Tödliche Schüsse in Hamburg: Was wir wissen - und was nicht

veröffentlicht

  • 0
Ermittler stehen am Morgen vor dem Gebäude der Zeugen Jehovas in Hamburg, in dem mehrere Menschen getötet wurden. - © Steven Hutchings/Tnn/dpa
Ermittler stehen am Morgen vor dem Gebäude der Zeugen Jehovas in Hamburg, in dem mehrere Menschen getötet wurden. (© Steven Hutchings/Tnn/dpa)

Wichtige Details zu den tödlichen Schüssen bei der Gemeinde der Zeugen Jehovas in Hamburg sind geklärt, manche sind noch unklar. Vor allem stellt sich nach wie vor die Frage nach dem genauen Motiv für die Tat.

WAS WIR WISSEN

  • Der Tatablauf: Am Donnerstag um kurz vor 21.00 Uhr fallen in einem Gebäude der Zeugen Jehovas in Hamburg mehrere Schüsse. Um 21.04 Uhr gehen die ersten Notrufe ein, teilweise aus dem Gebäude. Einsatzkräfte der Polizei sind vier Minuten später am Tatort, sehen einen Mann in den oberen Stock flüchten und hören einen Schuss. Wenig später finden sie dort den tödlich verletzten Täter.
  • Tote und Verletzte: Nach Angaben der Polizei hat der Täter sieben Menschen getötet, darunter ein ungeborenes 28 Wochen altes Kind. Die Mutter überlebte schwer verletzt. Bei den Todesopfern handelt es sich um vier Männer, zwei Frauen und das ungeborene Mädchen. Die Männer und Frauen seien zwischen 33 und 60 Jahre alt. Die Todesopfer hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Zudem sind acht Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Der Täter richtet nach dem Eintreffen der Polizei die Waffe auf sich und tötet sich selbst.
  • Der Täter: Bei dem Täter Philipp F. handelt es sich um einen 35 Jahre alten Deutschen, der aus Bayern stammte. Der Banker war in der Vergangenheit Mitglied der Zeugen Jehovas, aus der Gemeinde aber vor eineinhalb Jahren ausgetreten. Der Mann war nicht mit den Opfern der Amoktat verwandt. Er war Sportschütze und durfte seit Dezember 2022 legal eine halbautomatische Pistole besitzen, die auch die Tatwaffe war. In seiner kurz nach Mitternacht durchsuchten Wohnung wurde eine große Menge Munition gefunden worden - 15 geladene Magazine mit jeweils 15 Patronen und 4 Schachteln Munition mit weiteren 200 Patronen.
  • Der mutmaßliche Todesschütze ist den Behörden nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht als Extremist bekannt gewesen. Dass sein Name dennoch in den Datenbanken der Sicherheitsbehörden auftauchte, hat dem Vernehmen nach keinen kriminellen Hintergrund, sondern liegt an seiner Beantragung einer waffenrechtlichen Erlaubnis.
  • Das Motiv: Die Hamburger Polizei stuft die Schüsse während einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas laut Informationen aus Sicherheitskreisen als Amoktat ein.

WAS WIR NICHT WISSEN

  • Der Tatablauf: Die detaillierte zeitliche Abfolge der Schüsse ist noch nicht ganz klar. Hinweise darauf geben Aussagen und Videos von Anwohnern. Einer Anwohnerin zufolge sollen vier Mal mehrere Schüsse abgegeben worden sein. In dem Video eines Anwohners ist zudem zu sehen, dass eine schwarz gekleidete Person durch eine kaputte Scheibe mehrfach von außen in das Gebäude schießt und schließlich in das Haus einsteigt und darin weiterschießt.
  • Das Motiv: Warum der Täter geschossen hat, ist weiter völlig unklar. Allerdings deuten laut Ermittlern Hinweise darauf hin, dass er die Gemeinde nicht im Guten verlassen hatte.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2023
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare