemann, kritisierte die Biontech-Lieferungen an den Bundestag als "falsches Signal". Denn die Akzeptanzprobleme bei Moderna seien bekannt. Und seit der Biontech-Rationierung verschärften sich die Konflikte um den knappen Biontech-Impfstoff. Auch angekündigte Nachlieferungen würden ausschließlich an die Impfzentren gehen, Hausärzte schauten in die Röhre.

Böse Absicht unterstellte Heckemann den Politikern zwar nicht. Dennoch zieht er ein ernüchterndes Fazit der Arbeit der politisch Verantwortlichen: "Das ist Inkompetenz."

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