Gesichtserkennungs-Streit um Madison Square Garden

Christina Horsten

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Beim Madison Square Garden in New York kommt eine Gesichtserkennungs-Software zum Einsatz. - © Christina Horsten/dpa
Beim Madison Square Garden in New York kommt eine Gesichtserkennungs-Software zum Einsatz. (© Christina Horsten/dpa)

Die Hinweisschilder sind nicht groß, aber sie sind unübersehbar am Eingang des Madison Square Garden aufgestellt: «Facial Recognition» steht darauf. Das bedeutet Gesichtserkennung.

Kameras und eine spezielle Software würden hier benutzt, beispielsweise um die «Sicherheit der Zuschauer und Mitarbeiter zu gewährleisten», teilen die Betreiber der berühmten Mehrzweckhalle in Manhattan darauf mit. Jeder, der sich beispielsweise ein Konzert von Billy Joel oder ein Basketball-Spiel der New York Knicks anschauen möchte, muss an diesen Kameras vorbei.

Anwälte werden zurückgewiesen

Der Einsatz von Gesichtserkennungs-Software ist grundsätzlich legal in New York - darüber aber, wie die Betreiber des Madison Square Garden diese einsetzten, ist in der Millionenmetropole nun ein Streit entbrannt.

Mitarbeiter von Anwaltsfirmen, die an Prozessen gegen die Betreiberfirma Madison Square Garden Entertainment Corporation beteiligt sind, wurden systematisch am Eingang zurückgewiesen, auch wenn sie gültige Tickets hatten. An anderen Veranstaltungsorten derselben Betreiberfirma lief es ähnlich - darunter berühmte Hallen wie die Radio City Music Hall oder das Beacon Theatre.

«Ein Mann in einem Anzug hat mich angehalten und gefragt: Bist du Alexis Majano? Der Manager will mit dir sprechen», erzählte Anwalt Majano der «New York Post». Er habe sich ein Basketball-Spiel der New York Knicks anschauen gehen wollen, sei dann aber nicht in den Madison Square Garden hereingelassen worden. Dabei arbeite er zwar bei einer Anwaltsfirma, die an Prozessen im Zusammenhang mit dem Madison Square Garden beteiligt sei - er persönlich sei damit aber nicht beschäftigt. «Ich war sauer, wir hatten einen ganzen Abend geplant, der dann kaputtgemacht wurde. Das ist doch lächerlich.»

Mehr als 90 Anwaltsfirmen seien betroffen, hieß es von New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James. Nachdem zahlreiche Medien über den umstrittenen Einsatz der Software berichteten, schrieb sie einen Brief an die Betreiberfirma mit der Bitte um Antworten. Mit diesem Einsatz von Gesichtserkennungs-Software könne das Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen haben, hieß es.

Garden-Chef will nichts ändern

James Dolan aber polterte sofort zurück. Der Chef der Madison Square Garden Entertainment Corporation und Besitzer des Basketball-Teams der New York Knicks und des Eishockey-Teams der New York Rangers gilt als Maestro des Madison Square Garden, als autokratischer Milliardär, nicht zimperlich und extrem launisch. Er sehe keinen Grund, sein Vorgehen zu ändern, sagte Dolan in einem TV-Interview. «Das ist keine Diskriminierung, und wir geben da auch nicht nach. Der Garden muss sich verteidigen.»

Der Brief der Generalstaatsanwältin habe ihn «überhaupt nicht» eingeschüchtert, sagte Dolan weiter - und drohte sogar, er könne ja auch einfach keinen Alkohol mehr im Madison Square ausschenken, wenn er das wolle.

Zeichen des Erfolges

Der Madison Square Garden gehört zu den bedeutendsten Veranstaltungsorten der Welt - wer hier auf der Bühne vor ausverkauften Zuschauerrängen steht, der gilt als erfolgreich. Neben Musik, Comedy und Mode wird Sport wie Basketball, Eishockey, Tennis und Boxen geboten. 1971 fand hier der «Fight of the Century» zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier statt. Marilyn Monroe sang 1962 dem damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy das berühmt gewordene Geburtstagsständchen an dieser Stelle, und zweimal schon schaute ein Papst zur Messe vorbei: 1979 Johannes Paul II. und 2015 Franziskus.

Allein für die kommenden Wochen sind Konzerte von Stars wie Marc Anthony, Carrie Underwood und John Mayer im Madison Square Garden angekündigt, zudem zahlreiche Spiele der Knicks und Rangers. Wie es mit der Gesichtserkennungs-Software währenddessen weitergeht, darüber berät nun die New Yorker Justiz. Auch viele der vom Ausschluss betroffenen Anwaltsfirmen wehren sich in ihnen gut bekannter Manier - und klagen.

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