Evangelische Kirchentag hat begonnen

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Blick auf die Bühne beim Eröffnungsgottesdienst des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags am Hauptmarkt. - © Daniel Karmann/dpa
Blick auf die Bühne beim Eröffnungsgottesdienst des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags am Hauptmarkt. (© Daniel Karmann/dpa)

Mit einem Gottesdienst hat in Nürnberg der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag begonnen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief in seiner Rede zum Zusammenhalt auf, um der Klimakrise zu begegnen. Es sei die Frage, wie es gelinge, schnell zu handeln und möglichst viele Menschen mitzunehmen, sagte er am Mittwoch nach dem Eröffnungsgottesdienst. Das gelinge nur gemeinsam.

«Ich verstehe die Ungeduld, ja die Verzweiflung vieler junger Menschen beim Klimaschutz, denn ihre Zukunft steht auf dem Spiel. Aber wir müssen Wege finden, die alle gemeinsam gehen können. Und wir müssen dafür sorgen, dass auch die Schwächeren etwas zu gewinnen haben.»

Der eine müsse des anderen Last mittragen. Solidarität habe Deutschland immer stark gemacht. Dazu seien Christinnen und Christen wichtig: «Den Gesprächsort Kirche brauchen wir jetzt und auch in Zukunft sehr dringend.»

Bedford-Strohm: Ziele radikal verändern

In Nürnberg treffen sich ab heute zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag wieder Zehntausende Menschen. - © Daniel Karmann/dpa
In Nürnberg treffen sich ab heute zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag wieder Zehntausende Menschen. (© Daniel Karmann/dpa)

Zuvor hatte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt erklärt, die Gesellschaft müsse ihre Ziele radikal verändern: «Wir werden unser Glück nicht mehr am Wachstum des materiellen Wohlstands festmachen, sondern am Wachstum des Beziehungswohlstands. Wir werden unsere Freiheit nicht mehr danach beurteilen, wie hoch der Tachometer gehen darf, sondern dass wir uns schöpfungskonform fortbewegen.»

Fahnen wehen vor dem Messezentrum in Nürnberg, wo heute der 38. Evangelische Kirchentag beginnt. - © Daniel Karmann/dpa
Fahnen wehen vor dem Messezentrum in Nürnberg, wo heute der 38. Evangelische Kirchentag beginnt. (© Daniel Karmann/dpa)

Rund 20.000 Menschen waren nach Schätzungen der Kirchentags-Organisatoren zu dem Gottesdienst gekommen. Ein weiterer Eröffnungsgottesdienst wurde auf dem Kornmarkt gefeiert, dazu versammelten sich 10.000 Menschen.

«Ja, wir wollen unser Leben neu ausrichten, ab jetzt. Wir wollen nicht gegeneinander leben auf der Welt, sondern miteinander. Und wir wollen hoffen», sagte Bedford-Strohm weiter. Der Klimawandel zwinge jetzt zum Umdenken - und zum Kämpfen. «Kämpft mit für unsere Kinder. Sie sollen klares Wasser trinken, sie sollen sich an Schmetterlingen freuen.» Mit dem Gottesdienst begann das mehrtägige Glaubenstreffen offiziell. «Der Kirchentag ist eröffnet», sagte Kirchentagspräsident Thomas de Maizière unter dem Applaus der Gottesdienstbesucher.

Auch Krieg in der Ukraine Thema

Steinmeier sprach auch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine an und verteidigte die Lieferung von Waffen an die Ukraine: «Neben all den anderen Anstrengungen - es ist auch Zeit für Waffen.» Es müsse ein gerechter Friede sein. «Wenn die Ukraine ihre Verteidigung einstellt, ist das das Ende der Ukraine», bekräftigte er. Jedoch räumte er ein, dass der Krieg viele Christinnen und Christen in ein tiefes Dilemma stürze: «Wie ist es mit dem christlichen Friedensgebot vereinbar, wenn wir Waffen in ein Kriegsgebiet liefern?»

Auf der Pressekonferenz zum Start des Kirchentags hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Ablösung der Staatsleistungen für die Kirchen in Deutschland abgelehnt. «Ich bin gegen diese Pläne», sagte er. Er sei dagegen, die Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verbannen.

Das Geld ist eine staatliche Gegenleistung für die Enteignung deutscher Kirchen und Klöster Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Säkularisierung. Außer Hamburg und Bremen zahlen deshalb alle Bundesländer eine jährliche Summe an die katholische und die evangelische Kirche. Zuletzt waren es insgesamt rund 550 Millionen Euro pro Jahr.

Im Vorfeld hatte es Kritik daran gegeben, dass der Kirchentag, für den nach Angaben der Veranstalter bis zum Beginn rund 60 000 Tickets verkauft worden waren, auch aus öffentlichem Geld finanziert wird.

Nach Angaben von Kirchentags-Geschäftsführer Stephan Menzel verfügt der Kirchentag über einen Haushalt von 20,5 Millionen Euro für zwei Jahre. Darin enthalten sind neben 5,6 Millionen Euro von der bayerischen Landeskirche auch 5,5 Millionen Euro vom Freistaat Bayern und 3 Millionen Euro von der Stadt Nürnberg. Dazu können noch bis zu eine Million Euro an Sachleistungen kommen.

Rund 2000 Veranstaltungen sind im Rahmen des Kirchentags geplant - vor allem in Nürnberg, aber auch in der Nachbarstadt Fürth. «Jetzt ist die Zeit», lautet die Losung des großen Glaubenstreffens, sie stammt aus dem Evangelium nach Markus.

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