Kaiser-Wilhelm-Denkmal erstrahlt in neuem Glanz

Ursula Koch

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Viel Betrieb: Einige Besucher kamen sogar in historischen Kostümen aus der Kaiserzeit zum Denkmal. - © LWL
Viel Betrieb: Einige Besucher kamen sogar in historischen Kostümen aus der Kaiserzeit zum Denkmal. (© LWL)

Porta Westfalica. Zur ersten Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals 1896 war der Himmel bedeckt, es erklangen Posaunen und Fanfaren, die Menschen versammelten sich in demütiger Geste gegenüber dem Kaiser. 2018 ist alles anders: Strahlender Sonnenschein, Jazz und selbstbewusste Staatsbürger, betont Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), in seiner Rede. Darum veranstalte der LWL zur Wiedereröffnung ein buntes Bürgerfest.

„Wir wollen das bislang ungenutzte Potenzial dieses bemerkenswerten Ortes heben", betont Löb. Das neue Besucherzentrum solle den Besuchern eine Lesehilfe bieten. Staatssekretär Gunther Adler vom Bundesbauministerium dankte er für den Zuschuss von 5,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm für national bedeutende Denkmäler, die den LWL-Politikern die Zustimmung leichter gemacht hätten. Er bedankte sich bei Portas Bürgermeister Bernd Hedtmann für seinen ansteckenden Optimismus und den städtischen Anteil von 600.000 Euro, die Porta trotz Haushaltssicherung locker gemacht habe.

Zudem lobte Löb auch Bodo Strototte, Geschäftsführer der LWL-Vermögensverwaltungsgesellschaft (WLV), für die Idee, die Gastronomie in der Ringterrasse unterzubringen und den örtlichen Vereinen, die ihr Wissen dem Büro Dr. Hermanns für die Konzeption des Besucherzentrums zur Verfügung gestellt hätten. Der Architekt Peter Bastian aus Münster habe das Denkmal behutsam um zeitgemäße Formen ergänzt.

„Jeder investierte Euro ist ein gut investierter Euro", bekräftigte Adler. Das Denkmal in Porta sei innerhalb des Förderprogramms ein Premium-Projekt gewesen. Es gehe nicht nur darum, Schönes zu bewahren, sondern den Menschen über ihre Heimat eine Perspektive zu bieten. Er zitierte den früheren NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau, dass Denkmalpflege für die Menschen in Zeiten der Flexibilisierung Heimat schaffe. „Hier stehen wir vor etwas Unverwechselbarem", lobte der Leipziger. Das Völkerschlachtdenkmal sei zwar höher, aber der Kaiser schöner.

Viel Lob sprachen die geladenen Gäste aus. Von einem „super eindrucksvollen" Bau sprach der Portaner Unternehmer Wolfgang Schäferbarthold. Die Ausstellung im Besucherzentrum mache einen sehr vollständigen Eindruck. Die „sehr gelungene Anlage" setze touristische Akzente, die weit über die Region hinausstrahlen, zeigt sich Herbert Weber, Geschäftsführer der OstWestfalenLippe GmbH (Marketing), überzeugt. „Das wird ein Highlight", ist Mindens Bürgermeister Michael Jäcke überzeugt.

„Ich bin richtig begeistert", sagt Steffen Kampeter, früher Staatssekretär im Finanzministerium, heute Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband deutscher Arbeitgeberverbände. Die Ausstellung mache auf ihn einen sehr guten Eindruck, auch weil sie Denkmäler insgesamt einordne. Der nächste Schritt müsse die Vernetzung der umliegenden Kommunen mit dem Denkmal sein: „Dann ist eine Seilbahn vielleicht gar nicht so abwegig."

Die LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger denkt schon einen Schritt weiter: „Das Denkmal kann nur in Verbindung mit dem Preußenmuseum in Minden funktionieren." In dieser Kombination sieht sie eine gute Chance für die Region. Allerdings muss der LWL-Kulturausschuss auch dafür noch die Finanzierung bewilligen.

Die Logistik rund um das Denkmal funktionierte am Nachmittag. Busse brachten 3.500 Menschen hinauf. Viele wanderten aber auch hinauf, um die Aussicht zu genießen und einen ersten Blick in die Ausstellung und die Gaststätte zu werfen.

Die Sanierung des Denkmals hat insgesamt rund 16,6 Millionen Euro gekostet. Besonders aufwendig waren die 270 Pfahlbohrungen, mit denen rund 800 Kilogramm Zement zum Stabilisieren des Ringsockels in den Berg gepumpt werden mussten, um die Statik zu sichern.

Ein langer Weg zur Sanierung

Mehr als zwei Jahre dauerte es, bis sich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in runderneuertem Zustand präsentieren konnte. Erwartet werden nun etwa 150.000 Besucher im Jahr, wie der Landschaftsverband Westfalen-lippe (LWL) als Eigentümer kalkuliert. Das 1896 eröffnete Denkmal gilt als Deutschlands zweitgrößtes Monument nach Leipzigs Völkerschlachtdenkmal. Das Denkmal hoch oben über der Weser und dem Wiehengebirge an der Grenze zu Niedersachsen ist von weitem zu erkennen – etwa von der A 2 oder der Bahnlinie Hannover-Dortmund aus.

Das rund 88 Meter hohe Standbild von Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) wurde ab 1892 durch die damalige preußische Provinz Westfalen errichtet. Die Einweihung erfolgte am 18. Dezember 1896, dem Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig in den antinapoleonischen Befreiungskriegen 1813. Auch Kaiser Wilhelm II. reiste zur Einweihung an. 1946 wurde die Denkmalterrasse beschädigt und in den Folgejahren saniert. Zuletzt hatte teilweise Einsturzgefahr bestanden. Wichtig für Besucher: Der Eintritt zum Denkmal und in das Besucherzentrum ist kostenfrei, wie der LWL mitteilt. Das Areal um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist jederzeit zugänglich.

Öffnungszeiten des LWL-Besucherzentrums sind: Montag bis Sonntag, 10 bis 18:00 Uhr. Blickfang der 270 Quadratmeter großen Präsentation ist die Panoramawand mit 33 Einzelszenen zu kulturellen Ereignissen der Region.
Unterhalb des Denkmals befinden sich kostenpflichtige Parkplätze. Der Fußweg von der Bushaltestelle/Parkplatz zum Besucherzentrum beträgt laut LWL etwa 300 Meter.

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