Bielefelder Hunde-Räuberinnen müssen doch nicht in Haft

Alexandra Buck und Nils Middelhauve

Die Züchterinnen aus Schloß Holte hatten der Bielefelderin den Terrier erst verkauft und ihn ihr dann auf offener Straße so brutal entrissen, dass die Hündin schrie. - © Symbolfoto Pixabay
Die Züchterinnen aus Schloß Holte hatten der Bielefelderin den Terrier erst verkauft und ihn ihr dann auf offener Straße so brutal entrissen, dass die Hündin schrie. (© Symbolfoto Pixabay)

Bielefeld. Auf offener Straße überfielen am 16. Februar 2016 zwei Frauen eine Hundehalterin, als diese mit ihrem Tier spazieren ging, und fuhren mit dem Jack-Russell-Terrier davon. Das Amtsgericht verurteilte die beiden Täterinnen im Juli 2017 wegen Raubs sowie weiterer Betrugstaten zu Gefängnisstrafen von eineinhalb Jahren – ohne Bewährung. Dieses Urteil hat das Landgericht nun abgemildert.

Im November 2015 hatten die beiden 47 und 24 Jahre alten Angeklagten – es handelt sich um Mutter und Tochter, Hundezüchterinnen aus Schloß Holte – eine damals 15 Wochen alte Jack-Russell-Hündin über mehrere Inserate zum Verkauf angeboten. Das Tier weckte das Interesse einer 34 Jahre alten Frau aus Bielefeld-Senne.

Hund ist nicht wieder aufgetaucht

Nach mehreren Telefonaten wurden sich die Parteien einig, Anfang 2016 erfolgte die Übergabe zu einem Preis von 400 Euro. Einen Kaufvertrag gab es nicht – jedoch forderten die Angeklagten einen Tag später die Unterzeichnung eines so genannten Schutzvertrags.

In derartigen Kontrakten kann die Rückabwicklung des Kaufs bei nicht artgerechter Haltung des Tiers festgeschrieben werden. Einen nachträglichen Vertrag lehnte die neue Besitzerin der Hündin jedoch ab.

Als sie am 16. Februar 2016 in den Mittagsstunden mit dem Terrier spazieren ging, liefen auf der Augsburger Straße die beiden Angeklagten auf sie zu und schrien, sie solle den Hund zurückgeben.

Tier entrissen

Mutter und Tochter entrissen der erschrockenen Frau das Tier und brachten es zu einem in der Nähe abgestellten Auto. Als die Besitzerin versuchte, die Täterinnen am Wegfahren zu hindern, verpasste ihr die jüngere der Angeklagten einen Tritt. Dann fuhren die Frauen davon. Der Hund blieb bis heute verschwunden.

Das Bielefelder Landgericht hat das Urteil des Amtsgerichts gegen die beiden geständigen Frauen in der Berufung abgemildert und sie zu Bewährungsstrafen von 15 und 14 Monaten verurteilt. In das Urteil flossen zwei weitere Betrugsfälle mit ein: Die Mutter hatte einen Gärtnermeister um fast 7.500 Euro betrogen. Sie hatte eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, die mehrfach erfolglos gepfändet worden war. Die 24-jährige Tochter hatte einen Käufer bei Ebay um 175 Euro betrogen.

Die Mutter bekam zusätzlich zur Bewährungsstrafe wegen gemeinschaftlichen Raubes und Betruges die Auflage, 1.200 Euro zu zahlen und 200 Sozialstunden abzuleisten. Die Tochter bekam die Auflage, 2.400 Euro zu zahlen. Außerdem wurde sie zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe wegen gemeinsamen Raubes, Betruges und Körperverletzung verurteilt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.