Das Shopping-Center Loom ist seit 8 Uhr eröffnet

Stefan Schelp

  • 0
Hier erholt man sich vom Shoppen. - © Stefan Schelp
Hier erholt man sich vom Shoppen. (© Stefan Schelp)

Bielefeld. Ob sich Alexander Otto am Eröffnungstag auch ins Gewühl stürzt? „Na klar", sagt der ECE-Chef und wundert sich ein wenig über die Frage. Mittendrin im Getümmel wird er sein. „Ich will mich ja auch in den Läden umsehen." Am ehesten wird man ihn wohl in der Food-Meile, der „Loom-Kitchen" antreffen, denn die habe es ihm besonders angetan mit ihren Maßband- und Schnittmuster-Dekorationen, die den Bezug herstellen zum ehrwürdigen Textilstandort Bielefeld.

Am Donnerstag eröffnet nach zwei Jahren Bauzeit das neue Bielefelder Shopping-Center „Loom". Mit ECE-Chef Otto. Und mit Tausenden von Neugierigen. 135 Millionen sind in die 26.000 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Parkhaus geflossen. Während der zweijährigen Bauzeit habe er den Fortschritt von der Zentrale in Hamburg aus verfolgt, Materialien ausgesucht, andere verworfen. „Aber ein richtiges Gefühl dafür bekommt man doch erst, wenn man sieht, dass es funktioniert."

Information

Historie und Zahlen

  • Versandhauspionier Werner Otto (1909-2011) hat ECE im Jahr 1965 gegründet. Der jetzige Chef Alexander Otto (50) ist sein jüngster Sohn.

  • Mit 199 Einkaufszentren im Management und Aktivitäten in zwölf Ländern ist ECE nach eigenen Angaben europäischer Marktführer. Mehr als 4,3 Milliarden Kunden besuchen täglich die Center, die Mieter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 24 Milliarden Euro.

  • Zum erwarteten Loom-Umsatz macht ECE keine Angaben.

Und dass es funktioniert, daran hat der 50-jährige Hamburger keinen Zweifel. Es sei in diesen Jahren schwierig, die Frequenz in den Innenstädten hochzuhalten. Daher sei es schon etwas Besonderes, heute noch zu bauen. „Und dann muss man auch etwas Besonderes bauen." Und eben dies sei mit dem „Loom" gelungen, findet Otto.

Es gebe kaum noch wirkliche Neubauten, auch der Standort Bielefeld gilt nicht als Neubau, sondern als „Umbau" der City-Passage, die 1977 eröffnet worden war. Im Fachjargon nennen sie das ein „Refurbishment", zu deutsch eine Überholung oder Instandsetzung. Davon hat ECE derzeit rund 60 vor der Brust. Natürlich mache es Spaß, neue Projekte zu bauen. „Aber das Refurbishment ist mindestens genauso spannend."

Die ersten Planungen für ein ECE-Center in Bielefeld hatte es bereits vor rund 20 Jahren gegeben. Damals war Alexander Otto noch nicht selbst der Chef, sondern Teil der Projekt-Entwicklungsgruppe. Seinerzeit hatte die Stadt ein Areal in Bahnhofsnähe angepriesen. Heute sind alle Beteiligten froh, dass daraus nichts geworden sei.

Bielefeld sei eine der letzten großen Städte, die noch ohne Center gewesen seien. „Der ganz große Center-Boom ist abgeebbt", sagt Otto. Wirkliche Neubauten gibt es kaum noch, die Kriterien seien strenger geworden. Im stationären Handel gebe es nur noch wenig Wachstum, der Zuwachs entstehe im Online-Bereich. „Es ist Druck in der Branche", sagt Otto. Dennoch sei ECE im zweiten Quartal erfreulich gewachsen, stellt Otto schnell noch klar. Man habe es geschafft, den eigenen Marktanteil zu festigen.

Ohnehin sei die Digitalisierung kein Argument gegen Shopping-Center nach ECE-Prägung. Sondern ein Argument für eine bessere Vernetzung mit der digitalen Welt. Teile davon werden im „Loom" bereits umgesetzt. Ein Orientierungssystem, das den Kunden gewissermaßen mit auf den Weg nimmt zum Laden am anderen Ende des Centers gehört dazu. Ein intelligentes Parksystem mit der Möglichkeit, die Gebühr vom Konto abbuchen zu lassen, ist ein weiterer Baustein. Das Car-Finder-System für Menschen, die vergessen haben, wo ihr Auto steht, ist ein weiteres Angebot. Und dass es die Center-App gibt und kostenloses WLAN, versteht sich von selbst. Aber es geht noch mehr.

Pilot-Projekt des Digital-Mall-Projekts ist das Alstertal-Zentrum in Hamburg. Dort sollen die Kunden online die Ware sämtlicher Anbieter im Center recherchieren können, dann reservieren und schließlich abholen können.

Von 240 Händlern im Center sind bislang 20 dabei – es bleibt ein langer Weg. „Es wird sich eine Menge bewegen im Handel", sagt Otto. Und versichert: „Wir gehen mit Zuversicht voran."

Zeit, sich die Dinge noch einmal reiflich zu überlegen, bleibe nicht, mahnt er. „Man muss jetzt starten. Aber einige haben die Zeit verschlafen." Es gelte, das Gleichgewicht zu wahren zwischen dem Ausbau des Online-Geschäfts und der Pflege des Stammgeschäfts. „Das kriegen nicht alle hin."

 Wissenswertes

Am Donnerstag eröffnet das Shopping-Center Loom in der Bielefelder Innenstadt. Erwartet werden mindestens 60.000 Besucher – etwa so viele Menschen, wie Herford Einwohner hat. Langfristig rechnen die Manager mit 25.000 Besuchern täglich. Die wichtigsten Fakten:

DER WEG: Am besten zu Fuß – wenigstens das letzte Stück. Vom Hauptbahnhof sind es nur fünf Minuten, vom Jahnplatz nur drei. Natürlich geht es auch per Bus und Stadtbahn. Die nächste Haltestelle ist der Jahnplatz.

DER START: Los geht es am Donnerstag Morgen um 8 Uhr. Dann schneidet der Oberbürgermeister Pit Clausen das obligatorische Band durch. Ob er danach einkauft? Mal sehen.

DAS PARKHAUS: Wer partout mit dem Auto kommen will, gibt als Zieladresse „Zimmerstraße" ins Navi ein. Von dort aus ist das Parkhaus mit seinen 550 Parkplätzen zu erreichen. Wer mit einer Stunde Shoppen auskommt, zahlt einen Euro Parkgebühr. Das Parkhaus ist Montag bis Samstag von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Aber Achtung: Das Loom-Parkhaus wird ruckzuck voll sein. Vor dem Eingang sollen Center-Mitarbeiter dann Flugzettel verteilen, auf denen Parkhäuser in der Nähe eingezeichnet sind.

DIE GESCHÄFTE: Verkauft wird auf einer Fläche von 26.000 Quadratmetern. Laut Center-Management gibt es 110 verschiedene Geschäfte. Viele sind Heimkehrer, die auch schon in der früheren City-Passage zu Hause waren.

DIE ANKER: Größter Mieter ist die Billig-Kette Primark mit einer Verkaufsfläche von 5.000 Quadratmetern über drei Ebenen. Auch Toys ’R’ Us ist dabei, ganz unabhängig von der Pleite der amerikanischen Muttergesellschaft. Bershka und Pull & 
Bear, Superdry sorgen für modische Vielfalt. Und Rewe für den gefüllten Kühlschrank.

HUNGER UND DURST: ...muss im Loom niemand leiden. In der „Loom Kitchen" gibt es 340 Sitzplätze bei neun Anbietern nationaler und internationaler Speisen – von Fisch über Pommes bis zu Rohkost. Beispiele: KFC, Gustosa, Chutney, Spoleto, Lee & Lee, Burger BRO, Pomm Store und Freshbar. Das Marché lockt mit Außengastronomie.

DAS GELD: 135 Millionen hat ECE, eine Tochter der Otto-Group, in den Standort investiert, an dem sich einst die City-Passage samt Kaufhof befand. Investor ist die ECE European Prime Shopping Centre Fund I.

DIE ARCHITEKTUR: Den Mittelpunkt bildet eine Plaza über vier Ebenen mit einer Glaskuppel in 15 Metern Höhe. Beeindruckend. Vielfach ist das Thema Leinen aufgegriffen, nicht nur mit fließenden architektonischen Formen, sondern auch mit Schnittmustern auf den Tischen im Gastro-Bereich.

FÜR NEUNMALKLUGE: „Loom" heißt zu deutsch „Webstuhl". Man kann es auch mit „Auftauchen" übersetzen – was auch bedeuten könnte, dass Bielefeld dank Shopping-Center in neue Höhen vorstößt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!