Teheran: USA haben keine iranische Drohne zerstört

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US-Marineschiff USS Boxer - © Foto: Petty Officer 2nd Class Jesse Mo/U.S. Navy/AP
Das US-Marineschiff USS Boxer soll sich in internationalen Gewässern befunden haben, als sich die Drohne angeblich näherte. (© Foto: Petty Officer 2nd Class Jesse Mo/U.S. Navy/AP)

Washington/Teheran - Der Iran hat Angaben von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, wonach eine iranische Drohne in der Straße von Hormus von einem US-Kriegsschiff aus zerstört wurde.

Trump hatte am Donnerstag in Washington erklärt, die Drohne sei der «USS Boxer» bedrohlich nahe gekommen und daraufhin vernichtet worden. Teheran widersprach. «Wir haben weder in der Straße von Hormus noch anderswo eine Drohne verloren», schrieb Vizeaußenminister Abbas Araghchi am Freitag auf Twitter. Er mutmaßte, die Amerikaner hätten aus Versehen eine eigene Drohne abgeschossen.

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Die «Boxer» kann Hubschrauber und Senkrechtstarter tragen und ist für die amphibische Kriegsführung konzipiert. Trump hatte am Donnerstag im Weißen Haus erklärt, die Drohne habe die Sicherheit des Schiffes gefährdet. Mehrere Aufforderungen, die Drohne zurückzuziehen, seien ignoriert worden. Sie sei daraufhin sofort zerstört worden.

«Es ist die jüngste von vielen provozierenden und feindlichen Aktionen des Irans gegen Schiffe, die in internationalen Gewässern operieren», sagte Trump. Die USA behielten sich das Recht vor, ihre Interessen, Einrichtungen und Mitarbeiter zu verteidigen. Trump forderte andere Länder auf, Irans Vorgehen zu verurteilen. Von scharfen Drohungen an die Adresse Teherans sah er aber ab.

Aus dem Pentagon hieß es, das Schiff habe sich in internationalen Gewässern befunden, als sich die Drohne am Donnerstag gegen 10 Uhr Ortszeit genähert habe. Das US-Verteidigungsministerium wollte sich nicht dazu äußern, wie die Drohne zerstört worden sei - ob sie abgeschossen oder durch Störsender unbrauchbar gemacht wurde. Auch Angaben dazu, ob sie bewaffnet war, gab es nicht.

Teheran dementierte die US-Darstellung auf mehreren Kanälen. Ein Sprecher der iranischen Streitkräfte erklärte am Freitag laut Nachrichtenagentur Tasnim: «Im Gegensatz zu Trumps Behauptung sind alle iranischen Drohnen nach ihren Einsätzen im Persischen Golf wieder heil in die Militärbasen zurückgekehrt.»

Der Einsatz iranischer Drohnen dort erfolge im Einklang mit internationalen Vorschriften. Trump versuche ein weiteres Mal, den Persischen Golf als instabile Region darzustellen. Die Revolutionsgarden erklärten auf ihrem Webportal, sie würden «demnächst der Weltöffentlichkeit auch beweisen, dass Trumps Behauptung eine Lüge war».

In den vergangenen Wochen war es zu mehreren Zwischenfällen in dem Seegebiet gekommen - und immer gab es unterschiedliche Angaben von den Beteiligten zu den Geschehnissen. Vor knapp einem Monat etwa hatten die iranischen Revolutionsgarden eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen, weil sie angeblich den iranischen Luftraum im Persischen Golf verletzt hatte.

Die US-Regierung gab an, dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Daraufhin spitzte sich der Konflikt gefährlich zu. Die USA bereiteten einen Gegenschlag vor, den Trump nach eigenen Worten kurz vorher stoppte.

Auch in den vergangenen Tagen hatte es Vorfälle gegeben. Zuletzt setzte der Iran nach eigenen Angaben einen ausländischen Öltanker mit geschmuggeltem Erdöl im Persischen Golf fest und nahm die Besatzung fest. Es soll sich um die «Riah» handeln, deren Signal am vergangenen Wochenende plötzlich vor der iranischen Küste erloschen war.

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Im vergangenen Jahr hatte Irans Präsident Hassan Ruhani mit einer Blockade der Route gedroht. Die USA werben international um Unterstützung für einen militärischen Schutz der Seeroute. Demnach soll es vor allem um eine bessere Überwachung der Straße von Hormus gehen.

Hinter den Spannungen zwischen den USA und dem Iran steht auch der Atomstreit beider Länder. Die Amerikaner werfen der iranischen Führung vor, Atomwaffen bauen zu wollen. Teheran bestreitet das.

Die USA waren 2018 im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden sollte. Die Amerikaner setzen Teheran mit Wirtschaftssanktionen unter starken Druck, um ein strengeres und auf andere Gebiete erweitertes Abkommen auszuhandeln. Der Iran widersteht dem Druck bisher.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich besorgt über die Spannungen zwischen beiden Ländern. Sie forderte am Freitag in Berlin, nach diplomatischen Lösungen zu suchen. Die Kanzlerin erinnerte daran, dass zunächst die USA das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt haben, die EU, China und Russland dies aber nicht getan hätten. Sie mahnte: «Ich halte es für sinnvoll, wenn Iran diese Verpflichtung aus dem Abkommen einhalten würde, denn es sind ja nicht alle Vertragsparteien weggegangen.»

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