Zahl der Elternbeschwerden über Schulnoten nimmt zu

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Am 2. Februar bekommen die Schüler in NRW ihre Halbjahreszeugnisse. - © dpa
Am 2. Februar bekommen die Schüler in NRW ihre Halbjahreszeugnisse. (© dpa)

Düsseldorf/Detmold. Die Wahl der weiterführenden Schule, die Berechtigung für den Besuch der gymnasialen Oberstufe oder der passende Abschluss für den gewünschten Ausbildungsplatz. Wenn Schulnoten in wichtigen Phasen der Schullaufbahn nicht stimmen, sind die Auswirkungen groß. Am Freitag schauen viele Eltern deshalb wieder ganz genau hin, wenn ihre Kinder die Halbjahreszeugnisse mit nach Hause bringen. Akzeptiert werden die Noten allerdings nicht von allen Eltern, denn immer mehr legen Widerspruch gegen die Entscheidungen der Lehrer ein.

Steigende Zahl von Widersprüchen in OWL

Das gilt besonders in OWL, denn im Schuljahr 2016/17 ist die Zahl der Widersprüche von Eltern gegen Schulnoten ihrer Kinder bei der Bezirksregierung Detmold von 80 auf 112 gestiegen. „Ob der Anstieg einen Trend begründet, bleibt abzuwarten, aber in den vergangenen Jahren lag die Zahl der Widersprüche konstant bei etwa 80 Verfahren", erklärt Sprecher Andreas Moseke.

Wer sich gegen Noten zur Wehr setzen will, muss sich laut Moseke in einem ersten Schritt an die Schule wenden. Kommt die Schule zu der Auffassung, korrekt benotet zu haben, und die Eltern halten am Widerspruch fest, prüft in einem zweiten Schritt die Bezirksregierung.

Widersprüche haben nur geringe Chancen auf Erfolg

Erfolgversprechend sind Widersprüche jedoch nicht: In OWL kommen Notenkorrekturen seitens der Bezirksregierung nur vereinzelt vor. Im Schuljahr 2016/17 gab es laut Moseke nur 16 Fälle gegeben. Halten Eltern weiter an ihrem Widerspruch fest, bleibt ihnen der juristische Weg. In OWL gab es aktuell acht Klageverfahren, von denen zwei durch einen Vergleich beendet wurden. Die Übrigen sind noch nicht entschieden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht in NRW von einem Trend aus. „Die Zahl der Beschwerden von Eltern über Schulnoten hat spürbar zugenommen. Nach unserem Eindruck stellen Eltern öfter als früher die Kompetenz der Lehrkräfte in Frage", sagt GEW-Sprecher Berthold Paschert. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bestätigt diese Entwicklung. „Eltern und Schüler blicken stärker auf das Ende der Schullaufbahn und nicht auf den langen Weg dorthin. Zudem nimmt der Leistungsdruck auf Schüler zu und die Erwartungshaltung von Eltern an ihre Kinder steigt", sagt der VBE-Vorsitzende in NRW, Stefan Behlau.

Damit Überraschungen bei der Zeugnisvergabe Ausnahmen bleiben, plädiert Behlau an Lehrer, Eltern und Schüler frühzeitig das Gespräch zu suchen. „Zum Leistungsstand von Schülern können Lehrer nicht nur an Elternsprechtagen oder der Zeugnisvergabe Auskunft geben."

Information
Zeugnistelefon

Am Freitag bekommen Schüler in NRW ihre Halbjahreszeugnisse. Die Bezirksregierung Detmold richtet dafür wieder ihre Rechtsberatung bei Fragen zu Noten und zur Schullaufbahn ein. Eltern und Schüler der Real-, Sekundar- und Gesamtschulen sowie Gymnasien und Berufskollegs können sich mit rechtlichen Fragen zur Versetzung und Notengebung an die Mitarbeiter der Schulaufsicht wenden. Das Zeugnistelefon ist Freitag und Montag von 
8 bis 16 Uhr geschaltet. Tel.: (05231) 714848.

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