Umbau der Uni Bielefeld: Ein Ende ist nicht in Sicht

Andrea Rolfes

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Das Hauptgebäude der Universität Bielefeld wird derzeit komplett saniert. Das wird in sechs Bauabschnitten mindestens ein Jahrzehnt dauern. - © Andreas Zobe
Das Hauptgebäude der Universität Bielefeld wird derzeit komplett saniert. Das wird in sechs Bauabschnitten mindestens ein Jahrzehnt dauern. (© Andreas Zobe)

Bielefeld. Es ist das teuerste Bauprojekt, das es je in Bielefeld gab. Die Sanierung der Universität Bielefeld wird am Ende rund 750 Millionen Euro oder sogar mehr verschlingen. Wie hoch die Kosten am Ende tatsächlich sein werden und wie lange der Umbau sich ziehen wird, steht noch in den Sternen. Immer deutlicher wird, dass aktuell niemand absehen kann, wie die Arbeiten in den geplanten sechs Bauabschnitten vorankommen werden.

Am Freitag hieß es, die Fertigstellung des Baus werde sich um zehn Jahre verzögern. Fünf Tage später will diese Zeitverzögerung niemand mehr bestätigen. Weder der Bauherr, das ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, noch die Leitung der Universität Bielefeld. "Wir können derzeit keine belastbaren Angaben machen", sagt die Düsseldorfer BLB-Sprecherin Silke Schenk.

Das klingt für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Zumal Schenk auf Nachfrage dieser Zeitung auch nicht ausschließen will, dass der Bau noch länger dauern könnte. "Alles ist möglich. Es kann sein, dass die Planung noch komplett umgeworfen wird." Fest stehe derzeit nur, dass die Sanierung noch viele Jahre dauern wird. Das schließe eben auch nicht aus, dass eine solche Veränderung der Pläne positive Auswirkungen haben und die Sanierung schneller vorankommen könnte.

Merkwürdig erscheint, dass sowohl Universität als auch BLB in den vergangenen Jahren mehrfach Zeitpläne öffentlich genannt haben. Im August 2010 hatte ein Sprecher der Universät erstmals von einer Bauzeit von zwölf bis 15 Jahren gesprochen. Ende der Bauzeit wäre demnach 2025 gewesen. Im Juli 2016 hieß es dann, dass die Modernisierung schätzungsweise bis 2031 dauern werde. Ein Sprecher des BLB war damals die Quelle. Laut Schenk seien diese Angaben gemacht worden, um die Dimensionen des Bauvorhabens deutlich machen zu können. Sie seien aber inzwischen veraltet.

Defizite in der Steuerung der ersten Projektphase

Noch gibt es keine detaillierte Planungen über den ersten Bauabschnitt hinaus. Damit die Universität modernisiert werden kann, müssen zuerst Schadstoffe entfernt werden. Klar ist inzwischen, dass im ersten Bauabschnitt bereits abgeschlossene Arbeiten unzureichend durchgeführt worden sind und er deutlich später fertiggestellt sein wird als gedacht. Uni-Kanzler Stephan Becker: "In dieser Phase zeigten sich Defizite in der Projektsteuerung: Zeitpläne wurden nicht eingehalten und Kostenprognosen nach oben korrigiert."

Schenk macht deutlich, dass daraufhin die Geschäftsführung des BLB Düsseldorf, also die Betriebszentrale, Konsequenzen gezogen habe, "um Risiken zu minimieren und um ein Skandalprojekt zu verhindern". Die Düsseldorfer Geschäftsführung habe beschlossen, das Gesamtprojekt durch einen externen Gutachter untersuchen zu lassen. Die dann folgende Risikoprüfung sei im Einverständnis mit dem BLB Bielefeld erfolgt. Bei dieser sollten nach gut anderthalb Jahren Planung die Weichen frühzeitig noch einmal überprüft und - wo nötig - nachjustiert werden. Gestern teilte das Finanzministerium auf Anfrage mit, dass es diese Entscheidung begrüße.

Die Ergebnisse liegen seit April 2017 vor. Als erste Konsequenz hat die BLB-Zentrale in Düsseldorf die Verantwortung für das Projekt der BLB-Niederlassung Bielefeld entzogen und Dortmund übertragen.

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