Jenisa-Prozess: Lebenslange Haft für Angeklagten Ibrahim B.

Landgericht Hannover lehnt Schadensersatz für Nebenkläger ab

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Auch im Fall Jenisa angeklagt: Ibrahim B. wurde dafür verurteilt, den fünfjährigen Dano aus Herford getötet zu haben. - © dpa
Auch im Fall Jenisa angeklagt: Ibrahim B. wurde dafür verurteilt, den fünfjährigen Dano aus Herford getötet zu haben. (© dpa)

Hannover/Herford. Das Landgericht Hannover hat den Angeklagten im Mordfall Jenisa zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht befand den 44-Jährigen am Donnerstag für schuldig, die achtjährige Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin 2007 ermordet zu haben. Vergewaltigt haben soll er sie allerdings nicht. Dafür fanden die Richter nicht genug Hinweise.

Dem Angeklagten drohen nun 30 Jahre Haft - 15 Jahre für den Mord an Dano und anschließend weitere 15 für den Mord an Jenisa - sollte das Urteil rechtskräftig werden. Erst dann könne geprüft werden, ob eine eventuelle Sicherungsverwahrung diskutiert werden. Die wurde nun nicht verhängt, weil der Bundesgerichtshof diese 2011 für verfassungswidrig erklärt hat. Die Verteidigerin des Angeklagten kündigte an, "in jedem Fall Rechtsmittel einlegen" zu wollen.

Das Gericht entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Nebenklage hatte zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung gefordert.

Die Verteidigerin hatte mangels zwingender Beweise einen Freispruch oder eine Einstellung des Prozesses verlangt. Im vergangenen Jahr wurde der Angeklagte bereits für den Mord an dem fünfjährigen Dano in Herford verurteilt.

Die Bielefelder Verteidigerin Christina Peterhanwahr hatte erklärt, dass das Verfahren nie hätte eröffnet werden dürfen, weil es keine neuen Indizien gebe, die Ibrahim B. belasten. Zudem habe das Gericht nicht belegen können, dass B. der Mörder von Jenisa ist und wie die Achtjährige ums Leben gekommen ist.

Zuvor hatte sie beantragt, zwei niedersächsische LKA-Beamte aussagen zu lassen und forderte zusätzlich ein Sachverständigengutachten. Sie hatte betont, dass keine Samenspuren des Angeklagten gefunden worden seien - weder an seinem Auto, an der Kleidung oder an der Leiche des 2007 getöteten siebenjährigen Mädchens.

Am Morgen hatte ein Polizist ausgesagt, der bei der Suche und dem Auffinden der Leiche im September 2014 beteiligt war. Er führte aus, dass Leichenspürhunde nicht hätten anschlagen können, da die Körperreste tief vergraben waren und erst mit Hilfe eines Baggers geborgen werden konnten. Nur so hätten die Ermittler dann noch Knochen finden können.

Den genauen Ort, so der Polizist, hätten die Ermittler dank eines Mitgefangenen von Ibrahim B. herausbekommen, der sich im Gefängnis das Vertrauen des Mörders des fünfjährigen Dano aus Herford erschlichen hatte.

Der Angeklagte Ibrahim B. nimmt die Vorgänge des Prozesses weitgehend teilnahmslos und mit geschlossenen Augen wahr. Während der Zeugenvernehmung des Polizisten betrat - ein wenig verspätet - auch die Familie der getöteten Jenisa den Gerichtssaal.

Eine andere Entscheidung war heute durch das Gericht bereits getroffen worden. Die beiden Nebenkläger aus Jenisas Familie können keinen Anspruch auf Schadensersatz geltend machen. Ihnen wird durch den Verlust des Mädchen ein Schock bestätigt, doch hätten die Anwälte nicht hinreichend erklärt, dass weitere Schäden für die Gesundheit entstanden seien.

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