Tötungsdelikt in Hille: Verdächtiger nach Bluttat in U-Haft

Nadine Schwan, Gisela Burmester und Stefan Koch

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So posierte Jörg W. mit dem späteren Fluchtfahrzeug. - © Polizei Bielefeld
So posierte Jörg W. mit dem späteren Fluchtfahrzeug. (© Polizei Bielefeld)

Hille/Reit im Winkl. Nach einem mysteriösen Leichenfund im Hiller Ortsteil Neuenbaum am Freitagabend meldet die Polizei einen raschen Fahndungserfolg. Der tatverdächtige Jörg W. (51) aus Hille, nach dem gefahndet wurde, weil er den 30-jährigen Mann aus Stadthagen getötet haben soll, wurde nach Zeugenhinweisen in Reit am Winkl kurz vor der österreichischen Grenze festgenommen, wie die Beamten bekanntgaben.

Die Zeugen hatten nach Auskunft der Behörden den Mercedes des 51-jährigen Hillers gegen 16 Uhr am Samstag in der Nähe der Polizeistation des Ortes entdeckt und Alarm geschlagen. Der Wagen des Tatverdächtigen war zu diesem Zeitpunkt verlassen. Ein Spezialeinsatzkommando der Bayerischen Polizei nahm den Gesuchten widerstandslos in einem nahegelegenen Hotel fest. Die Beamten stellten das Fluchtfahrzeug sicher.

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Opfer hinterlässt Frau und Kinder
Wie ein Bruder des Getöteten gegenüber dieser Zeitung telefonisch erklärte, ist der getötete 30-Jährige von Beruf Maurer gewesen. Er hinterlässt demnach eine Ehefrau und zwei Kinder.
Es solle eine Trauerfeier für das Opfer geben. Das Opfer gehört einer libanesischen Großfamilie an. Vermutlich war über eine Geschäftsbeziehung der Kontakt zu dem zunächst flüchtigen Tatverdächtigen zustande gekommen.

Ein Richter am Amtsgericht Traunstein erließ am Sonntag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld Haftbefehl wegen Mordes gegen den Tatverdächtigen und ordnete Untersuchungshaft an. Die Ermittlungen der Mordkommission dauern an.

Jörg W. wird verdächtigt, Fadi S. getötet zu haben. Dieser hatte, das hatte seine Familie in einer Suchmeldung im sozialen Netzwerk Facebook mitgeteilt, am 4. März um 14 Uhr seinen Heimatort in Richtung Minden/Hille in seinem Auto verlassen und war seitdem spurlos verschwunden. Die Familie gab noch am vorvergangenen Sonntag eine Vermisstenanzeige auf, am vergangenen Montag lag der Polizei eine zweite Vermisstenanzeige vor, in der ein 51-jähriger Hiller gesucht wurde.

Die Spur führte die inzwischen von der Polizei Bielefeld gebildete „Mordkommission Wilhelm“ in den Hiller Ortsteil Neuenbaum. Dort wurde am Freitagnachmittag das Fahrzeug von Fadi S. in einer Scheune gefunden. Die Leiche des 30-Jährigen lag in dem an die Scheune grenzenden Gehöft. Der zweite Mann, Jörg W., war der Tat dringend verdächtig – die bundesweite Fahndung lief an und zeigte nun rasch einen Erfolg.

Der Tatort befindet sich in einem heruntergekommenen Hofgebäude, dessen Eigentümer nach Informationen dieser Zeitung zuletzt ein 71-jähriger Rentner war, der seit Mitte vergangenen Jahres nicht mehr gesehen wurde. Eine Vermisstenmeldung in dieser Sache liegt bei der Polizei nicht vor. Angeblich soll sich der Verschollene nach dem Tod seiner Frau in eine Entziehungskur für Alkoholabhängige begeben haben.

Damit jedenfalls hatte der nun tatverdächtige Jörg W. die Abwesenheit des 71-Jährigen gegenüber Außenstehenden erklärt. Seitdem hatte er sich selbst um das verwahrloste Objekt gekümmert. Bereits zuvor soll er den Rentner in der Erledigung alltäglicher Dinge unterstützt haben. Dauerbeleuchtung im Inneren des Gebäudes bei verschlossenen Jalousien sollte offenbar vortäuschen, dass das Haus bewohnt ist. Außerdem wurden vor einigen Monaten Renovierungsarbeiten vorgenommen.

Der Tatverdächtige zog vor einigen Jahren von Duisburg nach Hille, wo er mit seiner Familie ein landwirtschaftliches Anwesen in der Nachbarschaft des Tatortes erworben hatte. Dort werden zahlreiche Tiere gehalten, darunter Schweine und mehrere Pferde, die auf einer Koppel stehen. Gelegentlich betrieben Familienmitglieder einen Longierplatz. Unbekannt ist, wie W. das Einkommen für die mehrköpfige Familie erzielt hat. Er wird als hilfsbereit beschrieben und soll mehreren Gelegenheitsjobs nachgegangen sein. Angeblich war er in jüngeren Jahren in der Fremdenlegion. Zur Nachbarschaft bestand wenig Kontakt.

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