Eine Rietbergerin in der Traumfabrik Hollywood

Schauspielerin Jessica Franz arbeitet auch als Produzentin und Autorin

MIRIAM SCHARLIBBE

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Xander Mozejewski war ein erfolgreicher Skater. Aber nach einem Motorradunfall sitzt er im Rollstuhl. Seine Lebensfreude allerdings ist ungebrochen. Er inspirierte Jessica Franz zu einer neuen Lebenseinstellung und der Idee für den Film "Chew". - © FOTO: JESSICA FRANZ
Xander Mozejewski war ein erfolgreicher Skater. Aber nach einem Motorradunfall sitzt er im Rollstuhl. Seine Lebensfreude allerdings ist ungebrochen. Er inspirierte Jessica Franz zu einer neuen Lebenseinstellung und der Idee für den Film "Chew". (© FOTO: JESSICA FRANZ)

Rietberg/Los Angeles. Viele große Träume, die in kleinen Städten entstehen, bleiben Träume. Nicht so für Jessica Franz. Die 36-Jährige schaffte es als Schauspielerin von Rietberg-Bokel im Kreis Gütersloh bis nach Hollywood. In den USA dreht sie jetzt ihren ersten eigenen Kurzfilm. Passenderweise handelt auch dieser in gewisser Weise von der Macht der Träume.

Vor sechs Jahren wagte Jessica Franz den Sprung über den großen Teich. Seitdem hat sich ihr Leben stark verändert. Franz hat in den USA ihren Mann kennengelernt und ihre eigene Produktionsfirma "Triple Threat Pictures" gegründet. Mit ihrem Team drehte sie mehrfach preisgekrönte Werbespots und Musikvideos. Los Angeles ist die neue Heimat der Rietbergerin geworden. "Es ist zwar ein Klischee, aber die Dimensionen sind hier schon ganz anders", sagt Franz. "Alles ist größer, dramatischer, impulsiver, und alles ist möglich. Diese neue Lebenseinstellung habe ich definitiv übernommen."

Derzeit steckt Franz alle Energie darein, ihren ersten 25-minütigen Kurzfilm mit dem Titel "Chew" möglich zu machen. Der Film ist eine Herzensangelegenheit für die Rietbergerin, weil er stark autobiographische Züge hat.

Sposnorensuche bis zum 17. Oktober

Nicht nur die Idee und die Umsetzung für den Film stammen von Jessica Franz, auch die Finanzierung ist Eigenleistung – zumindest die Organisation des Geldes. Noch bis zum 17. Oktober ist Jessica Franz in einem Kickstarter-Eintrag zu finden, ähnlich dem deutschen Crowdfunding-System. Künstler stellen ihre Projekte im Internet vor und hoffen auf Sponsoren. Das Ziel der Rietbergerin: 25.000 Dollar zu sammeln - das Minimum, das zur Realisierung des Films benötigt wird. Mehr als die Hälfte ist inzwischen durch Spenden bereitgestellt worden. Rund 10.000 Dollar fehlen aber noch. Ein paar Tage Zeit bleiben potenziellen Unterstützern, um sich an dem Projekt zu beteiligen. Das Geld soll für die teure Dreherlaubnis, Kameras, Lampen, Verpflegung, Steuern, Schnitt und Werbung verwendet werden.

"Chew" hat viele Parallelen zu dem Leben der Rietbergerin, deren Vater 2009 an Krebs verstarb. Die Hauptfigur "Chew" heißt so, weil sie unablässlich Kaugummi kaut. Die Frau ereilt das gleiche Schicksal wie Jessica Franz. "Mein Vater war eine stabile und verlässliche Kraft in meinem Leben", sagt Franz. "Als die wegbrach, kam es mir so vor als ob ich allein dastünde. Chew geht durch dieselbe Entwicklung, verfällt allerdings in selbstzerstörerische Maßnahmen, die ich nie ergriffen habe."

Im Film lernt Lisa, alias Chew, einen Rollstuhlfahrer kennen, der ihr wieder Lebensmut macht - ebenfalls eine Vorlage aus dem Leben. Jessica Franz lernte in den USA in Xander Mozejewski einen jungen Mann kennen, der ihr neue Kraft gab. Er ist nach einem Motorradunfall querschnittgelähmt und steckt trotzdem voller Lebensfreude.

Im Film heißt der Rollstuhlfahrer Dan. Auch er und Chew brauchen einander, sowie Jessica und Xander. Am Ende des Films steht Jessica Franz persönliche Botschaft: Das Leben geht weiter, wenn man nur fest an seine Träume glaubt.

Der erste größere Sponsor in den USA hat sich bereits inspirieren lassen. Eine Rollstuhlfirma unterstützt den Film indem sie einen individuellen Rollstuhl für Xander gebaut hat, den er nach dem Dreh behalten kann. Jessica Franz ist sich sicher: "Ich glaube, dass mein Vater definitiv von irgendwoher zuschaut. Er hätte mein Projekt unterstützt."

Jessica Franz
Jessica Franz (36), Schauspielerin, Autorin und Produzentin, kommt aus Rietberg-Bokel.
Ihre ersten Schauspielerfahrungen machte sie bei den Theateraufführungen des Gymnasiums Nepomucenum. Später studierte sie an der Schauspielakademie Crearte in Stuttgart.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie durch einen Werbespot für eine Fast-Food-Kette bekannt, in der sie dem Fußballer Michael Ballack das Essen servierte.
Franz spielte in mehreren erfolgreichen Filmen mit, unter anderem einer Pilcher-Verfilmung im ZDF und dem Oscar prämierten Film "The Social Network".

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