Wilhelm Schäfer ist neuer Präsident der Universität Paderborn

Das OWL-Porträt: Hüter von Forschung und Lehre

Hans-Hermann Igges

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Lenkt die Geschicke der Uni Paderborn: Der neue Präsident Wilhelm Schäfer. - © Frauke Döll
Lenkt die Geschicke der Uni Paderborn: Der neue Präsident Wilhelm Schäfer. (© Frauke Döll)

Paderborn. Fast zwölf Jahre dauerte die Ära von Nikolaus Risch an der Spitze der Universität Paderborn. Eine Zeit, in der sich die 1972 als Gesamthochschule gegründete Institution kräftig entwickelt hat. Für die nächsten sechs Jahre heißt der Uni-Präsident Wilhelm Schäfer (60). Seit gut zwei Wochen ist er im Amt. Wohin wird er die Hochschule steuern, die gerade die Marke von 20.000 Studierenden überschritten hat?

Wie Gerhard Sagerer, Rektor der Uni Bielefeld, ist Wilhelm Schäfer Informatiker. Beide kennen sich beruflich seit 20 Jahren, hatten sogar zum Teil dieselben Hochschullehrer. „Wir haben viele Gemeinsamkeiten“, sagt Wilhelm Schäfer. Eine Nähe, die der Region zugutekommen sollte – und im Technologienetzwerk „It’s OWL“ auch schon nützt.

Der Mann vom Fraunhofer

Noch ist der Neue in Paderborn nicht komplett umgezogen ins Büro seines Vorgängers auf dem Campus am südlichen Stadtrand. Noch hat er am traditionellen Standort der Informatiker, an der Fürstenallee im Westen, als scheidender Lehrstuhlinhaber und Mitglied der Leitung in der Fraunhofer Projektgruppe „Entwurfstechnik Mechatronik“ regelmäßig zu tun. Bis im Frühherbst die Nachfolge endgültig geregelt sein soll. Zudem ist Schäfer noch Geschäftsführer des Forschungs- und Entwicklungsclusters „Zukunftsmeile Paderborn“. Auch diesen Job will er bis zum Herbst übergeben haben.

Gerade haben sich Fraunhofer-Gutachter angesagt. Von ihrem Urteil – und einer Finanzierung durch das Land – hängt ab, ob in Paderborn im Herbst ein selbstständiges Fraunhofer-Institut eingerichtet wird. „Das wäre die erste außeruniversitäre Forschungseinrichtung in der Region“, umreißt Wilhelm Schäfer die Bedeutung.

Bereits jetzt erzielen die 70 wissenschaftlichen Mitarbeiter einen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro; der Geschäftsplan sieht in fünf Jahren zehn Millionen Euro mit dann 120 Wissenschaftlern vor. Pläne für einen eigenen Institutsbau liegen längst in der Schublade.

Lieblingsfußballer vom 1. FC Köln

Im alten Büro hat der neue Präsident Anspielungen auf seinen Namen immer um sich: Auf dem weißen Schreibtisch stehen in einer Ecke kleine Figuren – ein Schäfer, der Hund und ein paar Schafe, und an der Tür hängt ein DIN-A4-Blatt mit dem Emblem seiner Lieblingsfußballer vom 1. FC Köln, allerdings mit einem Schäfer statt des Doms und handsigniert vom Team als „FG Schäfer“, wobei „FG“ für Forschungsgemeinschaft steht.

Wilhem Schäfer, der neue Hüter der Universität Paderborn, versteht sich als Team-Player, wenn er sagt: „Es reizt mich als Herausforderung zum Ende meines Berufslebens, gerade in einem Team junger Kollegen im Präsidium die Universität voranzubringen.“ In der Ära seines Vorgängers war er selbst in dessen Team, zuletzt als Vizepräsident für Forschung und Lehre, seine Lehrzeit in Sachen Hochschulmanagement sozusagen.

Mehr Master, mehr Forschung

Mit dieser Vorgeschichte als Mit-Bestimmer der Geschicke der Universität Paderborn liegt ihm nun nicht an abrupten Kursänderungen, sondern an gezieltem Kurshalten, auch durch eine, wie Wilhelm Schäfer es in der Sprache der Betriebswirtschaftler formuliert, „Erweiterung des Portfolios der Universität“. Gemeint sind damit akademische Weiterbildungsangebote für die Wirtschaft.

Gemeint sind damit aber auch weitere Masterstudiengänge, die zusätzlich für Studenten von außerhalb der Region und aus dem Ausland attraktiv sein sollen – allein schon, um der demografischen Entwicklung - also dem Schwund an potenziellen Studienbewerbern durch zurückgehende Schülerzahlen - entgegenzuwirken.

Weiter gemeint ist Forschungsförderung. Denn davon ist Schäfer überzeugt: „Master-Angebote ohne entsprechende Forschung werden nicht angenommen.“

Zur Person



  • Der gebürtige Kettwiger studierte an der Universität Dortmund.



  • 1986 promovierte er an der Universität Osnabrück im Bereich Softwaretechnik/ Softwarewerkzeuge.
  • 1986/1987 Assistenzprofessur an der McGill-Universität in Montreal.
  • 1987 bis 1990 Aufbau und Leitung der Forschungs- und
    Entwicklungsabteilung der STZ Gesellschaft für Softwaretechnologie mbH
    in Dortmund.
  • 1991 bis 1994 Professor für Praktische Informatik (Softwaretechnik) an der Universität Dortmund.
  • Seit 1994 Professor für Softwaretechnik an der Universität Paderborn.
  • Bis 2014 Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

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