Kleinflugzeug landet wegen Motorproblem auf der A2

Der Pilot setzt seine Propellermaschine fast butterweich auf dem Standstreifen auf – im Weg war dabei nur eine Sattelzugmaschine

Andreas Eickhoff

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Ungewöhnlicher Anblick: Bei der Landung berührte das Flugzeug einen entgegenkommenden Sattelzug Lastwagen und drehte sich, die Tragflächen und der Lkw wurden leicht beschädigt. Der Pilot und der Lkw-Fahrer blieben unverletzt. - © Andreas Eickhoff
Ungewöhnlicher Anblick: Bei der Landung berührte das Flugzeug einen entgegenkommenden Sattelzug Lastwagen und drehte sich, die Tragflächen und der Lkw wurden leicht beschädigt. Der Pilot und der Lkw-Fahrer blieben unverletzt. (© Andreas Eickhoff)

Herzebrock-Clarholz. „Mir schoss das Adrenalin plötzlich bis in die Haarspitzen." Der Beifahrer eines Lkw aus Berlin traute am Montagnachmittag seinen Augen nicht, als ihm auf der A2 plötzlich ein Kleinflugzeug entgegenkam. Der Pilot aus der Schweiz musste vermutlich wegen eines Motorschadens landen. Verletzt wurde niemand.

„Da haben wir richtig Glück gehabt", sagte Polizeieinsatzleiter Timo Landherr angesichts des starken Verkehrs auf der Ost-West-Verbindung. Der 67-jährige Pilot, der namentlich nicht genannt werden möchte, gab an, in einer Höhe von 3.500 Fuß plötzlich mit einem Leistungsverlust des Motors konfrontiert worden zu sein. „Ich hatte genügend Treibstoff und auch genug Öl", sagte der routinierte Flieger den Behörden. Die Autobahnpolizei Bielefeld hatte auch die zuständige Luftaufsichtsbehörde bei der Bezirksregierung Münster informiert.

Der Pilot wollte eigenen Angaben zufolge von Colmar (Frankreich) nach Nordhorn (Niedersachsen) fliegen und war bereits etwa zweieinhalb Stunden in der Luft. „Ich habe heute Vormittag schon mit diesem Flugzeug einen halbstündigen Flug absolviert – ohne Probleme", sagte der Schweizer. Als er bemerkte, dass die Motorleistung immer weiter zurückging, setzte er sich mit dem zuständigen Tower in Verbindung.

Der empfahl eine Landung auf dem Flugplatz in Oelde, doch selbst bis dahin schaffte es der Pilot nicht. Der Motor fiel plötzlich von 2.200 Umdrehungen auf Null, berichtete der Mann aus Basel. Er suchte nach einem möglichen Landeplatz, doch außer der Autobahn sah er keinen. Zunächst wollte er dann auf der Autobahn mit dem Verkehr in Fahrtrichtung Hannover landen, aufgrund eines Verkehrsschildes musste er dann aber auf die Richtungsfahrbahn Dortmund wechseln und dem fließenden Verkehr entgegen landen.

In Höhe des Parkplatzes Marburg setzte er zur Landung auf dem rechten Fahr- sowie dem Standstreifen an, berührte mit den Flügeln einige Sträucher. Der Lkw-Fahrer aus Berlin konnte auf der mittleren Fahrspur nicht mehr ausweichen und berührte mit seiner Stoßstange die rechte Flügelspitze des Kleinflugzeuges. Das drehte sich dann um die eigene Achse, der linke Flügel verkantete sich unter den Unterfahrschutz am Heck des Aufliegers.

Der Pilot und die beiden Lkw-Insassen blieben unverletzt, weitere Passagiere befanden sich nicht im Flugzeug. Das Flugzeug wurde an beiden Tragflächen leicht beschädigt. Die Zugmaschine des Sattelzugs wurde ebenfalls leicht beschädigt. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Morane-Saulnier Rallye.

Das Luftfahrtbundesamt sowie die Luftaufsichtsbehörde wurden von der zuständigen Autobahnpolizei Bielefeld informiert. Nachdem zunächst das weitere Vorgehen unter den Behörden abgestimmt wurde, konnte das Kleinflugzeug auf den Parkplatz Marburg geschoben werden. Zuvor war etwa eine Stunde lang der Verkehr über den linken Fahrstreifen an der Unfallstelle vorbei geleitet worden. Der Verkehr staute sich auf einer Länge von bis zu acht Kilometern. Später wurde das Flugzeug auf einen breiten Grünstreifen neben dem Parkplatz geschoben. Der zwischenzeitlich gesperrte Parkplatz konnte dann auch wieder geöffnet werden.

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