Denkfabrik Bertelsmann: Konkretes Handeln steht im Vordergrund

Martin Fröhlich

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Haben Pläne: Die Vorstände (v. l.) Jörg Dräger, Brigitte und Liz Mohn, Aart De Geus sowie Kommunikationschef Andreas Knaut. - © Andreas Frücht
Haben Pläne: Die Vorstände (v. l.) Jörg Dräger, Brigitte und Liz Mohn, Aart De Geus sowie Kommunikationschef Andreas Knaut. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Als Denkfabrik hat sich die Bertelsmann-Stiftung in den 41 Jahren seit ihrer Gründung einen Namen gemacht. Wobei das Wort Denkfabrik genau genommen zwei Tätigkeiten beschreibt: das Ideenfinden und das Handeln. Letzteres steht, das zeigen viele Projekte, zunehmend im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit.

Vorstandsmitglied Jörg Dräger betonte auf der Jahrespressekonferenz des 380 Mitarbeiter starken Hauses in Gütersloh, dass Pilotprojekte, in denen Lösungsvorschläge getestet werden, ebenso zur Arbeit gehörten. Das gilt etwa für das Qualifizierungsprogramm für geflüchtete Pädagogen (Lehrkräfte Plus). Damit will die Stiftung dem Lehrermangel begegnen und zugewanderten Lehrern eine Chance eröffnen. Für die 25 Plätze des Programms in NRW gibt es 750 Bewerbungen.

In einer ganz anderen Dimension spielt das Projekt meine-berufserfahrung.de. Die Webseite gibt Geflüchteten und Migranten Hilfe bei der beruflichen Orientierung. In einem Schnelltest können sie herausfinden, auf welchem Erfahrungsstand sie in ihrem Beruf sind. „Daraus entsteht ein praxisnahes Kompetenzprofil", so Dräger. Die Weiterentwicklung dieses Modells ist ein einzigartiges Projekt mit der Bundesagentur für Arbeit (siehe Infokasten). Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung, misst der Vermittlung von Arbeit eine gewaltige Bedeutung zu: „Junge Menschen, die nicht arbeiten dürfen oder können, haben oft keinen Lebensinhalt."

Vorstandsmitglied Brigitte Mohn schilderte den Start in ein neues Feld. Mit kostenlosen digitalen Weiterbildungsplattformen will die Stiftung Lehrer und Erzieher in Kitas und Schulen unterstützen. „Die Pädagogen erhalten Hilfe dabei, den Kindern beizubringen, was es heißt ein Demokrat zu sein", so Mohn. Der erste Onlinekurs wird im Herbst freigeschaltet.

Einen großen Raum soll in der Stiftungsarbeit die Digitalisierung des Gesundheitssystems einnehmen. „Da hat Deutschland den Zug leider verpasst, und wir müssen das nachholen", erklärte Brigitte Mohn. Am Anfang steht die Bestandsaufnahme. Die Stiftung erstellt einen digitalen Gesundheitsindex für 17 Länder in aller Welt. „Daran sehen wir, wo wir stehen und was wir von anderen lernen können." Und das ist jede Menge: so werden in Schweden und Dänemark 99 Prozent aller Rezepte elektronisch verschickt und verarbeitet. In Estland besitzen 97 Prozent der Patienten eine elektronische Akte. „In Deutschland haben in einer Umfrage acht Prozent der Ärzte angegeben, dass sie schon mit einer Online-Akte zu tun hatten."

In der demokratischen Bildung, einem Stammthema des Hauses, sieht der Vorstandsvorsitzende Aart de Geus den „Kampf gegen die Angst" als wichtigste Aufgabe. „Wir leben in einer Welt des Umbruchs und der Umbruch ist zum Normalfall geworden", erklärte er. Viele Menschen fürchteten Globalisierung und Modernisierung. Dem wolle man mit Aufklärung und Fakten entgegenwirken. Es gehe um das Grundverständnis eines Zusammenlebens in pluralen Gesellschaften.

„Denn noch nie war die Welt so zerrissen wie heute", so Liz Mohn. Menschen müssten auf den Weg der Veränderung mitgenommen werden. Das Mitnehmen wäre dann wieder ein konkretes Handeln, das die Denkfabrik anstrebt.

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