PETA stellt Strafanzeige gegen Tönnies und Westfleisch

Kritik an CO2-Betäubung von Schweinen, die zu qualvollen Erstickungsängsten führe

Andrea Frühauf

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ARCHIV - Schweine stehen am 21.02.2008 in einer Stallung auf einem Hof in Havixbeck (Nordrhein-Westfalen). Rund jedes vierte Schwein in Deutschland wird in Nordrhein-Westfalen gehalten. Den letzten Statistiken zufolge sind das insgesamt 7,4 Millionen Tiere. - © picture alliance / dpa
ARCHIV - Schweine stehen am 21.02.2008 in einer Stallung auf einem Hof in Havixbeck (Nordrhein-Westfalen). Rund jedes vierte Schwein in Deutschland wird in Nordrhein-Westfalen gehalten. Den letzten Statistiken zufolge sind das insgesamt 7,4 Millionen Tiere. (© picture alliance / dpa)

Rheda-Wiedenbrück. Die Tierrechtsorganisation Peta hat Strafanzeige gegen 25 Schlachthöfe in neun Bundesländern erstattet. Betroffen sind laut Peta in NRW neben dem Schlachthof Tummel in Schöppingen und der Ahlener Fleischhandel GmbH auch Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sowie die beiden Schlachtbetriebe von Westfleisch in Coesfeld und Erkenschwick.

Grund für die Anzeige ist die nach Ansicht von Peta tierschutzwidrige Betäubung der Schweine mit Kohlenstoffdioxid vor der Schlachtung, wie die Organisation in Stuttgart mitteilte. Trotz Betäubung litten die Tiere unter unermesslichen Qualen, weil das Gas erst zeitverzögert wirke. „In der Gasgrube verbringen die Tiere die letzten Sekunden ihres Lebens in Todesangst."

In Deutschland würden in der Fleischindustrie jährlich 60 Millionen Schweine getötet, knapp 40 Millionen davon würden zuvor mit CO2 betäubt. „Für viele Schweine stellt diese Methode eine wahre Tortur dar: In der Betäubungsanlage erleiden sie Erstickungsängste und geraten in Panik. Die sensiblen Tiere schreien ohrenbetäubend, hyperventilieren, recken die Köpfe hoch, springen und trampeln wild übereinander, um dem reizenden Gas zu entkommen", so die Kritik.

Entgegen der Annahme vieler Verbraucher schliefen die Schweine bei der preiswerten Gasbetäubung nicht einfach friedlich ein, weil die narkotisierende Wirkung des Gases erst zeitverzögert einsetze. Die Schnelltaktung der Schlachtabläufe führe nicht selten dazu, dass die Tiere ihr Bewusstsein wiedererlangten.

Die Firma Tönnies wies die Vorwürfe zurück. Es liege auch noch keine Anzeige vor. Konzernsprecher Markus Eicher betonte: Die Tönnies-Forschung habe die Methode weiterentwickelt und verwende eine höhere, schneller wirkende Gaskonzentration als gesetzlich vorgeschrieben. Diese Einschätzung teilten führende Institute. Zudem erhielten die Tiere im Stall Musik und Farblicht zur Entspannung.

„Trotzdem leiden die Schweine einige Sekunden, bis sie betäubt sind", sagt Peta-Sprecherin Sophie Nouvertné. „Es bedarf einiger Atemzüge, bis das Gas wirkt. Das mindert das Leid nicht." Teilweise führen bis zu acht Tiere in der Gondel in die Grube. Sie röchen das Gas, ehe sie unten seien. „Auch Biofleisch kommt von Tieren, die im Schlachthof landen."

Kommentar zu den Vorwürfen von Tierschützern von Andrea Frühauf

Sollte der Vorwurf von Deutschlands größter Tierrechtsorganisation Peta stimmen, dann ist es eine Schweinerei. Ein Prozent der Tiere, sprich rund 400.000 Schweine pro Jahr, sind trotz vorheriger Betäubung wieder bei Bewusstsein, wenn sie in den Schlachthöfen in Akkordarbeit in das 60 Grad heiße Brühbad gezogen und dort verbrüht werden.

Diese Höllenqualen erleiden auch Tiere, deren Fleisch später als Biofleisch verkauft wird. Denn auch sie landen alle im Schlachthof, ehe sie zerlegt werden. Tiere mögen vielleicht keine Seele haben, wie mancher gerne behauptet. Aber Tiere haben mindestens Empfindungen, und sie erleben Schmerzen genauso wie Menschen, wie das qualvolle Schreien von Schweinen in Schlachthöfen zeigt.
Tiere sind keine Sachen, steht im Bürgerlichen Gesetzbuch. Sie sollten den Menschen wenigstens so viel Wert sein, dass sie artgerecht leben und ohne Schmerzen sterben dürfen.

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