Rechtslastiger Lehrer entzweit Waldorf-Schule

Kontakte in die Szene inzwischen unbestritten

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Einem Lehrer der Waldorfschulen Minden werden Kontakte in die rechte Szene vorgeworfen.  - © dpa
Einem Lehrer der Waldorfschulen Minden werden Kontakte in die rechte Szene vorgeworfen.  (© dpa)

Minden. Unbestritten ist inzwischen, dass ein Lehrer der Mindener Waldorfschule sich über Jahrzehnte in extrem rechten Strukturen – nicht nur als Mitläufer – bewegt hat. Kollegium und Eltern ringen in zum Teil emotional geführten und aufgeheizten Diskussionen um eine Einordnung. Auch am Montag, nach einem Fachbericht der "Mobilen Beratung" gegen Rechtsextremismus aus Herford, ist die erhoffte Eindeutigkeit aus Sicht des Kollegiums nicht eingetreten.

„Wir haben heute das Gutachten der Beratungsstelle erhalten, das sehr umfangreich und sehr wissenschaftlich ist“, so der Sprecher der Schule. „Wir sind aber nicht wirklich weitergekommen.“ Die Kollegen meinen: Der betreffende Lehrer habe in der Tat über lange Zeit Kontakte zu rechten und rechts-nahen Organisationen gehabt. In seinem Alltagswirken an der Schule und bei privaten Kontakten sei eine entsprechende Einstellung jedoch nicht deutlich geworden, so die Kollegen.

"Extrem rechte Strukturen"

Das Fazit der Stellungnahme der Herforder Beratungsstelle ist eindeutiger: „Der Lehrer hat sich über Jahrzehnte ab Mitte der 90er Jahre bis Mitte 2000 in extrem rechten Strukturen und Netzwerken bewegt – nicht als Mitläufer, sondern Organisator“, so Frederic Clasmeier von der Beratungsstelle.

Unter anderem ist der Pädagoge auch Vorsitzender des Ahnenstättenvereins Conneforde. Nach Informationen der Redaktion hat er bisher keine Schritte unternommen, um dieses umstrittene Engagement zu beenden. Der Friedhof Conneforde im Landkreis Ammerland (Niedersachsen) ist eine beliebte Adresse bei Rechtsradikalen, weil hier mehrere Alt-Nazis begraben sind, darunter Hans Hertel, SS-Mann späterer Landtagsabgeordneter der rechtsextremen Deutschen Reichspartei, oder Gertrud Herr, frühere Führerin im Bund Deutscher Mädel. Einen Gedenkstein hat hier auch Wilhelm Tietjen, NSDAP-Mitglied und Namensgeber der rechtsradikalen Wilhelm-Tietjen-Stiftung.

Information schon im Mai

Immerhin hatte die Mindener Schule schon im Mai den Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen darüber informiert, dass es Hinweise auf die Verbindungen eines Lehrers in das rechtsextreme Milieu gebe. Der Vorstand hatte die Schule daraufhin aufgefordert, den Lehrer zu entlassen.

Das Kollegium der Mindener Waldorfschule traf gestern noch keine Entscheidung. Jetzt soll noch vor den Ferien ein Beschluss zum weiteren Vorgehen gefasst werden – gemeinsam mit den Eltern, und unter Moderation der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus.

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