Steuervorteile für Flüchtlingshelfer

Erlass: Das Bundesfinanzministerium hat Sonderregeln für ehrenamtliche Helfer aufgestellt

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer (© Symbolfoto: dpa)

Bielefeld. Sie geben Sprachkurse, teilen Essen aus, trainieren mit Kindern, sortieren Kleidung und helfen bei Hausaufgaben. Das Engagement für Flüchtlinge ist gewaltig und vielfältig. Allein in OWL engagieren sich täglich viele Tausend Menschen ehrenamtlich für Asylbewerber und unterstützen so staatliche Institutionen bei ihren Aufgaben. Um das Engagement weiter zu fördern, hat das Bundesfinanzministerium steuerliche Sonderregeln für Flüchtlingshelfer erlassen.

Geldspenden

Information
Unternehmen helfen mit

  • Das NRW-Innenministerium ehrt Arbeitgeber, die sich besonders bei der Freistellung und Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern im Katastrophenschutz engagieren.

  • Innenminister Ralf Jäger verleiht die Förderplakette am Donnerstag an zehn Unternehmen.

  • Unter den Preisträgern sind auch zwei Unternehmen aus OWL. Es sind die Tischlerei Steinkämper in Rietberg im Kreis Gütersloh und die Werbeagentur Project Partner Kleeschulte in Büren im Kreis Paderborn.

Rückwirkend zum 1. August 2015 ist ein vereinfachter Spendennachweis in Kraft getreten, der zunächst bis Ende 2016 gilt. Um eine Geldspende in der Steuererklärung abzusetzen, reicht ein Bareinzahlungsbeleg, ein Kontoauszug oder ein Ausdruck beim Online-Banking aus. Bislang konnten Geldspenden über 200 Euro nur dann steuerlich abgesetzt werden, wenn der Empfänger die Zahlung mit einer Quittung bestätigt hatte.

"Die Hilfe für Flüchtlinge wird durch den Erlass des Bundesfinanzministeriums steuerlich mit Spenden im Katastrophenfall gleichgestellt", erklärt die Sprecherin des Lohnsteuerhilfevereins, Wibke Heyn. Das sei vor allem für Wohlfahrtsverbände und Kommunen mit Sonderkonten für die Flüchtlingshilfe eine Entlastung, ergänzt Heyn.

Eine weitere Möglichkeit ist die Spende von Arbeitslohn. Arbeitnehmer können auf einen Teil ihres regulären Lohns verzichten, um aus dem unversteuerten Gehalt zu spenden. Leitet der Arbeitgeber monatlich fünf Prozent vom Bruttogehalt an eine Flüchtlingsorganisation weiter, zählt diese Summe nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.

Sachspenden

Spenden von Kleidung oder Spielzeug können als Sonderausgaben angesetzt werden. Wer Neuwaren spendet, kann sich die Zuwendung auf der Rechnung von einer Hilfsorganisation bestätigen lassen und sie in die Steuererklärung packen. Bei gebrauchter Ware muss zuerst der Marktwert geschätzt werden. Da das Bundesfinanzministerium keine pauschalen Beträge akzeptiert, muss der Spender eine Liste anlegen und alle Spenden mit Kaufdatum, Preis, Zustand und Marktwert führen und sich diese von der Hilfsorganisation bestätigen lassen. Der Spender kann den Gesamtwert dann wie bei Neuwaren als Sonderausgabe ansetzen.

Zeitspenden

Steuerliche Vorteile haben auch Ehrenamtler, die Zeit in die Flüchtlingshilfe investieren. Gefördert wird das Engagement allerdings nur, wenn ehrenamtliche Helfer schon vor ihrem Engagement schriftlich mit der Organisation, für die sie sich engagieren, eine konkrete Vergütung vereinbaren. Auf das Geld müssen die Helfer dann später verzichten. Für die sogenannte Vergütungsspende bekommen die Helfer von der Hilfsorganisation eine Zuwendungsbestätigung, die wiederum als Sonderausgabe geltend gemacht werden kann.

Für den OWL-Bezirksvorsitzende der FDP, Frank Schäffler, ist der Erlass als Dank für das Engagement der Flüchtlingshelfer nicht ausreichend. "Wenn es die vielen Flüchtlingshelfer nicht geben würde, müsste der Staat beispielsweise dafür sorgen, dass in Flüchtlingsunterkünften Essen ausgeteilt oder Sprachkurse gegeben werden und dafür Arbeitskräfte einstellen", sagt Schäffler. Deshalb fordert der Bünder, dass Flüchtlingshelfer auch Fahrtkosten und Verpflegung steuerlich geltend machen können. "Ähnlich wie bei Arbeitnehmern, die einen Mehraufwand haben." Das sei für das Bundesfinanzministerium ohne großen Aufwand leistbar, ergänzt Schäffler.

Doch auch die Ausweitung steuerlicher Vorteile würde nach Angaben der Hilfsorganisationen in OWL keine weiteren Anreize für Ehrenamtler in der Flüchtlingshilfe schaffen. "Geld spielt für Ehrenamtler nicht die entscheidende Rolle", sagt Johanniter-Sprecher Tobias Eilers. Viele Ehrenamtler seien nicht mal an einer Aufwandsentschädigung interessiert. Das bestätigt auch Henning Welslau vom Arbeiter-Samariter-Bund-OWL: "Eine sinnvolle Tätigkeit, ein tolles Team und Wertschätzung in der Organisation sind entscheidend."

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