Freispruch für Piloten nach Flugzeugabsturz in Höxter

Prozessabschluss vor dem Höxteraner Amtsgericht

Manuela Puls

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In Trümmern: Die Piper PA 32 Lance nach dem Absturz im Wald im Oktober 2012 - sechs Menschen wurden dabei schwer verletzt. - © Mischer
In Trümmern: Die Piper PA 32 Lance nach dem Absturz im Wald im Oktober 2012 - sechs Menschen wurden dabei schwer verletzt. (© Mischer)
Erfolgreich vor Gericht: Der Angeklagte (links) und sein Verteidiger Rainer Frank aus Hamburg. - © Pförtner
Erfolgreich vor Gericht: Der Angeklagte (links) und sein Verteidiger Rainer Frank aus Hamburg. (© Pförtner)

Höxter. Mit einem Freispruch für den Piloten ist am Höxteraner Amtsgericht der Prozess um den Flugzeugabsturz vor zweieinhalb Jahren in Höxter-Brenkhausen zu Ende gegangen. Richterin Christina Brüning blieb angesichts zweier völlig gegensätzlicher Gutachten offenbar keine andere Wahl. Der eine Sachverständige vermutete einen technischen Defekt, einen plötzlichen Leistungsabfall des Motors. Der andere Sachverständige sprach dagegen von einem Versagen des Piloten.

Im Oktober 2012 war die Piper am Räuschenberg direkt nach dem Start in den Wald gestürzt. Sechs Menschen wurden dabei schwer verletzt - einige werden ihr Leben lang an den Folgen leiden.

"Für mich ist nicht klargeworden, was genau die Absturzursache war und was der Angeklagte falsch gemacht haben soll", so Brüning in der Urteilsbegründung. Angesichts dieser Zweifel komme nur ein Freispruch in Betracht. Ob Rechtsmittel eingelegt werden, blieb am Abend noch offen.

Staatsanwalt Gerwald Hartmann hatte zuvor eine neunmonatige Bewährungsstrafe und 200 Sozialstunden gefordert, die Nebenklage sogar ein Jahr auf Bewährung. Die Anklage hatte dem Piloten Ralf P. (Name geändert) fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Das Flugzeug sei gewichtsmäßig völlig ausgereizt gewesen. Der Angeklagte habe überhaupt nicht darauf geachtet, wie viele und wie schwere Personen in die Maschine eingestiegen waren.

"Alles war okay"

Auch wenn die zulässige Höchstbeladung "gerade noch im Bereich des Zulässigen" gelegen habe, sei das fahrlässig gewesen. "Ein Pilot muss zuallererst auf Sicherheit achten", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Auch habe der Angeklagte es versäumt, den Start rechtzeitig abzubrechen. Fluglehrer Ralf P. hatte nach eigener Aussage aber nichts Auffälliges bemerkt: "Alles war okay - genau nach Handbuch." Er habe sich nichts vorzuwerfen.

Zuvor hatte Gutachter Dietmar Giese noch gesagt, die Piper sei "schwanzlastig" gewesen und hinten nicht hochgekommen. Der Start sei merkwürdig gewesen, das könne man im Video deutlich erkennen. "Das Flugzeug hing viel zu schräg in der Luft und berührte mit dem Heck fast den Boden", so der Experte. Augenscheinlich sei das Flugzeug doch überladen gewesen, auch wenn die objektiven Daten dagegen sprächen. "Der Pilot hätte einen Passagier weniger mitnehmen müssen", sagte Dietmar Giese. Besonders bei einer kurzen Start- und Landebahn wie der auf dem kleinen Flugplatz am Räuschenberg.

Rechtsanwalt Sebastian Otten (er vertritt eines der fünf Höxteraner Absturzopfer) warf dem Angeklagten Unerfahrenheit auf der Piper und sein - so wörtlich - "selbstgerechtes Auftreten" vor: "Es gab nie ein Wort der Entschuldigung von ihm", so Otten weiter.

Fragen auf dem OP-Tisch

Auch sein Kollege sprach von "Selbstüberschätzung" und von "Verantwortungslosigkeit": Der Angeklagte selbst beteuerte daraufhin, es tue ihm wirklich leid: "Auf dem OP-Tisch fragte ich mich, wie es den anderen geht." Sein Verteidiger Rainer Frank aus Hamburg sagte, man könne einen Motordefekt nicht ausschließen, auch wenn die Piper erst kurz zuvor gewartet worden war.

In der Verhandlung ging es auch um die Frage, ob für die von der Schützengilde verlosten Freiflüge Geld fließen sollte - 400 Euro standen im Raum. Doch in diesem Punkt widersprachen sich die Zeugenaussagen völlig. Wenn der Pilot sich die Rundflüge bezahlen lassen wollte, wäre das gewerbliche Passagierbeförderung. Ralf P. hat aber nur eine Privatlizenz. "Ob das luftverkehrsrechtlich zu Konsequenzen führt, haben andere Stellen zu entscheiden", sagte Staatsanwalt Hartmann.

Absturz-Opfer Wolfgang Demmert nannte den Freispruch eine Farce: "Meine Wirbelsäule ist kaputt, meine Firma ist pleite, aber er hat alles richtig gemacht, ja uns sogar das Leben gerettet", sagte der Höxteraner nicht ohne Bitterkeit.

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