Spurensuche in 50 ungeklärten Mordfällen

Matthias Bungeroth

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Symbolbild Spurensuche - © Pixabay
Symbolbild Spurensuche (© Pixabay)

Bielefeld. Die Namen Frauke Liebs, Sandra Zimmermann oder Nelli Graf stehen stellvertretend für viele ungeklärte Kapitaldelikte, die sich in Ostwestfalen-Lippe ereignet haben und bis heute ungeklärt sind. Doch das soll sich nun ändern. Denn beim Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf wird eine Datei mit Altfällen unter dem Titel „Cold Cases" aufgebaut. Diese Daten werden von Experten erneut geprüft, um aufgeklärt zu werden. „Die Kriminalhauptstelle Bielefeld ist bislang mit 50 Fällen betroffen", sagt Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann.

„Die Liste geht zurück bis auf das Jahr 1990", so Östermann. Auf die Frage, wie viele Mordkommissionen in Ostwestfalen-Lippe er schon geleitet hat, sagt der Kriminalhauptkommissar: „So etwa 150 bis 200." Genau kann er es beim besten Willen nicht sagen. „Ich mache das jetzt 30 Jahre." Wie es ist, die Akte zu einem Mordfall nicht mit dem Siegel „aufgeklärt" versehen zu können? „Es ist unbefriedigend", sagt Östermann. Allen seinen Mitarbeitern gehe dies genauso. „Die ungeklärten Fälle sind immer Thema." Dass sich nun ein Spezialistenteam in Düsseldorf diese Fälle noch einmal vornimmt, begrüßt Östermann. „Es ist eine prima Sache, wenn das Ganze steht." Östermann nennt Fälle aus folgenden Jahren, die sich in Ostwestfalen-Lippe ereignet haben und nun in die Datei „Cold Cases" aufgenommen werden:

1992: Die 17-jährige Sandra Zimmermann aus Bad Salzuflen wird am 10. Mai in einem Wald bei Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt. Sie war als Anhalterin unterwegs gewesen. Der Mörder ist bis heute nicht gefasst.

2005: In der Nacht zum 1. Dezember erschießt ein unbekannter Mörder ein Ehepaar aus dem Delbrücker Stadtteil Bentfeld und zündet dessen Haus an. Dort werden die Leichen später gefunden. Östermann: „Letztlich sind auch da die Ermittlungen im Sande verlaufen."

2006: Im Juni verschwindet die 21-jährige Frauke Liebs in Paderborn nach einem Gaststättenbesuch. Ihre sterblichen Überreste werden Monate später in einem Wald, rund 20 Kilometer von Paderborn entfernt, aufgefunden. Es gibt keine DNA-Spuren am Fundort. Der Fall bleibt bis heute ungeklärt.

2006: Am 18. Dezember stirbt ein 44 Jahre alter Chemiefacharbeiter im BASF-Werk Minden. Er hatte aus einem Kühlschrank in einem Aufenthaltsraum Limonade getrunken, die mit Blausäure vergiftet war. Geklärt werden konnte der Fall bis heute nicht.

2011: Am 14. Oktober wird die 46-jährige Nelli Graf aus Halle als vermisst gemeldet. Ihre Leiche entdeckt ein Landwirt am 9. Februar 2012. Ihr Körper hat zahlreiche Stichwunden. Der Täter wird immer noch gesucht.

Information

Beweismittel in Kapitalfällen

Ermittler von Kapitalverbrechen unterscheiden bei ihrer Arbeit laut Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann grundsätzlich objektive und subjektive Beweismittel.

Zu den objektiven Beweismitteln zählt die Kriminalpolizei zum Beispiel DNA-Spuren, also Erbgut, das sich im Blut, in Hautpartikeln oder dem Speichel eines Täters befindet, sowie Fingerabdrücke.
Subjektive Beweismittel sind etwa Zeugenaussagen. Nachteil, so Östermann: „Das menschliche Gehirn kann sich irren."

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