Wildtierverbot abgelehnt: Zirkus Charles Knie kommt nach Bielefeld

Ansgar Mönter

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Der Zirkus Charles Knie kommt nach Bielefeld. - © Zirkus Charles Knie
Der Zirkus Charles Knie kommt nach Bielefeld. (© Zirkus Charles Knie)

Bielefeld. Zirkus Charles Knie kommt nach Bielefeld – das ist der Zirkus, der Ende vergangenen Jahres das vom Stadtrat beschlossene Wildtierverbot für Tiere gerichtlich kippen ließ. Er hat 200 Tiere von 25 Arten dabei, darunter Kängurus, Wasserbüffel, Rinder, Zebras, Tiger, Lamas, Pferde. Für manche ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Zirkus selbst spricht hingegen von reinen Vorurteilen.
Im Dezember 2017 hatte das Verwaltungsgericht Minden in einem Eilverfahren entschieden, dass der Bielefelder Ratsbeschluss zum Zirkus-Wildtierverbot unzulässig ist. Laut Gericht darf nur das Bundesumweltministerium mit dem Bundesrat ein solches Verbot erlassen. Also kann Charles Knie kommen, mit Tieren.

Leiden die Tiere beim Zirkus, der ab 22. Juni an der Radrennbahn Vorstellungen gibt? Ratsherr Michael Gugat von den Piraten fürchtet das. Er will einen ausführlichen Bericht vom Veterinäramt, wie sichergestellt wird, dass das nicht passiert, unter anderem mit Quadratmeterzahl der Käfige und Anzeichen für Verhaltensstörungen.

Ablehnung kommt von Bastian Lutterjohann. Der Bielefelder bezeichnet den Gerichtsbeschluss als „Fehlurteil". Für ihn ist klar, dass Tiere im Zirkus unter Stress stehen. „Quälerei", sei das. Deswegen rufen die Organisationen „Ariwa" und „Venga"zur Mahnwache am Samstag, 17.30 Uhr an der Radrennbahn auf.

"Die Arbeit mit den Tieren basiert auf Zuneigung"

Der Tierschutzverein „Peta" argumentiert zweigleisig. Zum einen verweist er auf die Gefahr hin, die entstehen kann, wenn Löwen oder Tiger ausbrechen, was mehrfach passiert sei; zum anderen moniert er, das artgerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus nicht möglich sei. „Wildtiere haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, die in einem reisenden Zirkus nicht erfüllt werden können."

In Wolfsburg kam die örtliche Zeitung zu einem anderen Urteil. Dort gastierte Zirkus Charles Knie vergangene Woche. Die Zeitung Wolfsburger Allgemeine schreibt von genügend Platz, sauberen Boxen, kerngesunden, gepflegten und zutraulichen Tieren.

Von einer „alten Leier" der Kritiker spricht denn auch Dieter Seeger, Tierschutzbeauftragter bei Charles Knie. Untersuchungen durch Wissenschaftler und Verhaltensforscher hätten keine Erhöhung der Stresshormone bei Tigern, Elefanten oder anderen gezeigt. Außerdem seien alle Tiere in der Obhut von Menschen geboren worden.

Seegers verweist auf die Leitlinien für die Haltung und Vorführung, an die sich seit Jahrzehnten sein Zirkus wie alle anderen zu halten hätten. Die Leitlinien schreiben Größe von Gehege und Käfigen, Auslauf, Futter und vieles mehr vor. „Er hat für uns verbindlichen Charakter", sagt Seeger. Etwa 40 Mal im Jahr werde das zudem von offizieller Seite geprüft. So oft gibt der Zirkus Gastspiele in unterschiedlichen Städten. Alles werde dokumentiert.

Bis auf einen Vorfall hätte der Zirkus alle Maßgaben immer eingehalten. In Bielefeld ist das Veterinäramt zuständig. „Gesundheit der Tiere, Pflege, Unterbringung, Futter und Dokumentation" stehen laut Amtsveterinärin Katrin Borgsen auf dem Prüfstand. Beim Tiger oder anderen Wildtieren unter Artenschutz kommen noch spezielle andere Anforderungen hinzu, die gecheckt werden.

Seeger erwartet die Prüfung und hofft auf Einsicht der Kritiker, sofern sie nicht ideologisch argumentieren würden. Denn „weder Transport noch Dressur oder Haltung schadet den Tieren. Die Arbeit zwischen Mensch und Tier basiert schließlich auf Vertrauen und Zuneigung".

Zirkus Charles Knie, bis Mittwoch, 27. Juni, an der Radrennbahn, will beweisen, dass es anders ist als die kritischen Stadtrat-Mitglieder glauben. Deswegen hat er Michael Gugat und weitere für kommenden Samstag eingeladen. Sie sollen sich selbst ein Bild vor Ort machen können. An vier Tagen bietet der Zirkus außerdem eine Tierschau an. „Wir haben nichts zu verbergen", sagt Seeger.

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